Erleada®
Steckbrief
- Wirkstoffname: Apalutamid
- Arzneimittelgruppe: selektiver Androgenrezeptor (AR)-Inhibitor
- Verfügbare Stärken/Darreichungsformen: Filmtabletten in 60 oder 240 mg
- Verschreibungspflichtig


Erleada® ist ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Apalutamid, das zur Behandlung von Prostatakrebs eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der Androgenrezeptor-Inhibitoren und wird insbesondere bei nicht-metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom sowie bei bestimmten Formen des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms angewendet. Apalutamid blockiert die Wirkung von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen), die das Wachstum von Prostatakrebszellen fördern. Dadurch kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt und das Risiko für Metastasen reduziert werden.

Erleada® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das ausschließlich auf ärztliche Verordnung erhältlich ist. Die Kosten für Erleada® sowie erforderliche Begleituntersuchungen werden in der Regel von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Je nach individuellem Versicherungsvertrag können unterschiedliche Regelungen gelten.
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Erleada® (Apalutamid) wird zur Behandlung von Prostatakarzinomen bei erwachsenen Männern eingesetzt und gehört zu den Arzneimitteln der Krebstherapie.
Das Arzneimittel wird angewendet bei:
Erleada® wird dabei in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) eingesetzt, die den Testosteronspiegel im Körper senkt und so das Wachstum der Krebszellen zusätzlich hemmt.
Apalutamid, der Wirkstoff in Erleada®, ist ein selektiver Androgenrezeptor-(AR)-Inhibitor, der gezielt die Wirkung männlicher Geschlechtshormone (Androgene) wie Testosteron und Dihydrotestosteron blockiert. Diese Hormone sind entscheidend für das Wachstum und Überleben von Prostatakarzinomzellen.
Apalutamid bindet an die Ligandenbindungsdomäne des Androgenrezeptors und verhindert so, dass körpereigene Androgene an den Rezeptor andocken. Darüber hinaus hemmt der Wirkstoff mehrere zentrale Schritte der Androgenrezeptor-Signalübertragung: Er blockiert die Translokation des Rezeptors in den Zellkern, verhindert die Bindung an die DNA und unterdrückt die androgenabhängige Genexpression. Eine eigene agonistische (aktivierende) Wirkung am Rezeptor besitzt Apalutamid nicht.
Durch diese umfassende Hemmung der Androgenwirkung wird die Proliferation der Tumorzellen reduziert und gleichzeitig die Apoptose (programmierter Zelltod) gefördert. Dies führt insgesamt zu einer ausgeprägten antitumoralen Wirkung und verlangsamt das Fortschreiten der Erkrankung.
Ein aktiver Hauptmetabolit, N-Desmethylapalutamid, trägt ebenfalls zur Wirkung bei, weist jedoch in vitro etwa ein Drittel der Aktivität des Ausgangsstoffs auf.
Die Behandlung mit Erleada® sollte durch einen in der Therapie des Prostatakarzinoms erfahrenen Arzt eingeleitet und überwacht werden.
Die empfohlene Dosis beträgt 240 mg Apalutamid einmal täglich (entsprechend vier Tabletten zu je 60 mg), die oral eingenommen werden. Bei Patienten, die nicht chirurgisch kastriert sind, sollte zusätzlich eine Androgendeprivationstherapie (z. B. mit einem GnRH-Analogon) fortgeführt werden.
Wird eine Einnahme vergessen, sollte die Dosis noch am selben Tag so bald wie möglich nachgeholt werden. Am folgenden Tag wird die Behandlung wie gewohnt fortgesetzt. Eine doppelte Einnahme zur Kompensation ist zu vermeiden.
Bei Auftreten von schweren Nebenwirkungen oder nicht tolerierbaren Beschwerden sollte die Therapie vorübergehend unterbrochen werden. Nach Besserung der Symptome kann die Behandlung in der Regel wieder aufgenommen werden – gegebenenfalls mit einer reduzierten Dosis (180 mg oder 120 mg täglich).
Erleada® wird oral eingenommen. Die Tabletten sollten unzerkaut und unzerteilt geschluckt werden, um sicherzustellen, dass die vollständige Dosis aufgenommen wird. Ein Zerkleinern oder Teilen der Tabletten ist nicht vorgesehen. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
Für Patienten, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, besteht die Möglichkeit, die Tabletten in stillem Wasser zu dispergieren und anschließend mit einem geeigneten Medium einzunehmen. Hierfür werden die Tabletten in etwa 20 ml Wasser ohne Kohlensäure gegeben und nach etwa 2 Minuten, sobald sie zerfallen sind, gut verrührt. Anschließend kann die Mischung mit einem nicht kohlensäurehaltigen Getränk oder weichen Nahrungsmitteln wie Orangensaft, grünem Tee, Apfelmus, Trinkjoghurt oder zusätzlichem Wasser ergänzt werden.
Die zubereitete Mischung sollte sofort vollständig eingenommen werden. Um sicherzustellen, dass die gesamte Dosis aufgenommen wurde, empfiehlt es sich, den Becher anschließend mit Wasser auszuspülen und auch diese Flüssigkeit zu trinken.
Wie alle Arzneimittel kann auch Erleada® Nebenwirkungen verursachen, die jedoch nicht bei jedem Patienten auftreten müssen.
Zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen insbesondere schwere Hautreaktionen. Dazu gehören ausgeprägte Hautausschläge mit Fieber und geschwollenen Lymphknoten (DRESS-Syndrom) sowie potenziell lebensbedrohliche Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse, die sich durch Blasenbildung, Hautablösung und Schleimhautbeteiligung äußern können. In solchen Fällen muss die Behandlung sofort beendet und umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
Ebenfalls schwerwiegend sind kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzerkrankungen, Schlaganfälle oder sogenannte Mini-Schlaganfälle. Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot, plötzlich auftretende Schwäche oder Sprachstörungen sollten sofort ärztlich abgeklärt werden. Zudem können Krampfanfälle auftreten, die in der Regel ein Absetzen der Therapie erforderlich machen. In seltenen Fällen wurde auch über entzündliche Lungenerkrankungen (interstitielle Lungenerkrankung) mit Husten und Atemnot berichtet.
Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen gehören Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Hautausschlag, verminderter Appetit, Bluthochdruck, Hitzewallungen, Durchfall, Gewichtsverlust sowie ein erhöhtes Risiko für Stürze und Knochenbrüche.
Häufig treten zudem Muskelkrämpfe, Juckreiz, Haarausfall, Geschmacksveränderungen sowie erhöhte Cholesterin- und Triglyceridwerte auf. Auch eine Unterfunktion der Schilddrüse kann auftreten, die sich unter anderem durch Müdigkeit äußert und laborchemisch nachweisbar ist. Darüber hinaus kann es zu einer Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Neutropenie) kommen, wodurch die Infektanfälligkeit erhöht ist.
Gelegentlich wurden Krampfanfälle sowie Hautreaktionen wie ein lichenoider Ausschlag beobachtet. Ebenfalls möglich ist das Auftreten eines Restless-Legs-Syndroms, das sich durch einen unangenehmen Bewegungsdrang der Beine äußert.
Insgesamt sollten Patienten während der Behandlung regelmäßig ärztlich überwacht werden, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.
Apalutamid weist ein hohes Potenzial für Arzneimittelwechselwirkungen auf, da es ein starker Induktor von CYP3A4 und CYP2C19 sowie ein schwächerer Induktor von CYP2C9 ist. Zusätzlich beeinflusst es verschiedene Arzneistofftransporter wie das P-Glykoprotein (P-gp). Dadurch kann Apalutamid die Wirksamkeit zahlreicher gleichzeitig verabreichter Arzneimittel vermindern.
Wirkstoffe, die die Enzyme CYP2C8 (z. B. Gemfibrozil, Clopidogrel) oder CYP3A4 (z. B. Itraconazol, Ketoconazol, Ritonavir, Clarithromycin) hemmen, können die Verstoffwechselung von Apalutamid beeinflussen. In der Regel ist keine initiale Dosisanpassung erforderlich, jedoch kann bei eingeschränkter Verträglichkeit eine Dosisreduktion von Apalutamid erwogen werden.
Durch die Induktion von Enzymen kann Apalutamid die Plasmakonzentrationen vieler Wirkstoffe senken. Betroffen sind insbesondere Substrate von:
In diesen Fällen kann eine verminderte Wirksamkeit auftreten, weshalb eine klinische Überwachung und ggf. Dosisanpassung notwendig ist. Bei Warfarin sollte zusätzlich der INR-Wert regelmäßig kontrolliert werden. Wenn möglich, sollte eine alternative Medikation in Betracht gezogen werden.
Auch UGT-Substrate (z. B. Levothyroxin, Valproinsäure) können durch Apalutamid schneller abgebaut werden, was ebenfalls zu einer verminderten Wirkung führen kann.
Darüber hinaus kann Apalutamid die Aktivität verschiedener Arzneistofftransporter beeinflussen. Dazu gehören:
Auch hier kann es zu einer verringerten Bioverfügbarkeit kommen, sodass eine Überwachung und gegebenenfalls Dosisanpassung erforderlich ist. In-vitro-Daten deuten zudem darauf hin, dass Transporter wie OCT2, OAT3 und MATE beeinflusst werden können.
Da die begleitende Androgendeprivationstherapie das QT-Intervall verlängern kann, sollte die gleichzeitige Anwendung von Apalutamid mit anderen QT-verlängernden Arzneimitteln (z. B. Antiarrhythmika, bestimmte Antibiotika oder Antipsychotika) sorgfältig abgewogen werden, da ein erhöhtes Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) bestehen kann.
Insgesamt erfordert die Therapie mit Apalutamid eine sorgfältige Prüfung möglicher Wechselwirkungen und eine enge ärztliche Überwachung.
Apalutamid darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff besteht. Darüber hinaus ist die Anwendung bei Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden könnten, kontraindiziert.
Apalutamid ist für Frauen in der Schwangerschaft strikt kontraindiziert. Aufgrund seines Wirkmechanismus kann der Wirkstoff die Wirkung von Androgenen blockieren und dadurch schädliche Auswirkungen auf die fetale Entwicklung haben. Eine Exposition während der Schwangerschaft ist daher unbedingt zu vermeiden.
Es ist nicht bekannt, ob Apalutamid oder seine Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Ein Risiko für das gestillte Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher sollte Apalutamid während der Stillzeit nicht angewendet werden.
Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass Apalutamid oder seine Metaboliten in das Sperma übergehen, besteht ein potenzielles Risiko für den sich entwickelnden Fetus.
Männliche Patienten, die Geschlechtsverkehr mit einer Frau im gebärfähigen Alter haben, sollten daher während der Behandlung und für mindestens 3 Monate nach der letzten Einnahme eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Empfohlen wird die Kombination aus einem Kondom und einer weiteren hochwirksamen Empfängnisverhütungsmethode.
Diese Maßnahmen dienen dazu, eine mögliche Schädigung eines ungeborenen Kindes zu verhindern.

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Filip Blazevic ist Pharmazeut mit Schwerpunkt auf Pharmakokinetik und Cancer Biology. Mit einem analytischen Blick, viel Neugier und einem hohen Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit bereitet er komplexe Gesundheitsthemen verständlich und fundiert auf.
Stand: 16.02.2026

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Quellen:
Gelbe Liste: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Apalutamid_55633 und https://www.gelbe-liste.de/neue-medikamente/neueinfuehrung-erleada-apalutamid
EMA: https://www.ema.europa.eu/de/documents/overview/erleada-epar-medicine-overview_de.pdf
E-Compendium: https://www.e-compendium.be/de/packungsbeilagen/patient/7863
Fachinformation: https://static.janssen-emea.com/sites/default/files/Germany/SMPC/DE-PL-0021.pdf

Dieser Artikel dient der Erstinformation und ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Therapieempfehlung. Konkrete Gesundheitsfragen erfordern immer eine individuelle Beratung durch Fachpersonal. Bei Fragen zu Medikamenten wenden Sie sich gerne an unser Apothekerteam.