Mavenclad®
Steckbrief
- Wirkstoffname: Cladribin
- Arzneimittelgruppe: Nukleosid-Analogon
- Verfügbare Stärken/Darreichungsformen: Tabletten mit 10 mg
- Verschreibungspflichtig


Mavenclad® ist ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Cladribin, das zur Behandlung der hochaktiven schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) bei Erwachsenen eingesetzt wird. Der Wirkstoff beeinflusst gezielt bestimmte Immunzellen (Lymphozyten), die an den Entzündungsprozessen der Erkrankung beteiligt sind, und kann so Schübe reduzieren und das Fortschreiten der MS verlangsamen. Die Therapie erfolgt in Tablettenform über kurze Behandlungszyklen.

Mavenclad® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das ausschließlich auf ärztliche Verordnung erhältlich ist. Die Kosten für Mavenclad® sowie erforderliche Begleituntersuchungen werden in der Regel von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Je nach individuellem Versicherungsvertrag können unterschiedliche Regelungen gelten.
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Mavenclad® enthält den Wirkstoff Cladribin, eine zellschädigende Substanz, die vor allem auf Lymphozyten wirkt. Diese Immunzellen spielen eine wichtige Rolle bei den Entzündungsprozessen der Multiplen Sklerose (MS).
Das Arzneimittel wird demnach zur Behandlung von Erwachsenen mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose eingesetzt. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem die schützende Hülle der Nerven im Gehirn und Rückenmark an, wodurch Entzündungen und neurologische Symptome entstehen. Die schubförmige Form der MS ist dadurch gekennzeichnet, dass Beschwerden in wiederkehrenden Schüben auftreten.
Studien zeigen, dass die Behandlung mit Mavenclad® dazu beitragen kann, MS-Schübe zu reduzieren und das Fortschreiten der Behinderung zu verlangsamen.
Der Wirkstoff Cladribin ist ein synthetisches Nukleosidanalogon, das strukturell dem körpereigenen Baustein Desoxyadenosin ähnelt. Im Körper wird Cladribin in seine aktive Form umgewandelt und reichert sich besonders in bestimmten Immunzellen, vor allem T- und B-Lymphozyten, an. Diese Zellen spielen eine zentrale Rolle bei den Entzündungsprozessen der Multiplen Sklerose (MS).
Die aktiven Cladribin-Metaboliten werden in die DNA der Zellen eingebaut und stören dort die DNA-Synthese und -Reparatur. Dadurch kommt es zu DNA-Strangbrüchen, wodurch sich die betroffenen Zellen nicht mehr weiter teilen können. In der Folge wird ein programmierter Zelltod (Apoptose) ausgelöst.
Durch diesen Mechanismus führt Cladribin zu einer gezielten und anhaltenden Verringerung der Lymphozytenzahl im Blut. Da diese Immunzellen maßgeblich an den krankheitsauslösenden Entzündungsreaktionen bei MS beteiligt sind, kann die Behandlung mit Mavenclad® dazu beitragen, die Krankheitsaktivität zu reduzieren und MS-Schübe zu verringern.
Die Dosierung von Mavenclad® (Cladribin) richtet sich nach dem Körpergewicht des Patienten und wird vom behandelnden Arzt individuell festgelegt. Die Behandlung erfolgt in zwei Therapiezyklen über insgesamt zwei Jahre.
In jedem Behandlungsjahr werden zwei kurze Behandlungsphasen durchgeführt: eine zu Beginn des ersten Monats und eine zu Beginn des zweiten Monats. Jede Phase dauert 4 bis 5 Tage, an denen täglich eine bestimmte Anzahl von 10 mg-Tabletten eingenommen wird.
Die Gesamtdosis beträgt 3,5 mg Cladribin pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf die beiden Behandlungsjahre und insgesamt vier Behandlungswochen.
Die Tabletten werden einmal täglich etwa zur gleichen Zeit mit Wasser eingenommen und können unabhängig von den Mahlzeiten geschluckt werden. Während der wenigen Einnahmetage sollte ein Zeitabstand von mindestens drei Stunden zu anderen Arzneimitteln eingehalten werden.
Nach Abschluss der beiden Behandlungsjahre ist in der Regel zunächst keine weitere Therapie in den Jahren 3 und 4 erforderlich, da die Wirkung auf das Immunsystem länger anhält
Wie alle Arzneimittel kann auch Mavenclad® (Cladribin) Nebenwirkungen verursachen. Die wichtigsten Nebenwirkungen stehen im Zusammenhang mit der Wirkung auf das Immunsystem.
Sehr häufig kommt es während der Behandlung zu einer Abnahme der weißen Blutkörperchen (Lymphozyten). Dieser Zustand wird Lymphopenie genannt. Lymphozyten sind wichtige Zellen der körpereigenen Abwehr. Sinkt ihre Zahl stark ab, kann das Risiko für Infektionen erhöht sein. Daher werden während der Behandlung regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt, um die Anzahl der Immunzellen zu kontrollieren.
Zu den häufiger beobachteten Nebenwirkungen gehören außerdem Herpesinfektionen, beispielsweise Lippenherpes oder Gürtelrose (Herpes zoster). Typische frühe Anzeichen einer Gürtelrose können Kopfschmerzen, Brennen oder Kribbeln der Haut, Schmerzen, Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sein. Später entwickelt sich meist ein schmerzhafter, bläschenförmiger Hautausschlag, der häufig einseitig am Rumpf auftritt. Bei Verdacht auf eine solche Infektion sollte möglichst früh ein Arzt aufgesucht werden, da eine frühzeitige Behandlung den Verlauf verkürzen kann.
Wenn die Zahl der Immunzellen stark vermindert ist, können auch schwerere Infektionen auftreten oder bereits vorhandene, ruhende Infektionen wieder aktiv werden. Dazu zählt beispielsweise Tuberkulose. Typische Anzeichen einer Infektion können Fieber, Schmerzen, Muskelschmerzen, Husten, allgemeines Unwohlsein oder Schmerzen beim Wasserlassen sein. Bei solchen Symptomen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Sehr selten kann bei stark geschwächtem Immunsystem eine schwere Virusinfektion des Gehirns, die sogenannte progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), auftreten. Diese Erkrankung ist sehr selten, kann aber schwer verlaufen. Symptome können unter anderem Gedächtnisprobleme, Veränderungen der Persönlichkeit, Sprachstörungen, Sehstörungen oder zunehmende Schwäche einer Körperseite sein. Solche Beschwerden sollten umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Da Cladribin das Immunsystem beeinflusst, kann theoretisch auch das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen erhöht sein. In klinischen Studien wurden einzelne Krebsfälle beobachtet. Patienten sollten daher während der Therapie die empfohlenen Krebs-Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen.
In seltenen Fällen können außerdem Leberschäden auftreten. Mögliche Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Appetitverlust oder eine Gelbfärbung von Haut und Augen (Gelbsucht). Vor und während der Behandlung werden daher regelmäßig Leberwerte im Blut kontrolliert.
Bei ungewöhnlichen Beschwerden oder Anzeichen einer Infektion sollte immer ein Arzt konsultiert werden, damit mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkannt und behandelt werden können.
Bei der Behandlung mit Mavenclad® (Cladribin) sind einige Arzneimittelwechselwirkungen zu beachten, da der Wirkstoff das Immunsystem und das Blutbild beeinflusst.
Cladribin darf nicht gleichzeitig mit anderen immunsuppressiven oder knochenmarkhemmenden Arzneimitteln angewendet werden. Dazu gehören beispielsweise Methotrexat, Cyclophosphamid, Ciclosporin oder Azathioprin. Auch eine langfristige Behandlung mit Kortikosteroiden kann das Risiko zusätzlicher Effekte auf das Immunsystem erhöhen. Eine kurzfristige Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden ist jedoch möglich.
Die gleichzeitige Anwendung von Cladribin mit anderen krankheitsmodifizierenden Therapien bei Multipler Sklerose, etwa Interferon beta, kann das Risiko für Lymphopenie (Verringerung der weißen Blutkörperchen) erhöhen. Daher wird eine gleichzeitige Behandlung in der Regel nicht empfohlen.
Bei gleichzeitiger Anwendung mit hämatotoxischen Arzneimitteln, die das Blutbild beeinflussen, kann es zu verstärkten Nebenwirkungen kommen. Dazu zählt beispielsweise Carbamazepin. In solchen Fällen sollten Blutwerte besonders sorgfältig überwacht werden.
Da Cladribin das Immunsystem beeinflusst, sollten Lebendimpfstoffe oder abgeschwächte Lebendimpfstoffe nicht kurz vor Beginn der Therapie angewendet werden. Eine Behandlung mit Cladribin sollte frühestens vier bis sechs Wochen nach einer solchen Impfung begonnen werden.
Cladribin wird im Körper unter anderem über bestimmte Transportproteine aufgenommen und verteilt. Starke Hemmstoffe des BCRP-Transporters, beispielsweise Eltrombopag, können die Aufnahme von Cladribin erhöhen und damit die Wirkstoffkonzentration im Körper steigern. Auch Wirkstoffe wie Dilazep, Nifedipin, Nimodipin, Cilostazol, Sulindac oder Reserpin, die bestimmte Nukleosid-Transporter (ENT1 und CNT3) hemmen, könnten theoretisch die Verteilung oder Ausscheidung von Cladribin beeinflussen.
Umgekehrt können starke Induktoren von BCRP- oder P-gp-Transportern, beispielsweise Rifampicin, Johanniskraut oder Kortikosteroide, die Wirkstoffkonzentration von Cladribin im Körper verringern.
Es ist derzeit nicht vollständig geklärt, ob Cladribin die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel beeinflussen kann. Frauen, die systemisch wirkende hormonelle Kontrazeptiva verwenden, sollten daher während der Behandlung und bis mindestens vier Wochen nach der letzten Dosis jedes Behandlungsjahres zusätzlich eine Barrieremethode (z. B. Kondom) anwenden.
Mavenclad® (Cladribin) darf in bestimmten Situationen nicht angewendet werden, da ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen bestehen kann.
Das Arzneimittel ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen Cladribin oder einen der sonstigen Bestandteile des Präparats.
Ebenso darf Cladribin nicht angewendet werden bei Patienten mit einer Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) sowie bei aktiven chronischen Infektionen, beispielsweise Tuberkulose oder Hepatitis.
Da Cladribin das Immunsystem beeinflusst, darf die Behandlung außerdem nicht bei bereits immungeschwächten Patienten begonnen werden. Dies betrifft insbesondere Personen, die aktuell eine immunsuppressive oder knochenmarkhemmende Therapie erhalten.
Darüber hinaus ist die Anwendung bei aktiven malignen Erkrankungen (Krebserkrankungen) kontraindiziert.
Auch bei mittelschwerer oder schwerer Einschränkung der Nierenfunktion mit einer Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min darf Cladribin nicht angewendet werden.
Vor Beginn der Therapie prüft der behandelnde Arzt daher sorgfältig, ob Gegenanzeigen oder Risikofaktoren vorliegen.
Mavenclad® (Cladribin) kann das Erbgut schädigen und hat in Tierstudien schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes gezeigt. Daher darf das Arzneimittel während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Die Einnahme kurz vor oder während einer Schwangerschaft kann das Risiko für Fehlgeburten oder Fehlbildungen erhöhen.
Vor Beginn der Behandlung muss daher eine bestehende Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung mit Cladribin und mindestens sechs Monate nach der letzten Dosis jedes Behandlungsjahres eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Da nicht sicher ist, ob Cladribin die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel beeinflussen kann, wird empfohlen, zusätzlich eine Barrieremethode (z. B. Kondom oder Diaphragma) zu verwenden. Kommt es während oder nach der Behandlung zu einer Schwangerschaft, sollte umgehend ein Arzt informiert werden.
Auch männliche Patienten müssen während der Behandlung und bis mindestens sechs Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Cladribin kann das Sperma schädigen und möglicherweise über das Sperma auf die Partnerin übertragen werden, wodurch ein Risiko für das ungeborene Kind entstehen könnte.
Während der Behandlung mit Mavenclad® darf nicht gestillt werden, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht und das gestillte Kind schädigen könnte. Falls eine Behandlung erforderlich ist, muss vor Beginn der Therapie abgestillt werden.
Bei einer Überdosierung von Mavenclad® (Cladribin) ist insbesondere mit einer starken Verringerung der Lymphozytenzahl (Lymphopenie) zu rechnen. Da diese Zellen eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen, kann dadurch das Risiko für Infektionen deutlich erhöht sein.
Aufgrund der pharmakokinetischen Eigenschaften des Wirkstoffs ist Cladribin durch Maßnahmen zur Giftentfernung aus dem Körper (z. B. Dialyse) kaum zu beeinflussen. Ein spezifisches Gegenmittel (Antidot) ist nicht bekannt.
Die Behandlung einer Überdosierung erfolgt daher symptomorientiert und unterstützend, wobei insbesondere Blutwerte und mögliche Infektionszeichen sorgfältig überwacht werden. Bei Verdacht auf eine Überdosierung sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

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Filip Blazevic ist Pharmazeut mit Schwerpunkt auf Pharmakokinetik und Cancer Biology. Mit einem analytischen Blick, viel Neugier und einem hohen Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit bereitet er komplexe Gesundheitsthemen verständlich und fundiert auf.
Stand: 16.02.2026

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Quellen:
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-behandeln/medikamente-versteckt/cladribin-mavencladr
Gelbe Liste: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Cladribin_27379
BfArM: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risikoinformationen/EducationMaterial/Anlagen/a-f/cladribin-mavenclad-patienten.pdf?__blob=publicationFile
Fachinformation: https://www.afmps.be/sites/default/files/content/RMA/M/Mavenclad/mavenclad_patient_de.pdf
DocCheck: https://flexikon.doccheck.com/de/Cladribin

Dieser Artikel dient der Erstinformation und ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Therapieempfehlung. Konkrete Gesundheitsfragen erfordern immer eine individuelle Beratung durch Fachpersonal. Bei Fragen zu Medikamenten wenden Sie sich gerne an unser Apothekerteam.