Prostatakrebs: Prävention, Diagnose, Therapie




Prostatakrebs wächst meist langsam und ist gut heilbar, solange er auf die Drüse begrenzt ist. Bei Kapseldurchbruch oder Metastasen verschlechtert sich die Prognose – bleibt aber ohne Metastasen oft behandelbar.
Betroffen sind vor allem Männer über 50, mit zunehmendem Risiko im Alter. Weitere Risikofaktoren sind familiäre Vorbelastung, dunkle Hautfarbe und viel Vitamin E.
Das Tumorstadium wird über die TNM-Klassifikation, PSA-Wert und Gleason-Score ermittelt. Symptome reichen von Harndrang bis Knochenschmerzen.
Therapie und Nachsorge richten sich nach Ausbreitung und Verlauf.
Unsere Informationen können einen ersten Überblick über die Erkrankung verschaffen, aber keineswegs die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin ersetzen. Vereinbaren Sie bei Unsicherheiten oder einem Verdacht bitte immer einen Termin in Ihrer Arztpraxis.
Die Prostata (Vorsteherdrüse) liegt im Becken unterhalb der Harnblase und umschließt den oberen Teil der Harnröhre. An der Rückseite grenzt sie an den Enddarm. Bei jungen Männern ist sie kastaniengroß. Die Prostata produziert ein milchiges Sekret, das bei Samenerguss abgegeben wird und sich mit den Samenzellen vermischt. Beim Samenerguss bildet es den größten Teil der Flüssigkeit und es sogt für die Ernährung und die Fortbewegung der Samenzellen.
Prostatakrebs (Prostatakarzinom) ist ein bösartiger Krebs, welcher allerdings oft sehr langsam wächst und einen günstigen Verlauf aufweist. Ein lokal begrenzter Prostatakrebs gehört zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen. Wenn der Krebs die Prostatakapsel durchbrochen hat, dann ist der Verlauf ungünstiger. Eine Heilung ist dennoch möglich, wenn er nicht gestreut (Metastasen gebildet) hat.
❗ Wenn der Krebs gestreut hat, dann ist keine Heilung mehr möglich.
Sein Wachstum lässt sich allerdings verlangsamen.
Lokal begrenzter Prostatakrebs
Krebs ist nur auf die Prostata begrenzt, keine befallenen Lymphknoten, keine Metastasen
Lokal fortgeschrittener Prostatakrebs
Krebs ist über die Prostata hinaus gewachsen, aber ohne Metastasen
Metastasierter Prostatakrebs
Metastasen in Lymphknoten, Knochen oder anderen Organen nachweisbar
Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen und lässt sich nicht sicher vorhersagen. Die Prognose bzw. die Krebssterblichkeit hängt z. B. von der Größe des Tumors (Tumorstadium) und der Aggressivität des Tumors ab.
Manche Tumoren sind klein und wachsen langsam, andere dagegen sind groß und breiten sich schnell aus. Durch eine Gewebeprobe-Untersuchung und anderen Tests lässt sich abschätzen, zu welcher Gruppe der Krebs gehört. Unter Progressionsrisiko versteht man die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs wächst.
Das Tumorstadium wird mit Hilfe der so genannten TNM-Klassifikation angedeutet und richtet sich nach den folgenden Kriterien:
Beispiel: ein lokal begrenzter Prostatakrebs hat Tumoren der Kategorie T1 und T2, die weder Lymphknoten (N0) befallen noch Metastasen (M0) gebildet haben. Die TMN-Klassifikation für einen lokal begrenzten Prostatakrebs wäre z. B. T2b N0 M0.
Für die Bestimmung des Progressionsrisikos, wird folgendes benötigt:
Mit Hilfe vom Tumorstadium, PSA-Wert und Gleason-Wert wird das Progressionsrisiko eines Prostatakrebses in einer Gruppe von 1 bis 4 eingeteilt:
Etwa 17 von 100 Männern über 50 Jahre erhalten die Diagnose „Prostatakrebs“, etwa 3 von 100 sterben daran. Wichtig ist hier noch einmal: ein lokal begrenzter Prostatakrebs gehört zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen. Wenn der Krebs die Prostatakapsel durchbrochen hat, dann ist der Verlauf ungünstiger. Eine Heilung ist dennoch möglich, wenn er nicht gestreut (Metastasen gebildet) hat.
Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind nicht bekannt. Die wichtigsten Faktoren, die das Risiko für Prostatakrebs erhöhen sind:
Ein lokal begrenzter Prostatakrebs verursacht in einem frühen Stadium keine Beschwerden. Diese kommen üblicherweise erst dann vor, wenn der Krebs weiter fortgeschritten ist. Symptome können sein ein verstärkter Harndrang oder ein schwächeren Harnstrahl sein. Meist werden allerdings die Probleme beim Wasserlassen nicht durch Krebs, sondern durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie) verursacht. Diese kommt sehr häufig bei Männern über 50 vor. Auf Prostatakrebs kann selten auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit hindeuten.
In sehr fortgeschrittenen Stadien, kann der Krebs sich durch die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf in andere Körperregionen ausbreiten, wie z. B. die Knochen, was Symptome wie Knochenschmerzen auslösen kann.
In einem Anamnese-Gespräch fragt der Arzt nach den Beschwerden, um die Symptome einzuordnen und Hinweise auf mögliche Ursachen zu bekommen. Sollte es Beschwerden und Auffälligkeiten geben, wenden verschiedene weitere Untersuchungen vorgenommen.
Tastuntersuchung (digital-rektale Untersuchung, DRU)
Die Prostata wird über den Enddarm mit einem Finger abgetastet, um Größe, Festigkeit und Oberfläche zu beurteilen. Die Untersuchung dauert nicht lange und ist üblicherweise nicht schmerzhaft.
PSA-Test
PSA steht für „Prostataspezifisches Antigen“, ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird. Ein PSA-Wert unter 3 ng/ml gilt als unauffällig. Ein erhöhter PSA-Wert kann viele Ursachen haben, darunter Prostataentzündung, gutartige Vergrößerung, Harnwegsinfekte oder körperlicher Druck. Ein Wert über 10 ng/ml weist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Prostatakrebs hin. Ein einmalig erhöhter Wert sollte erneut überprüft werden.
Transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS)
Mit einer Ultraschallsonde im Enddarm wird die Form, Lage und Größe der Prostata beurteilt. Diese Methode ergänzt die Tastuntersuchung.
Gewebeentnahme (Biopsie)
Zur sicheren Diagnose werden 10–12 Gewebeproben aus der Prostata entnommen und mikroskopisch untersucht. Die Entnahme erfolgt unter Betäubung.
Magnetresonanztomografie (MRT)
Wird ergänzend zur Biopsie eingesetzt, um räumliche Bilder der Prostata zu erhalten und verdächtige Bereiche besser zu erkennen. Schmerzlose Untersuchung, Dauer: 20–30 Minuten.
Weitere bildgebende Verfahren
Bei fortgeschrittenem Prostatakrebs kommen Untersuchungen wie Computertomografie (CT), Skelettszintigraphie und Positronenemissionstomografie (PET) zum Einsatz, um mögliche Metastasen zu erkennen.
Der Arzt oder die Ärztin kann bei Bedarf noch weitere Untersuchungen durchführen oder Kollegen in einer interdisziplinären Fallkonferenz hinzuziehen.
Hierfür werden 2 Untersuchungen angeboten:
Durch den PSA-Test soll Prostatakrebs entdeckt werden, noch bevor er Beschwerden verursacht. Vorteile sind eine frühe Diagnose und Behandlung und damit verbesserte Heilungschancen und ein gesenktes Risiko für Metastasen.
Nachteile gibt es auch. Z. B. es werden viele kleine Tumor entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Eine sogenannte Überdiagnose ist die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte. Bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs nur sehr langsam und verursacht gar keine Probleme. Wenn der Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, dann werden die Patienten unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen der Diagnose und Behandlung ausgesetzt.
Ein unauffälliger PSA-Test garantiert nicht, dass man keinen Prostatakrebs hat. Selten liegt der PSA-Wert im Normalbereich trotz Krebs.
Je nach Ausbreitung des Tumors, Progressionsrisiko und persönliche Aspekte (wie Alter, Gesundheitszustand, persönliche Abwägung), gibt es unterschiedliche Behandlungen, die in Frage kommen. Für einige Patienten ist es wichtig, um Nebenwirkungen (z. B. Impotenz, Inkontinenz) möglichst zu vermeiden. Andere Patienten möchten so sicher wie möglich sein, dass der Krebs entfernt wurde, unabhängig von den Risiken der Behandlung.
Nach einer Behandlung werden Nachuntersuchungen durchgeführt, um Spätfolgen und Nebenwirkungen zu behandeln und um zu erkennen ob der Krebs zurück gekommen ist (Rezidiv). Dabei wird die ersten 2 Jahre alle 3 Monate der PSA-Wert bestimmt. Danach wird dieser Wert alle 6 Monate für weitere 2 Jahre bestimmt. Ab dem 5. Jahr wird der PSA-Wert nur noch jährlich gemessen.
Man spricht von einem sogenannten Rezidiv, wenn der Tumor wieder wächst und der PSA-Wert ansteigt. Etwa 3 von 10 Männern haben nach einer Therapie ein Rezidiv.
Je nach Beschwerden und Ausgangswerten wird der Tumor erstmal nur beobachtet. Je nachdem welche die erste Behandlung war, wird mit Hilfe einer Operation oder Bestrahlung therapiert.
Die Rehabilitation beinhaltet alle medizinischen, psychotherapeutischen, sozialen und beruflichen Maßnahmen, die die Wiedereingliederung in Familie, Gesellschaft und Berufsleben erzielen. Dabei lernt man mit den krankheitsbedingten Herausforderungen besser um zu gehen, so dass man am normalen Alltag wieder bestmöglich teilnehmen kann.
Eine Rehabilitation ist sowohl ambulant als auch stationär z. B. in einer speziellen Rehabilitationsklinik möglich. Im Rahmen einer ambulanten Rehabilitation besucht man für die Behandlungen bestimmte Einrichtungen auf und im Anschluss geht man wieder nach Hause.
Ziele einer Rehabilitation sind:
Verschiedene Spezialisten sind daran beteiligt wie z. B. urologische Fachärzte und Psychoonkologen.
Die Diagnose Krebs ist ein schwerer Schock. Es ist gut zu wissen, dass etwa die Hälfte der Patienten, bei denen durch eine Früherkennung Prostatakrebs entdeckt wurde, lebenslang keine Beschwerden haben. Einige Prostatakrebstumore wachsen üblicherweise langsam und streuen nicht oder spät. Dadurch hat man auch genügend Zeit um zusammen mit dem Arzt eine Entscheidung zu treffen über die geeignete Therapie.
Andere Prostatakrebstumore wachsen dagegen sehr aggressiv und können schnell zum Tode führen. Wenn der Krebs Metastasen gebildet hat, ist die Lebensqualität eingeschränkt.
Heutzutage wird Prostatakrebs oft in einem frühen Stadium erkannt und ist gut zu behandeln. Wie sich der Krebs tatsächlich entwickeln wird und ob er bedrohlich ist oder nicht, lässt sich allerdings nicht sicher vorhersagen.
An der Behandlung sind Ärzte und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen beteiligt: Urologen, Allgemeinmediziner, Strahlentherapeuten, Nuklearmediziner, Radiologen, Onkologen und Psychoonkologen.
Eine gesunde Lebensführung mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung kann die Behandlung unterstützen.
Es gibt keine bestimmte Diät, die den Krebs heilen kann. Doch kann sich eine gesunde Ernährung günstig auf den Alltag auswirken und kann auch anderen Erkrankungen vorbeugen, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Eine sogenannte mediterrane Küche mit viel frischem Obst und Gemüse und wenig tierischen Fett hat sich bewährt.
Regelmäßige körperliche Aktivität kann Erkrankungen günstig beeinflussen, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hilft dabei, Beschwerden die nach einer Behandlung vorkommen können wie Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue) zu bessern. Je nach Befinden und Belastungsfähigkeit kann eine Mischung aus mäßigem Kraft- und Ausdauertraining hilfreich sein.
Die Krebserkrankung hat auch Einfluss auf den Alltag von Patienten und deren Angehörigen. Hilfe können Psychologen, Psychotherapeuten oder psychoonkologisch geschulte Experten oder Sozialarbeiter bieten.
In einer Selbsthilfegruppe kann man sich mit anderen Patienten austauschen, was den Umgang mit der Erkrankung erleichtern kann.

Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Cristina Offermans.
Cristina Offermans ist Apothekerin und arbeitet als Senior Pharmacist bei DocMorris. Sie ist spezialisiert auf die Durchführung pharmazeutischer Dienstleistungen und setzt sich für eine moderne, patientenorientierte Arzneimittelversorgung ein. Mit ihrer Erfahrung stärkt sie die Beratungskompetenz im Apothekenteam und trägt zur Weiterentwicklung innovativer Services bei.
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