Rinvoq®
Steckbrief
- Wirkstoffname: Upadacitinib
- Arzneimittelgruppe: Januskinase-(JAK)-Inhibitor
- Verfügbare Darreichungsform: Retardtabletten
- Verfügbare Stärken: 15 mg, 30 mg und 45 mg
- Verschreibungspflichtig


Rinvoq® enthält den Wirkstoff Upadacitinib, einen selektiven Januskinase-(JAK-)1-Inhibitor. Das Arzneimittel wird zur Behandlung verschiedener chronisch-entzündlicher Erkrankungen eingesetzt, darunter rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew), atopische Dermatitis,
Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Rinvoq® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das ausschließlich auf ärztliche Verordnung erhältlich ist. Die Kosten für Rinvoq® sowie erforderliche Begleituntersuchungen werden in der Regel von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Je nach individuellem Versicherungsvertrag können unterschiedliche Regelungen gelten.
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Rinvoq® (Upadacitinib) wird zur Behandlung verschiedener chronisch-entzündlicher Erkrankungen eingesetzt. Die Therapie erfolgt bei Patienten, die auf eine vorherige Standardbehandlung unzureichend angesprochen haben oder diese nicht vertragen haben.
Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen auf ein oder mehrere krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs). Rinvoq® kann als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat angewendet werden.
Behandlung der aktiven Psoriasis-Arthritis bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen auf DMARDs. Anwendung als Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat möglich.
Nicht-röntgenologische axiale Spondyloarthritis (nr-axSpA): Behandlung aktiver Erkrankung bei Erwachsenen mit objektiven Entzündungszeichen (erhöhtes CRP und/oder MRT-Nachweis), die unzureichend auf nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) angesprochen haben.
Ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew): Behandlung der aktiven Erkrankung bei Erwachsenen mit unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapie.
Behandlung der Riesenzellarteriitis bei erwachsenen Patienten.
Behandlung der mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren, die für eine systemische Therapie geeignet sind.
Behandlung der mittelschweren bis schweren aktiven Colitis ulcerosa bei Erwachsenen nach unzureichendem Ansprechen auf konventionelle Therapien oder Biologika.
Behandlung des mittelschweren bis schweren aktiven Morbus Crohn bei Erwachsenen nach Therapieversagen oder Unverträglichkeit gegenüber konventioneller Therapie oder Biologika.
Rinvoq® enthält den Wirkstoff Upadacitinib, einen selektiven Januskinase-1-Inhibitor (JAK1-Inhibitor). Januskinasen (JAK) sind Enzyme, die in bestimmten Signalwegen des Immunsystems eine zentrale Rolle spielen, indem sie die Wirkung von Zytokinen – also entzündungsfördernden Botenstoffen – auf Zellen weiterleiten.
Im gesunden Immunsystem binden Zytokine an ihre Rezeptoren auf der Zelloberfläche. Dies aktiviert JAK-Enzyme, die daraufhin sogenannte STAT-Proteine (Signal Transducer and Activator of Transcription) phosphorylieren. Diese Proteine wandern in den Zellkern und fördern dort die Expression von Genen, die für entzündliche Prozesse wichtig sind.
Upadacitinib blockiert gezielt den JAK1-Subtyp und damit diesen Signalweg. Durch die Hemmung von JAK1 wird die Übermittlung von Signalen entzündlicher Zytokine reduziert, was zu einer Abschwächung von Entzündungsreaktionen und Immunaktivität führt. Auf diese Weise kann das Arzneimittel die Symptome chronisch-entzündlicher Erkrankungen lindern, die durch überaktive immunologische Prozesse verursacht werden, wie rheumatoide Arthritis, atopische Dermatitis oder entzündliche Darmerkrankungen.
Upadacitinib wirkt dabei stärker und selektiver auf JAK1 als auf die anderen JAK-Isoformen (wie JAK2 oder JAK3), was zur gezielten Unterdrückung pathologischer Entzündungsprozesse beiträgt.
Die empfohlene Dosierung richtet sich nach Indikation und individuellem Krankheitsverlauf. Rinvoq® (Upadacitinib) wird als Tablette einmal täglich eingenommen.
Empfohlene Dosis:
15 mg einmal täglich
Bei Patienten mit axialer Spondyloarthritis sollte ein Absetzen der Therapie erwogen werden, wenn nach 16 Wochen kein klinisches Ansprechen erkennbar ist. Bei anfänglich partiellem Ansprechen kann sich der Behandlungseffekt jedoch auch über diesen Zeitraum hinaus noch verbessern.
Empfohlene Dosis:
15 mg einmal täglich in Kombination mit einer Kortikosteroid-Ausschleichtherapie
Upadacitinib sollte nicht als Monotherapie zur Behandlung akuter Rezidive eingesetzt werden. Nach Absetzen der Kortikosteroide kann die Behandlung mit 15 mg täglich als Monotherapie fortgeführt werden.
Eine Therapiedauer über 52 Wochen hinaus sollte individuell anhand der Krankheitsaktivität sowie der ärztlichen und patientenseitigen Bewertung entschieden werden.
Empfohlene Dosis:
15 mg oder 30 mg einmal täglich, abhängig von Krankheitslast und Risikoprofil.
Es sollte stets die niedrigste wirksame Dosis zur Aufrechterhaltung des Therapieerfolgs gewählt werden.
Upadacitinib kann mit oder ohne topische Kortikosteroide angewendet werden. Calcineurin-Inhibitoren können für empfindliche Hautbereiche eingesetzt werden.
Wenn nach 12 Wochen kein therapeutischer Nutzen erkennbar ist, sollte ein Absetzen der Therapie erwogen werden.
45 mg einmal täglich über 8 Wochen Bei unzureichendem Ansprechen kann die Induktion auf insgesamt 16 Wochen verlängert werden. Zeigt sich bis Woche 16 kein Therapieerfolg, sollte die Behandlung beendet werden.
15 mg oder 30 mg einmal täglich, abhängig von Krankheitsaktivität und Risikoprofil.
15 mg bei erhöhtem Risiko für VTE, MACE oder Malignome
30 mg bei hoher Krankheitsaktivität oder unzureichendem Ansprechen auf 15 mg, sofern kein erhöhtes Risikoprofil besteht
Bei Patienten ≥ 65 Jahren wird eine Erhaltungsdosis von 15 mg empfohlen.
Begleitende Kortikosteroide können bei Ansprechen schrittweise reduziert oder abgesetzt werden.
45 mg einmal täglich über 12 Wochen
Bei unzureichendem Ansprechen kann eine verlängerte Induktion mit 30 mg einmal täglich über weitere 12 Wochen erfolgen. Bleibt auch nach 24 Wochen ein Therapieerfolg aus, sollte Upadacitinib abgesetzt werden.
15 mg oder 30 mg einmal täglich, abhängig vom individuellen Krankheitsbild.
15 mg bei erhöhtem Risiko für VTE, MACE oder Malignome
30 mg bei hoher Krankheitsaktivität oder unzureichendem Ansprechen auf 15 mg
Bei Patienten ≥ 65 Jahren wird eine Erhaltungsdosis von 15 mg empfohlen.
Auch hier gilt: Es sollte die niedrigste wirksame Dosis zur Aufrechterhaltung des Therapieerfolgs eingesetzt werden. Kortikosteroide können bei Ansprechen reduziert oder abgesetzt werden.
Unter der Behandlung mit Upadacitinib können Nebenwirkungen auftreten, die vor allem mit der immunsuppressiven Wirkung des Arzneimittels zusammenhängen. Am häufigsten werden Infektionen, insbesondere der oberen Atemwege, beobachtet. Auch Bronchitis, Harnwegsinfektionen oder Virusinfektionen wie Herpes zoster (Gürtelrose) können auftreten. In seltenen Fällen sind schwere Infektionen möglich.
Darüber hinaus können Veränderungen im Blutbild wie Anämie oder verminderte weiße Blutkörperchen auftreten. Ebenfalls beschrieben sind erhöhte Blutfettwerte (z. B. Cholesterin) sowie Veränderungen der Leberwerte, weshalb regelmäßige Laborkontrollen empfohlen werden.
Zu den weiteren häufigen Nebenwirkungen zählen Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bauchschmerzen, Akne und Ausschlag. Auch eine Gewichtszunahme oder erhöhte Kreatinphosphokinase-Werte (CPK) im Blut wurden beobachtet.
Gelegentlich wurden schwerwiegende Nebenwirkungen wie Überempfindlichkeitsreaktionen, gastrointestinale Komplikationen oder nicht-melanozytärer Hautkrebs berichtet. Aufgrund möglicher Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Thrombosen oder maligne Erkrankungen sollte die Therapie individuell abgewogen und ärztlich überwacht werden.
Upadacitinib wird überwiegend über das Enzym CYP3A4 verstoffwechselt. Arzneimittel, die dieses Enzym stark hemmen oder induzieren, können daher die Wirkstoffkonzentration im Blut beeinflussen.
Starke CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Posaconazol, Voriconazol, Clarithromycin sowie Grapefruit) können die Upadacitinib-Spiegel deutlich erhöhen. In Studien führte die gleichzeitige Gabe von Ketoconazol zu einem Anstieg der maximalen Konzentration (Cmax) um etwa 70 % und der Gesamtexposition (AUC) um etwa 75 %.
Während der Behandlung sollten grapefruithaltige Lebensmittel und Getränke vermieden werden.
Starke CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin, Phenytoin) können die Wirksamkeit von Upadacitinib vermindern. In Studien führte Rifampicin zu einer Reduktion der Wirkstoffexposition um etwa 50–60 %. Bei gleichzeitiger Anwendung sollte die Krankheitsaktivität engmaschig überwacht werden.
Methotrexat sowie pH-Wert-modifizierende Arzneimittel (z. B. Antazida oder Protonenpumpenhemmer) beeinflussen die Upadacitinib-Spiegel nicht wesentlich.
Upadacitinib kann in höheren Dosierungen (30 mg oder 45 mg täglich) einen schwachen Einfluss auf bestimmte CYP-Enzyme haben:
In der Regel ist jedoch keine Dosisanpassung für CYP3A- oder CYP2D6-Substrate sowie für Rosuvastatin oder Atorvastatin erforderlich.
Rinvoq® (Upadacitinib) darf nicht angewendet werden bei:
Darüber hinaus sollte die Behandlung nicht begonnen werden, wenn folgende Laborwerte vorliegen:
Vor Therapiebeginn sowie während der Behandlung sind daher regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich.
Zur Anwendung von Upadacitinib während der Schwangerschaft liegen keine oder nur begrenzte Erfahrungen beim Menschen vor. In tierexperimentellen Studien zeigte der Wirkstoff reproduktionstoxische und teratogene Effekte.
Bei Exposition während der Trächtigkeit wurden bei Ratten Auswirkungen auf die Knochenentwicklung und bei Kaninchen Fehlbildungen des Herzens beobachtet.
Upadacitinib ist daher während der Schwangerschaft kontraindiziert. Wird während der Behandlung eine Schwangerschaft festgestellt, sollte die Patientin über die potenziellen Risiken für den Fötus informiert werden.
Es ist nicht bekannt, ob Upadacitinib oder seine Metaboliten in die menschliche Muttermilch übergehen. Tierexperimentelle Daten zeigen jedoch, dass der Wirkstoff in die Milch ausgeschieden wird.
Ein Risiko für das gestillte Kind kann daher nicht ausgeschlossen werden. Upadacitinib sollte während der Stillzeit nicht angewendet werden.
Es ist individuell abzuwägen, ob das Stillen beendet oder auf die Behandlung verzichtet werden soll. Dabei sind sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der therapeutische Nutzen für die Mutter zu berücksichtigen.
Unter der Behandlung mit Upadacitinib können schwerwiegende Infektionen auftreten. Die Therapie darf daher bei Patienten mit aktiven, schweren Infektionen – einschließlich lokal begrenzter Infektionen – nicht begonnen werden.
Vor Therapiebeginn sollte ein Tuberkulose-Screening durchgeführt werden. Während der Behandlung ist auf Anzeichen einer Infektion zu achten.
Zudem wurde unter Upadacitinib über Virusreaktivierungen, insbesondere von Herpesviren (z. B. Herpes zoster, Herpes simplex), berichtet. Vor Beginn und während der Therapie sollte daher ein Screening auf Virushepatitis erfolgen.
Die Anwendung von Lebendimpfstoffen sollte während oder unmittelbar vor der Behandlung vermieden werden.
In klinischen Studien wurden maligne Erkrankungen, einschließlich nicht-melanozytärer Hautkrebs (NMSC), beobachtet. Eine regelmäßige Hautkontrolle wird empfohlen.
Es wurden Fälle von tiefer Venenthrombose (TVT) und Lungenembolie (LE) berichtet. Bei Patienten mit erhöhtem Risiko sollte Upadacitinib nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden.
Risikofaktoren umfassen unter anderem:
Unter der Behandlung wurde häufiger über erhöhte Leberwerte berichtet als unter Placebo. Eine regelmäßige Kontrolle der Leberfunktion wird empfohlen.
Nach Markteinführung und in klinischen Studien wurden zudem Fälle von Divertikulitis beschrieben.

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Filip Blazevic ist Pharmazeut mit Schwerpunkt auf Pharmakokinetik und Cancer Biology. Mit einem analytischen Blick, viel Neugier und einem hohen Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit bereitet er komplexe Gesundheitsthemen verständlich und fundiert auf.
Stand: 16.02.2026

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Quellen:
Gelbe Liste: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Upadacitinib_55931
Fachinformationen: https://www.fachinfo.de/fi/pdf/022727
EMA: https://ec.europa.eu/health/documents/community-register/2023/20230310157921/anx_157921_de.pdf
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2020/2020-01-02/upadacitinib-rinvoqr
DocCheck: https://flexikon.doccheck.com/de/Upadacitinib

Dieser Artikel dient der Erstinformation und ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Therapieempfehlung. Konkrete Gesundheitsfragen erfordern immer eine individuelle Beratung durch Fachpersonal. Bei Fragen zu Medikamenten wenden Sie sich gerne an unser Apothekerteam.