Vibegron
Steckbrief
- Wirkstoffname: Vibegron
- Wirkstoff enthalten in: Obgemsa®
- Arzneimittelgruppe: selektiver β3-Adrenorezeptoragonist
- Verfügbare Darreichungsformen: Filmtabletten
- Verfügbare Stärken: 75 mg
- Verschreibungspflichtig


Vibegron (Handelsname: Obgemsa®) ist ein Arzneistoff zur Behandlung der überaktiven Blase (Overactive Bladder, OAB) bei Erwachsenen. Er gehört zur Gruppe der β3-Adrenozeptor-Agonisten. Der Wirkstoff entspannt die Blasenmuskulatur, indem er gezielt β3-Rezeptoren aktiviert. Dadurch erhöht sich die Speicherkapazität der Harnblase, und Symptome wie häufiger Harndrang, plötzlicher Harndrang (Dranginkontinenz) und häufiges Wasserlassen können reduziert werden.
Vibegron ist ein Arzneistoff zur Behandlung von Erwachsenen mit überaktiver Blase (Overactive Bladder, OAB). Das Medikament wird bei Patientinnen und Patienten eingesetzt, die unter Symptomen wie imperativem Harndrang, erhöhter Miktionsfrequenz oder Dranginkontinenz leiden.
Eine überaktive Blase ist eine Funktionsstörung der Harnblase, bei der es zu einem plötzlich auftretenden, schwer kontrollierbaren Harndrang kommt – auch ohne volle Blase.
Der imperative Harndrang beschreibt einen plötzlich einsetzenden, sehr starken Harndrang, der sich kaum unterdrücken lässt.
Eine erhöhte Miktionsfrequenz bedeutet, dass Betroffene ungewöhnlich häufig Wasser lassen müssen, oft auch in kurzen Abständen und teilweise nachts.
Von Dranginkontinenz spricht man, wenn es im Zusammenhang mit starkem Harndrang zu ungewolltem Urinverlust kommt.
Vibegron ist ein selektiver β3-Adrenozeptor-Agonist, der gezielt an β3-Rezeptoren bindet. Diese Rezeptoren kommen vor allem in der glatten Muskulatur der Harnblase (Detrusormuskel) sowie im Harntrakt vor.
Durch die Aktivierung der β3-Rezeptoren wird eine Signalkaskade in den Zellen ausgelöst: Über sogenannte G-Proteine wird die Bildung des Botenstoffs cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat) angeregt. Dieser aktiviert weitere Enzyme, die letztlich dazu führen, dass die Calciumkonzentration in den Muskelzellen sinkt.
Die Folge ist eine Entspannung (Relaxation) der Blasenmuskulatur. Dadurch kann die Harnblase mehr Urin speichern, und der Harndrang tritt seltener und weniger plötzlich auf.
Auf diese Weise trägt Vibegron dazu bei, typische Beschwerden einer überaktiven Blase, wie häufigen Harndrang und Dranginkontinenz, zu lindern.
Die empfohlene Dosis von Vibegron beträgt 75 mg einmal täglich.
Bei Patienten mit leichter bis schwerer Nierenfunktionsstörung (GFR 15–90 ml/min, nicht dialysepflichtig) ist keine Dosisanpassung erforderlich. Für Patienten mit terminaler
Niereninsuffizienz (GFR < 15 ml/min, mit oder ohne Hämodialyse) liegen keine ausreichenden Daten vor, sodass eine Anwendung nicht empfohlen wird.
Auch bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh A und B) ist keine Dosisanpassung notwendig. Bei schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh C) wurde Vibegron nicht ausreichend untersucht und sollte daher nicht angewendet werden.
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren liegen derzeit keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vor, weshalb eine Anwendung in dieser Altersgruppe nicht empfohlen wird.
Vibegron wird oral eingenommen und kann unabhängig von den Mahlzeiten angewendet werden. Die Tablette sollte mit einem Glas Wasser unzerkaut geschluckt werden.
Bei Patienten mit Schluckbeschwerden können die Filmtabletten zerkleinert und mit weicher Nahrung (z. B. Apfelmus) gemischt werden. Die Mischung sollte unmittelbar eingenommen und anschließend mit einem Glas Wasser nachgespült werden.
Unter der Behandlung mit Vibegron können verschiedene Nebenwirkungen auftreten, die jedoch meist mild bis moderat ausgeprägt sind.
Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen insbesondere Harnwegsinfektionen, Kopfschmerzen sowie gastrointestinale Beschwerden wie Obstipation, Diarrhö und Übelkeit. Ebenfalls häufig wurde ein erhöhter Restharn beobachtet.
Gelegentlich kann es zu Hitzewallungen, Hautausschlägen (einschließlich juckender oder erythematöser Exantheme) sowie zu Harnverhalt kommen, der auch mit erschwertem Wasserlassen einhergehen kann.
Insgesamt sollte bei Auftreten von Beschwerden, insbesondere bei anhaltenden Harnproblemen oder Hautreaktionen, eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Vibegron ist ein Substrat von CYP3A4, mehreren UGT-Enzymen sowie dem Effluxtransporter P-Glykoprotein (P-gp). Entsprechend können Arzneimittel, die diese Systeme beeinflussen, auch die Pharmakokinetik von Vibegron verändern.
Die gleichzeitige Anwendung von starken oder moderaten CYP3A4- bzw. P-gp-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol, Diltiazem) führt zu einer Erhöhung der Vibegron-Exposition, jedoch ist keine Dosisanpassung erforderlich. Auch bei gleichzeitiger Gabe von CYP3A4- oder P-gp-Induktoren (z. B. Rifampicin) sind keine klinisch relevanten Änderungen zu erwarten, sodass ebenfalls keine Dosisanpassung notwendig ist.
Vibegron kann seinerseits die Pharmakokinetik anderer Wirkstoffe beeinflussen. So wurde bei gleichzeitiger Anwendung mit dem P-gp-Substrat Digoxin ein moderater Anstieg der Plasmaspiegel beobachtet. Daher sollten die Digoxin-Serumkonzentrationen überwacht und die Dosis entsprechend angepasst werden. Auch bei anderen P-gp-Substraten mit enger therapeutischer Breite (z. B. Dabigatranetexilat, Apixaban, Rivaroxaban) ist Vorsicht geboten.
In vitro wurde zudem eine Hemmung des Transporters OCT1 durch Vibegron beobachtet, deren klinische Bedeutung derzeit jedoch unklar ist.
Pharmakodynamische Studien zeigten, dass die gleichzeitige Anwendung mit Metoprolol oder
Amlodipin keine klinisch relevanten Veränderungen des Blutdrucks verursacht. Insgesamt gelten die Wechselwirkungen von Vibegron als überschaubar, dennoch ist bei Kombination mit empfindlichen Substraten eine klinische Überwachung empfehlenswert.
Vibegron darf nicht angewendet werden bei Patienten mit einer Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels.
Für die Anwendung von Vibegron in der Schwangerschaft liegen nur begrenzte Daten vor. Tierexperimentelle Studien weisen auf mögliche reproduktionstoxische Effekte hin. Daher wird die Anwendung während der Schwangerschaft nicht empfohlen. Auch bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne zuverlässige Empfängnisverhütung sollte Vibegron nicht eingesetzt werden. Wird während der Behandlung eine Schwangerschaft festgestellt oder geplant, sollte die Therapie beendet und gegebenenfalls auf eine Alternative umgestellt werden.
Es ist nicht bekannt, ob Vibegron in die Muttermilch übergeht. Tierexperimentelle Daten deuten jedoch auf eine mögliche Ausscheidung hin. Ein Risiko für den gestillten Säugling kann daher nicht ausgeschlossen werden, weshalb die Anwendung von Vibegron in der Stillzeit nicht empfohlen wird.
Bei der Anwendung von Vibegron sind bestimmte Risikogruppen besonders zu beachten.
Bei Patienten mit einer Blasenausgangsobstruktion sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Antimuskarinika zur Behandlung einer überaktiven Blase (ÜAB) besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Harnverhalts. Daher sollten Patienten vor und während der Behandlung sorgfältig auf entsprechende Symptome (z. B. erschwertes Wasserlassen) überwacht werden. Dies gilt insbesondere für Patienten mit bereits bestehenden Risikofaktoren. Entwickelt sich ein Harnverhalt, sollte die Behandlung mit Vibegron abgebrochen werden.
Zudem sind Hilfsstoffe zu berücksichtigen: Patienten mit seltener hereditärer Galactose-Intoleranz, vollständigem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht anwenden.
Das Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Tablette und gilt somit als nahezu natriumfrei.

✓ 100% Sofortrabatt bei der Einlösung¹³
✓ Für alle kassenärztlichen E-Rezepte
✓ Erstattung sofort im Warenkorb
✓ Bei digitaler Einlösung in der App oder im Web
Filip Blazevic ist Pharmazeut mit Schwerpunkt auf Pharmakokinetik und Cancer Biology. Mit einem analytischen Blick, viel Neugier und einem hohen Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit bereitet er komplexe Gesundheitsthemen verständlich und fundiert auf.
Stand: 16.02.2026

Die wichtigsten Arzneimittelwirkstoffe, leicht und verständlich von unserem pharmazeutischen Personal erklärt. Finden Sie Informationen von Anwendungen und Wirkungsweisen bis hin zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.
Quellen:
Gelbe Liste: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Vibegron_57085
DocCheck: https://flexikon.doccheck.com/de/Vibegron
Fachinformation: https://www.fachinfo.de/fi/pdf/024416
Pharmazeutische Zeitung: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/vibegron-daempft-inkontinenz-150357/

Dieser Artikel dient der Erstinformation und ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Therapieempfehlung. Konkrete Gesundheitsfragen erfordern immer eine individuelle Beratung durch Fachpersonal. Bei Fragen zu Medikamenten wenden Sie sich gerne an unser Apothekerteam.