Rivaroxaban
Steckbrief
- Wirkstoffname: Rivaroxaban
- Wirkstoff ist unter anderem enthalten in: Xarelto, Nabaxor, Rivarolto
- Arzneimittelgruppe: Direkter oraler Blutgerinnungshemmer (DOAK)
- Verfügbare Stärken: 2,5 mg, 10 mg, 15 mg, 20 mg; 1mg/ml
- Verfügbare Darreichungen: Filmtabletten, Granulat (nur für Kinder)
- Verfügbare Packungsgrößen: 10, 14, 28, 30, 50, 98, 100 Stück; 100, 250ml
- Einführungsdatum: 2008
- Zugelassen in Deutschland
- Verschreibungspflichtig


Anwendungsgebiete
Rivaroxaban wird je nach Wirkstoffstärke (2,5mg, 10mg, 15mg oder 20mg) bei folgenden Indikationen eingesetzt:
1. Schlaganfallprävention und Verhinderung von Embolien:
- Anwendungsbereich: Bei erwachsenen Patienten mit unregelmäßigem Herzschlag (nicht-valvuläres Vorhofflimmern). Wenn zusätzlich mindestens einer oder mehrere Risikofaktoren vorliegen: Herzschwäche, Bluthochdruck, Alter über 75 Jahre, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), erlittenen Schlaganfall oder vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns (TIA) in der Vergangenheit.
- Hintergrund: Vorhofflimmern kann dazu führen, dass sich Blutgerinnsel im Herzen bilden. Diese Gerinnsel können in den Blutkreislauf gelangen und einen Schlaganfall verursachen, indem sie die Blutgefäße verstopfen und die Blutzufuhr blockieren.
2. Behandlung und Vorbeugung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE):
- Anwendungsbereich: Zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie zur Vorbeugung eines erneuten Auftretens dieser Erkrankungen bei erwachsenen Patienten.
- Hintergrund: TVT und LE sind durch Blutgerinnsel verursachte Zustände, die gefährliche Komplikationen verursachen können. Rivaroxaban hilft, bestehende Gerinnsel aufzulösen und neue zu verhindern.
3. Verhinderung von Blutgerinnseln nach Operationen:
- Anwendungsbereich: Nach Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen bei erwachsenen Patienten.
- Hintergrund: Nach solchen Operationen ist das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln aufgrund eingeschränkter Beweglichkeit und operativer Wunden erhöht. Rivaroxaban reduziert dieses Risiko.
4. Vorbeugung von Thrombenbildung nach akuten vorübergehenden Durchblutungsstörungen oder Verschluss der Herzkranzgefäße mit erhöhten Herzmarkern:
- Anwendungsbereich: In Kombination mit Acetylsalicylsäure (ASS) allein oder zusammen mit ASS und einem weiteren Thrombozytenaggregationshemmer (wie Clopidogrel oder Ticlopidin) bei Erwachsenen. Erhöhte Herzmarker sind Proteine, die in höherer Konzentration vorliegen und auf Herzerkrankungen hinweisen.
- Hintergrund: Diese Kombinationstherapie hilft, die Bildung von Thromben zu verhindern und die Durchblutung in den Herzkranzgefäßen zu verbessern, wodurch das Risiko eines erneuten Verschlusses reduziert wird.
5. Vorbeugung von Thrombenbildung bei koronarer Herzerkrankung (akutes Koronarsyndrom) oder Durchblutungsstörungen der Beine oder Arme (PAVK / Schaufensterkrankheit):
- Anwendungsbereich: In Kombination mit Acetylsalicylsäure (ASS) bei Erwachsenen.
- Hintergrund: Diese Kombinationstherapie verhindert die Bildung von Thromben und verbessert die Durchblutung in den betroffenen Gefäßen, wodurch das Risiko von Komplikationen reduziert wird.
6. Behandlung von venösen Thromboembolien (VTE) sowie Vorbeugung von deren Wiederauftreten bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren:
- Anwendungsbereich: Nach einer mindestens 5-tägigen Behandlung mit Blutverdünnungsspritzen.
- Hintergrund: Diese Behandlung hilft, bestehende Blutgerinnsel aufzulösen und das Risiko neuer Gerinnsel zu verringern.
Wirkungsweise
Rivaroxaban ist ein Wirkstoff, der die Bildung von Blutgerinnseln verhindert und zu den direkten oralen Antikoagulanzien gehört. Es wirkt, indem es ein Protein im Körper blockiert, das als Faktor Xa bekannt ist.
Faktor Xa: Dieses Protein spielt eine zentrale Rolle in der Blutgerinnungskaskade, indem es Prothrombin in Thrombin umwandelt.
Thrombin: Ein Enzym, das Fibrinogen in Fibrin umwandelt. Fibrin bildet ein Netz aus Fibrinfäden, die Blutgerinnsel stabilisieren.
Durch die Hemmung von Faktor Xa wird die Bildung von Thrombin verhindert, was bedeutet, dass kein Fibrin entsteht und somit keine stabilen Blutgerinnsel gebildet werden können. Umgangssprachlich wird Rivaroxaban oft als Blutverdünner bezeichnet.
Dosierung, Dauer und Einnahme
Rivaoxaban wird je nach Indikation 1- bis 2-mal täglich eingenommen. Die Dauer der Einnahme hängt von den oben genannten Indikationen ab.
- Die Stärken 2,5mg und 10mg können unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen werden mit einem Glas Wasser.
- Die Stärken 15mg und 20mg müssen mit einer Mahlzeit eingenommen werden, mit einem Glas Wasser.
Falls die Tablette nicht im Ganzen geschluckt werden kann, können die Tabletten zerstoßen werden und in Wasser oder Apfelsaft gelöst oder mit Apfelmus gemischt werden, um die Einnahme zu erleichtern.
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen sind unter anderem:
- Blutungen (z.B. Nasenbluten, Zahnfleischbluten, Magen-Darm-Blutungen)
- Blutarmut
- Übelkeit
- Erhöhte Leberenzyme
- Hautausschläge
- Schwindel, Kopfschmerzen
- Blutergüsse (Hämatome)
- niedriger Blutdruck
Alle weiteren Nebenwirkungen finden Sie in der Packungsbeilage.
Gerne können Sie sich dazu auch von unserem pharmazeutischen Personal beraten lassen. Alle Services wie z.B. die erweiterten pharmazeutischen Dienstleistungen finden Sie hier auf einem Blick.
Wechselwirkungen
Die Wirkung von Rivaroxaban kann durch andere Wirkstoffe beeinflusst werden. Wenn Sie weitere Arzneimittel einnehmen, informieren Sie Ihren Arzt, Ihre Ärztin oder unsere Apotheker und Apothekerinnen. Die wichtigsten Wechselwirkungen können Sie selbst hier prüfen.
Die folgenden Arzneimittel können die Wirkung von Rivaroxaban verstärken und das Risiko von unerwünschten Blutungen erhöhen:
- Bestimmte Arzneimittel gegen Pilzinfektionen (z.B. Ketoconazol, Fluconazol, Posaconazol)
- Antivirale Arzneimittel gegen HIV/AIDS (z.B. Ritonavir)
- Antibiotika (z.B. Clarithromycin, Erythromycin)
Ein besonders hohes Risiko für Blutungen besteht, wenn Sie:
- Über 75 Jahre alt sind und Acetylsalicylsäure einnehmen
- Medikamente gegen Bluthochdruck und Herzprobleme (z.B. Diltiazem, Verapamil) einnehmen
- Antidepressiva, die als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) bekannt sind, einnehmen (z.B. Citalopram, Venlafaxin, Duloxetin, Fluoxetin)
Die folgenden Arzneimittel könnten die Wirkung von Rivaroxaban (der Bildung von Blutgerinnseln vorzubeugen) vermindern:
- Arzneimittel gegen Epilepsie oder Krampfanfälle (z.B. Carbamazepin, Phenobarbital)
- Johanniskraut (ein pflanzliches Mittel gegen Depression)
- Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose (z.B. Rifampicin)
Das Blutungsrisiko wird erhöht, wenn Rivaroxaban mit anderen Arzneimitteln eingenommen wird, die die Blutgerinnung beeinflussen, wie:
- Andere Antikoagulanzien (z.B. Edoxaban, Apixaban, Dabigatran, Phenprocoumon, Prasugrel)
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) und COX-2-Hemmer (z.B. Diclofenac, , Naproxen, Piroxicam)
Wechselwirkungen mit Lebensmitteln
Auch Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel können einen Einfluss auf den Wirkstoff haben. Die nachfolgenden Stoffe beeinflussen die Wirkung. Bitte vermeiden Sie folgende Inhaltsstoffe, wenn Sie mit dem Wirkstoff Rivaroxaban behandelt werden:
- Grapefruit und Grapefruitsaft
- Ingwer und Ingwerwurzelstock
- Knoblauch (Knoblauchzwiebeln und schwarzer Knoblauch)
- Ananas-Extrakte und dessen Bestandteile wie Bromelain
- Ginkgo-haltige Produkte
- Enzyme und Enzymmischungen
- Melatonin
- Melonenbaumfrucht
- Nattokinase
- fermentierter Sojabohnen-Extrakt
- Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel
Kontraindikationen
Rivaroxaban darf unter anderem nicht angewendet werden bei:
- plötzlich auftretende und schwere Blutungen
- Schweren Nierenproblemen
- Schwere Leberprobleme mit erhöhtem Blutungsrisiko
- Allergie gegen den Wirkstoff oder den restlichen Bestandteilen
- Gleichzeitige Anwendung anderer Blutgerinnungshemmer
- Verletzungen oder gesundheitliche Zustände, die als bedeutende Risikofaktoren für eine schwere Blutung angesehen werden (wie z.B. Magengeschwüre, Krebserkrankungen mit hohem Blutungsrisiko, aktuelle Verletzungen oder Blutungen des Gehirns oder Rückenmarks, kürzlich durchgeführte Operationen am Gehirn, Rückenmark oder Augen, Krampfadern in der Speiseröhre, Angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen, Aneurysmen oder größere Gefäßanomalien im Gehirn oder Rückenmark
Schwangerschaft & Stillzeit & Fruchtbarkeit
Schwangerschaft: Eine Anwendung wird nicht empfohlen.
Stillzeit: Es ist unklar, ob Rivaroxaban in die Muttermilch übergeht. Es ist eine ärztliche Entscheidung zwischen Abstillen oder Absetzen erforderlich.
Fruchtbarkeit: Tierstudien mit Rivaroxaban haben keine Auswirkung auf die Furchtbarkeit ergeben.
Frauen im gebärfähigen Alter: Während der Behandlung mit Rivaroxaban, sollte eine Schwangerschaft vermieden werden.
Unterschiede nach
Geschlecht
Es wurden keine Unterschiede festgestellt.
Ethnie
Es wurden keine Unterschiede festgestellt.
Ausscheidung
Der Wirkstoff wird über die folgenden Wege ausgeschieden:
- Über die Nieren: Ungefähr zwei Drittel der eingenommenen Dosis von Rivaroxaban werden im Körper abgebaut. Die Hälfte dieser abgebauten Stoffe wird dann über den Urin ausgeschieden. Zusätzlich wird ein Drittel der eingenommenen Dosis unverändert direkt über die Nieren entfernt.
- Über den Stuhl: Die andere Hälfte der abgebauten Stoffe wird über den Stuhl ausgeschieden.
Warnhinweise & Vorsichtsmaßnahmen
Überwachung: Patienten sollten auf Blutungen überwacht werden. Bei schweren Blutungen muss die Behandlung abgebrochen werden.
Operationen: Rivaroxaban sollte vor Operationen abgesetzt werden, Rücksprache mit dem Arzt notwendig.








