Speiseröhrenkrebs (Ösophagus- karzinom)




Speiseröhrenkrebs, auch Ösophaguskarzinom genannt, kommt in Deutschland eher selten vor, die Fallzahlen nehmen jedoch in den letzten Jahren zu. Erste Anzeichen dafür sind oft Schluckbeschwerden, wenn der Tumor die Speiseröhre verengt. Wird die Krankheit früh diagnostiziert, kann der Tumor in der Regel entfernt und der Krebs geheilt werden. Oft wird die Erkrankung aber erst spät festgestellt, dann sind die Heilungschancen eher ungünstig.
Unsere Informationen können einen ersten Überblick über die Erkrankung verschaffen, aber keineswegs die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin ersetzen. Vereinbaren Sie bei Unsicherheiten oder einem Verdacht bitte immer einen Termin in Ihrer Arztpraxis.
Bei Speisröhrenkrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor in der Speiseröhre. Er kann überall in der Speiseröhre auftreten. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen des Ösophaguskarzinoms: das das Adenokarzinom das fast ausschließlich am Übergang zum Magen auftritt und das Plattenepithelkarzinom, das überall in der Speiseröhre auftreten kann. Außer diesen beiden Formen gibt es noch weitere, sehr seltene Arten, auf die hier nicht näher eingegangen wird.
Alles, was wir essen und trinken, muss durch die Speiseröhre.
Die Speiseröhre ist ein Teil des Verdauungssystems und transportiert die Nahrung vom Mund in den Magen. Sie ist ein etwa 25 cm langer, elastischer Schlauch aus Muskeln. Der obere Teil liegt hinter der Luftröhre, der untere Teil geht durch das Zwerchfell und endet im Magen.
Die Speiseröhre hat vier Schichten: eine innere Schleimhaut, eine Bindegewebsschicht, eine Muskelschicht und eine äußere Schutzschicht.
Durch wellenartige Bewegungen der Muskeln wird die Nahrung in den Magen befördert. Am Übergang zum Magen gibt es einen Muskel, den Ösophagisshinkter, der verhindert, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre fließt. Wenn dieser Muskel nicht richtig funktioniert, kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen und Sodbrennen verursachen.
Sodbrennen ist ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein. Wenn es häufig auftritt, kann es die Schleimhaut der Speiseröhre mit der Zeit entzünden und zu Zellveränderungen führen, die das Risiko für Krebs erhöhen.
Ein Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre entsteht aus den flachen Epithelzellen, den sogenannten Deckzellen, die die gesamte Schleimhaut der Speiseröhre auskleiden. Die meisten Plattenepithelkarzinome liegen im oberen und mittleren Bereich der Speiseröhre, können aber überall vorkommen. Bei etwa 41 Prozent der Krebserkrankungen der Speiseröhre handelt es sich um Plattenepithelkarzinome.
Adenokarzinome entstehen aus Drüsenzellen, die Schleim produzieren. Diese Zellen befinden sich hauptsächlich im unteren Teil der Speiseröhre, nahe dem Übergang zum Magen. Der Anteil der Adenokarzinome ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Bei Männern liegt der Anteil der Adenokarzinome inzwischen mit 51 Prozent deutlich über dem der Plattenepithelkarzinome. Ein Adenokarzinom, das mehr als zwei Zentimeter unterhalb des Übergangs zu Magen liegt, gilt als übrigens Magenkrebs. Tritt es genau an der Übergangsstelle zum Magen auf, wird es als Speisröhrenkrebs bezeichnet.
Speiseröhrenkrebs ist eine eher seltene Krebserkrankung. Sie macht nur etwa 0,7 Prozent der Neuerkrankungen mit Krebs in Deutschland aus. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts gibt es momentan jährlich etwa 5.700 neue Erkrankungen bei Männern und 1.800 bei Frauen. Frauen erkranken durchschnittlich mit 72 Jahren, Männer im Alter von 68 Jahren.
Die Sterberate liegt bei Männern bei 6,6 und bei Frauen bei 1,5 pro 100.000 Menschen und die relative 5-Jahres-Überlebensrate beträgt 24 % bei Männern und 25 % bei Frauen. Diese schlechte Rate kommt daher, dass nur etwa ein Drittel der Tumore in einem frühen Stadium diagnostiziert werden. Bei vielen Betroffenen ist die Krankheit bei der Diagnose bereits weit fortgeschritten, was die Behandlung erschwert. Speiseröhrenkrebs ist eine der Krebsarten mit ungünstigen Überlebensaussichten, daher ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung entscheidend.
Warum Speiseröhrenkrebs plötzlich entsteht, und die Zellen anfangen, unkontrolliert zu wachsen, weiß niemand genau. Es lässt sich auch nicht vorhersagen, ob jemand irgendwann im Leben einmal daran erkrankt oder nicht. Man hat aber herausgefunden, dass Speiseröhrenkrebs durch verschiedene Risikofaktoren begünstigt werden kann. Eine erbliche Belastung steht hier nicht im Vordergrund.
Weitere Risikofaktoren umfassen Tumoren im Mund- und Halsbereich sowie Säure- oder Laugenverätzungen der Speiseröhre. Auch der regelmäßige Konsum sehr heißer Getränke wird als wahrscheinlich krebserregend angesehen.
Es ist wichtig zu beachten, dass ein Tumor in der Speiseröhre auch ohne das Zutun bekannter Risikofaktoren auftreten kann. Daher ist eine gesunde Lebensweise, einschließlich einer ausgewogenen Ernährung und der Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum, entscheidend für die Reduzierung des Krebsrisikos
Die Symptome von Speiseröhrenkrebs sind zu Beginn oft unspezifisch und können auch auf andere Ursachen hinweisen. Daher ist es wichtig, bei bestimmten Symptomen frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, der die Ursache abklären und die nächsten Schritte einleiten kann.
Da alles, was wir essen, durch die Speiseröhre muss und ein Tumor diese verengen kann, sind Schluckbeschwerden (Dysphagie) ein häufiges Symptom von Speiseröhrenkrebs. Diese treten zunächst bei fester Nahrung auf und später auch bei weichen und flüssigen Lebensmitteln.
Symptome, bei denen Sie einen Arzt aufsuchen sollten:
Tipp: Achten Sie auf diese Symptome und nehmen Sie sie ernst. Eine frühe Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.
Hinweis: Wenn bei Ihnen ein Barrett-Ösophagus diagnostiziert wurde, sollten Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt jährlich eine Speiseröhren- und Magenspiegelung durchführen lassen. So können Veränderungen der Schleimhaut frühzeitig erkannt und behandelt werden. In frühen Stadien kann Speiseröhrenkrebs meist durch lokale Therapie oder Operation entfernt und geheilt werden. Leider gibt es keinen einfachen Test zur Früherkennung. Oft ist die Krankheit bei der Diagnose bereits so weit fortgeschritten, dass der Primärtumor Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet hat. Dennoch kann eine rasche Diagnose die Überlebenschancen erhöhen und die Lebensqualität verbessern.
In Deutschland gibt es für Speiseröhrenkrebs kein gesetzliches Angebot zur Früherkennung, so wie man es zum Beispiel von Brust- oder Darmkrebs kennt. Dafür kommt die Erkrankung einfach zu selten vor. Für Menschen, die ein sehr hohes Risiko dafür haben, kann aber unter Umständen erwogen werden, regelmäßige Spiegelung von Magen und Speiseröhre durchzuführen. Für wen das infrage kommt, entscheidet der behandelnde Arzt.
Die frühzeitige Diagnose von Speiseröhrenkrebs ist extrem wichtig, da die Überlebenschance direkt damit zusammenhängt. Deshalb zögern Sie nicht, Ihren Arzt aufzusuchen, wenn Sie Beschwerden haben. Nur der Arzt kann herausfinden, ob es sich tatsächlich um Krebs oder vielleicht auch um eine ganz harmlose Erkrankung handelt.
Hat sich der Verdacht bestätigt, so ist der nächste Schritt, abzuklären, wie weit der Tumor bereits fortgeschritten ist, ob Lymphknoten befallen sind oder ob sich sogar schon Töchtergeschwulste, sogenannte Metastasen gebildet haben. Mediziner bezeichnen diese Untersuchungen als „Staging“. Hier gibt es verschiedene bildgebende Verfahren:
Wurde ein Verdacht auf Speiseröhrenkrebs bestätigt, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Denn ist es wichtig zu wissen, in welchem Stadium sich der Krebs befindet, da sich der individuelle Behandlungsplan danach ausrichtet. Ebenso wichtig ist es, zu wissen, zu welchem Zelltyp der Speiseröhrenkrebs gehört und festzulegen, wie bösartig der Krebs ist. Man verwendet dazu die UICC-Einteilungen (Union Internationale Contre le Cancer).
Die Ergebnisse der Untersuchungen nach einem bestätigten Verdacht führen zu der „Stadieneinteilung“, dem sogenannten „Staging“. Hierfür benutzen Ärzte die TNM-Klassifikation, die angibt:
Die TMN-Klassifikation steht im Arztbrief im Befund als eine Folge von Zahlen und Buchstaben. So kann das Stadium der Erkrankung mit wenigen Zeichen beschrieben werden. Die drei Großbuchstaben bedeuten:
T für Tumor, beschreibt die Größe und die Ausdehnung des Tumors
N für Nodus (Lymphknoten), beschreibt die Anzahl und Lage der befallenen Lymphknoten
M für Fernmetastasen
R für Residualtumor, (beschreibt die Schnittränder des entfernten Gewebes )
Daraus lässt sich der Tumor in vier verschiedene Stadien einteilen. Stadium 1 bedeutet, dass der Tumor auf die Schleimhaut der Speiseröhre begrenzt ist, bei Stadium 4 haben sich bereits Fernmetastasen gebildet.
Speiseröhrenkrebs muss behandelt werden, sonst streut es im Körper, bildet Metastasen aus und führt irgendwann unweigerlich zum Tod. Ziel einer Behandlung ist es, den Krebs dauerhaft zu heilen, oder falls das nicht mehr möglich ist, das weitere Wachstum in Grenzen zu halten.
Eine Therapie, die das Ziel hat, den Tumor und eventuell auch die Töchtergeschwülste zu vernichten, bezeichnet man als kurative Therapie. Danach ist der betroffene geheilt. Ist die Erkrankung aber schon zu weit fortgeschritten, dann versucht man zumindest, das weitere Wachstum des Tumors und der Metastasen zu bremsen und auch die Lebensqualität weitgehendst zu erhalten. Diese bezeichnet man als palliative Behandlung.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Speiseröhrenkrebs behandelt werden kann. Dazu zählen die Operation, die Strahlentherapie, die Chemotherapie, die Kombination dieser Verfahren (Radiochemotherapie), eine Immuntherapie oder eine zielgerichtete Therapie.
bei einer fortgeschrittenen Erkrankung lindernde (palliative) Maßnahmen zur Verfügung.

Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Birgit Hartel.
Birgit Hartel ist Apothekerin und als Pharmazeutin bei DocMorris tätig. Sie ist besonders interessiert an den Themenbereichen Diabetes und Onkologie. Ihr Herzensanliegen ist es, komplexe Therapien verständlich zu machen und Menschen in belastenden Situationen mit verlässlichen Informationen zur Seite zu stehen.
Stand: 28.07.2025

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