Zolpidem
Steckbrief
- Wirkstoffname: Zolpidem
- Wirkstoff enthalten in: Bicalm®, Stilnox® und verschiedene Generika
- Arzneimittelgruppe: Z-Substanzen
- Verfügbare Darreichungsform: Filmtabletten
- Verfügbare Stärken: 5 mg und 10 mg
- Verschreibungspflichtig


Zolpidem ist ein kurzwirksames Hypnotikum aus der Gruppe der sogenannten Z-Substanzen und wird zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt, insbesondere bei Ein- und Durchschlafstörungen. Der Wirkstoff bindet selektiv an den GABA-A-Rezeptor im zentralen Nervensystem und verstärkt die hemmende Wirkung des Neurotransmitters GABA. Dadurch kommt es zu einer beruhigenden und schlaffördernden Wirkung mit relativ geringer muskelrelaxierender und antikonvulsiver Komponente im Vergleich zu klassischen Benzodiazepinen. Zolpidem zeichnet sich durch einen schnellen Wirkungseintritt und eine kurze Halbwertszeit aus, wodurch es besonders zur Unterstützung beim Einschlafen geeignet ist.
Zolpidem wird zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen eingesetzt. Die Anwendung sollte auf Fälle beschränkt bleiben, bei denen die Schlafstörung klinisch relevant und von erheblichem Schweregrad ist.
Vor Beginn einer Therapie mit einem Hypnotikum sollte stets geprüft werden, ob eine zugrunde liegende körperliche oder psychische Erkrankung vorliegt, die gezielt behandelt werden kann.
Zeigt sich innerhalb von 7 bis 14 Tagen keine ausreichende Besserung der Beschwerden, sollte eine erneute diagnostische Abklärung erfolgen, um mögliche primäre Ursachen der Schlafstörung zu identifizieren.
Zolpidem ist ein Hypnotikum aus der Gruppe der Z-Substanzen und wirkt als allosterischer Modulator am GABA-A-Rezeptor. Chemisch handelt es sich um ein Cyclopyrrolon-Derivat.
Der Wirkstoff bindet bevorzugt an die α1-Untereinheit des GABA-A-Rezeptors und verstärkt die Wirkung des hemmenden Neurotransmitters GABA (γ-Aminobuttersäure). Dadurch wird die Affinität von GABA zu seinem Rezeptor erhöht, was zu einem verstärkten Chlorideinstrom in die Nervenzelle führt. Die resultierende Hyperpolarisation bewirkt eine verminderte neuronale Erregbarkeit.
Die pharmakologischen Effekte von Zolpidem umfassen:
Im Vergleich zu klassischen Benzodiazepinen zeigt Zolpidem aufgrund seiner Selektivität für die α1-Untereinheit eine stärker schlaffördernde Wirkung, während anxiolytische und muskelrelaxierende Effekte weniger ausgeprägt sind. Zudem scheint die Schlafarchitektur, insbesondere die REM-Schlafphasen, weniger beeinträchtigt zu werden.
Die Behandlung mit Zolpidem sollte so kurz wie möglich erfolgen. In der Regel beträgt die Therapiedauer wenige Tage bis maximal 2 Wochen; einschließlich einer ausschleichenden Absetzphase sollte sie 4 Wochen nicht überschreiten. Eine längere Anwendung ist nur nach erneuter ärztlicher Beurteilung gerechtfertigt, da mit zunehmender Dauer das Risiko für Abhängigkeit und Missbrauch steigt.
Die empfohlene Dosis beträgt 10 mg einmal täglich, eingenommen abends unmittelbar vor dem Schlafengehen. Es sollte stets die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden; eine Tageshöchstdosis von 10 mg darf nicht überschritten werden. Die Einnahme erfolgt als Einmalgabe pro Nacht, eine erneute Einnahme in derselben Nacht ist nicht vorgesehen.
Hier wird eine reduzierte Anfangsdosis von 5 mg täglich empfohlen. Eine Steigerung auf 10 mg sollte nur bei unzureichender Wirkung und guter Verträglichkeit erfolgen.
Bei leichter bis mittelschwerer Leberfunktionsstörung wird eine Dosis von 5 mg täglich empfohlen, da der Abbau von Zolpidem verlangsamt ist. Bei schwerer Leberinsuffizienz ist Zolpidem kontraindiziert, da das Risiko einer hepatischen Enzephalopathie besteht.
Frauen können aufgrund unterschiedlicher Pharmakokinetik höhere Plasmaspiegel aufweisen; daher wird in einigen Leitlinien eine niedrigere Anfangsdosis (z. B. 5 mg) empfohlen.
Zolpidem ist nicht zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren geeignet, da keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen.
Bei der Verordnung von Zolpidem sollten grundlegende Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, insbesondere entsprechend der sogenannten 5-K-Regel der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft:
Unter der Behandlung mit Zolpidem kann es in seltenen Fällen zu komplexen schlafbezogenen Verhaltensweisen wie Schlafwandeln kommen. Dabei wurden auch potenziell gefährliche Situationen wie das Führen eines Fahrzeugs im Schlaf beschrieben. Patienten sollten daher über diese seltenen, aber schwerwiegenden Risiken aufgeklärt werden.
Zudem besteht bei wiederholter Anwendung die Gefahr der Toleranzentwicklung, d. h. einer verminderten Wirksamkeit nach einigen Wochen. Darüber hinaus kann sich eine physische und psychische Abhängigkeit entwickeln. Das Risiko hierfür steigt mit Dosis und Dauer der Anwendung und ist insbesondere bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenmissbrauch erhöht.
Unter der Behandlung mit Zolpidem können Nebenwirkungen verschiedene Organsysteme betreffen, wobei zentralnervöse und psychiatrische Effekte im Vordergrund stehen.
Häufig treten Infektionen der oberen und unteren Atemwege auf. Ebenfalls häufig sind psychiatrische Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Agitation, Albträume und Depressionen. Gelegentlich können Verwirrtheit, Reizbarkeit, innere Unruhe, Aggressivität, Schlafwandeln (Parasomnien) sowie euphorische Stimmung auftreten. Selten wurden Libidostörungen, sehr selten Wahnvorstellungen und Abhängigkeit beobachtet. Nebenwirkungen mit nicht bekannter Häufigkeit umfassen Missbrauch, paradoxe Reaktionen (z. B. gesteigerte Unruhe), abnormes Verhalten, Psychosen, Ärger und Delirium.
Im Bereich des Nervensystems kommt es häufig zu Schläfrigkeit (auch am Folgetag), verminderter Aufmerksamkeit, emotionaler Dämpfung, Kopfschmerzen, Schwindel, Ataxie, kognitiven Störungen sowie anterograder Amnesie. Gelegentlich treten Parästhesien, Tremor, Aufmerksamkeitsstörungen und Sprachstörungen auf; zudem kann der Bewusstseinsgrad vermindert sein.
Weitere Nebenwirkungen umfassen Sehstörungen (z. B. Doppeltsehen oder verschwommenes Sehen) sowie Vertigo. Selten kann es zu einer Atemdepression kommen.
Im Gastrointestinaltrakt werden häufig Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen beobachtet. Gelegentlich kann es zu Appetitstörungen kommen.
Leberbezogene Nebenwirkungen umfassen gelegentlich erhöhte Leberenzymwerte und selten hepatozelluläre, cholestatische oder gemischte Leberschädigungen.
Im Bereich der Haut können gelegentlich Ausschlag, Juckreiz und vermehrtes Schwitzen auftreten, selten Urtikaria. Zudem ist ein angioneurotisches Ödem möglich.
Häufig berichten Patienten über Müdigkeit (Fatigue) sowie Rückenschmerzen. Gelegentlich können Muskelschmerzen, Muskelkrämpfe, Nackenschmerzen und Muskelschwäche auftreten.
Weitere Nebenwirkungen sind Gangunsicherheit (selten) sowie Stürze, insbesondere bei älteren Patienten oder bei nicht leitliniengerechter Anwendung. Insgesamt ist das Nebenwirkungsprofil stark von Dosis, Anwendungsdauer und individueller Empfindlichkeit abhängig.
Bei der Anwendung von Zolpidem sind verschiedene Wechselwirkungen zu beachten, insbesondere aufgrund seiner zentral dämpfenden Wirkung und seines Metabolismus über das Cytochrom-P450-System (v. a. CYP3A4).
Insgesamt sollte bei Kombination mit anderen Arzneimitteln eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen, insbesondere im Hinblick auf verstärkte Sedierung und eingeschränkte Reaktionsfähigkeit.
Da Paliperidon ein aktiver Metabolit von Risperidon ist, sollte es nicht gleichzeitig mit oralem Risperidon eingenommen werden.
Zolpidem darf nicht angewendet werden bei einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Ebenso ist die Anwendung kontraindiziert bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz, da ein erhöhtes Risiko für eine hepatische Enzephalopathie besteht. Weitere Gegenanzeigen sind das Schlafapnoe-Syndrom, Myasthenia gravis sowie eine schwere Ateminsuffizienz, da sich diese Zustände unter der zentral dämpfenden Wirkung von Zolpidem verschlechtern können. Darüber hinaus darf Zolpidem nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden, da keine ausreichenden Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen.
Für die Anwendung von Zolpidem in der Schwangerschaft liegen nur begrenzte Daten vor. Der Wirkstoff passiert die Plazenta. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf eine direkte oder indirekte Reproduktionstoxizität. Beobachtungsdaten zu Benzodiazepinen und benzodiazepinähnlichen Substanzen zeigen insgesamt kein deutlich erhöhtes Fehlbildungsrisiko im ersten Trimenon, allerdings wurden in einzelnen Studien Lippen-Kiefer-Gaumenspalten beschrieben.
Bei Anwendung im zweiten und dritten Trimenon wurden eine verminderte fetale Bewegung sowie Veränderungen der fetalen Herzfrequenzvariabilität beobachtet. Eine Anwendung in der Spätschwangerschaft oder unter der Geburt kann beim Neugeborenen zu pharmakologisch bedingten Effekten wie Hypothermie, vermindertem Muskeltonus („Floppy-Infant-Syndrom“), Atemdepression und Ernährungsschwierigkeiten führen. Zudem besteht bei längerfristiger Anwendung in der Spätschwangerschaft das Risiko von Entzugssymptomen beim Neugeborenen. Eine entsprechende postnatale Überwachung wird empfohlen.
Zolpidem sollte daher während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimenon, möglichst nicht angewendet werden.
Zolpidem geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Da die Auswirkungen auf den gestillten Säugling nicht ausreichend untersucht sind, wird eine Anwendung in der Stillzeit nicht empfohlen.

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Filip Blazevic ist Pharmazeut mit Schwerpunkt auf Pharmakokinetik und Cancer Biology. Mit einem analytischen Blick, viel Neugier und einem hohen Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit bereitet er komplexe Gesundheitsthemen verständlich und fundiert auf.
Stand: 16.02.2026

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Dieser Artikel dient der Erstinformation und ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Therapieempfehlung. Konkrete Gesundheitsfragen erfordern immer eine individuelle Beratung durch Fachpersonal. Bei Fragen zu Medikamenten wenden Sie sich gerne an unser Apothekerteam.