Ofev®
Steckbrief
- Wirkstoffname: Nintedanib
- Arzneimittelgruppe: Tyrosinkinase-Inhibitor
- Verfügbare Stärken/Darreichungsformen: Weichkapseln in 25, 100 oder 150 mg
- Verschreibungspflichtig


Ofev® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit dem Wirkstoff Nintedanib, das zur Behandlung bestimmter fortschreitender Lungenerkrankungen eingesetzt wird. Dazu gehören vor allem die idiopathische Lungenfibrose (IPF), andere chronisch fortschreitende fibrosierende interstitielle Lungenerkrankungen (ILD) sowie Lungenbeteiligungen bei systemischer Sklerose. Der Wirkstoff wirkt, indem er bestimmte Signalwege hemmt, die an der Entstehung von Narbengewebe in der Lunge beteiligt sind. Dadurch kann Ofev® das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Verschlechterung der Lungenfunktion bremsen.

Ofev® ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das ausschließlich auf ärztliche Verordnung erhältlich ist. Die Kosten für Ofev® sowie erforderliche Begleituntersuchungen werden in der Regel von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Je nach individuellem Versicherungsvertrag können unterschiedliche Regelungen gelten.
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Ofev® (Nintedanib) wird bei Erwachsenen zur Behandlung verschiedener chronischer Lungenerkrankungen eingesetzt, bei denen es zu einer fortschreitenden Vernarbung des Lungengewebes (Fibrose) kommt.
Eine wichtige Indikation ist die idiopathische Lungenfibrose (IPF). Dabei handelt es sich um eine seltene, chronische Erkrankung, bei der das Lungengewebe zunehmend vernarbt und verhärtet, ohne dass eine eindeutige Ursache bekannt ist. Durch die Vernarbung wird der Sauerstoffaustausch in der Lunge erschwert, was zu Atemnot, trockenem Husten und einer fortschreitenden Verschlechterung der Lungenfunktion führen kann.
Darüber hinaus wird Nintedanib zur Behandlung anderer chronisch fortschreitender fibrosierender interstitieller Lungenerkrankungen (ILD) eingesetzt. Interstitielle Lungenerkrankungen umfassen eine Gruppe verschiedener Erkrankungen, bei denen sich das Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen entzündet und im Verlauf vernarben kann. Wenn diese Erkrankungen fortschreiten, kann sich ebenfalls eine dauerhafte Einschränkung der Lungenfunktion entwickeln.
Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die interstitielle Lungenerkrankung bei systemischer Sklerose (SSc-ILD). Die systemische Sklerose – auch Sklerodermie genannt – ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu einer Verhärtung von Haut und inneren Organen kommt. Wenn die Erkrankung die Lunge betrifft, kann es zu einer Vernarbung des Lungengewebes kommen, wodurch die Atmung zunehmend beeinträchtigt wird.
Der Wirkstoff Nintedanib gehört zur Gruppe der Tyrosinkinase-Inhibitoren. Er hemmt gezielt bestimmte Signalwege in Zellen, die an der Entstehung von Fibroseprozessen und Tumorwachstum beteiligt sind.
Nintedanib blockiert insbesondere die Aktivität mehrerer Wachstumsfaktor-Rezeptoren, darunter den platelet-derived growth factor receptor (PDGFR), den fibroblast growth factor receptor (FGFR) und den vascular endothelial growth factor receptor (VEGFR). Diese Rezeptoren spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung von Blutgefäßen (Angiogenese) sowie bei Zellwachstum und Gewebeumbau.
Der Wirkstoff bindet an die ATP-Bindungsstelle dieser Rezeptoren und verhindert dadurch die Weiterleitung von Wachstumssignalen innerhalb der Zelle. Dadurch werden Prozesse gehemmt, die zur Vernarbung des Lungengewebes oder zum Wachstum von Tumoren und deren Blutgefäßen beitragen.
Zusätzlich beeinflusst Nintedanib weitere Enzyme aus der Gruppe der Tyrosinkinasen, darunter Flt-3, Lck, Lyn und SRC, die ebenfalls an der Regulation von Zellwachstum und Entzündungsprozessen beteiligt sind. Durch diese Wirkmechanismen kann das Medikament das Fortschreiten fibrosierender Lungenerkrankungen verlangsamen und in der Krebsbehandlung das Tumorwachstum hemmen.
Zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose (IPF), anderer chronisch fortschreitender fibrosierender interstitieller Lungenerkrankungen (ILD) sowie der interstitiellen Lungenerkrankung bei systemischer Sklerose (SSc-ILD) beträgt die empfohlene Standarddosis 150 mg Nintedanib zweimal täglich.
Die Einnahme sollte im Abstand von etwa 12 Stunden erfolgen. Die maximale empfohlene Tagesdosis beträgt 300 mg und sollte nicht überschritten werden.
Bei Patienten, die die Standarddosis nicht gut vertragen, kann die Dosis auf 100 mg zweimal täglich reduziert werden. Treten Nebenwirkungen auf, kann der behandelnde Arzt außerdem eine vorübergehende Therapieunterbrechung oder Dosisanpassung vornehmen. Nach Abklingen der Beschwerden kann die Behandlung mit reduzierter oder wieder mit voller Dosis fortgesetzt werden.
Bei schweren oder anhaltenden Nebenwirkungen, beispielsweise starker Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen, kann ein Abbruch der Therapie erforderlich sein.
Wenn die Behandlung wegen erhöhter Leberwerte unterbrochen werden muss, kann sie nach Normalisierung der Werte zunächst mit einer reduzierten Dosis wieder aufgenommen und später gegebenenfalls auf die Standarddosis erhöht werden.
Wird eine Einnahme vergessen, sollte keine zusätzliche Dosis eingenommen werden. Die nächste Einnahme erfolgt einfach zum gewohnten Zeitpunkt mit der vorgesehenen Dosis.
Wie viele Arzneimittel kann auch Ofev® (Nintedanib) Nebenwirkungen verursachen. Besonders häufig betreffen diese den Magen-Darm-Trakt. Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählen vor allem Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen. Diese Beschwerden treten bei vielen Patienten auf und können während der Behandlung eine Dosisanpassung oder unterstützende Maßnahmen erforderlich machen.
Ebenfalls häufig kommt es zu Appetitminderung und Gewichtsverlust. Darüber hinaus werden Kopfschmerzen sowie erhöhte Blutdruckwerte beobachtet. Auch Blutungen können unter der Therapie häufiger auftreten, weshalb bei entsprechenden Risikofaktoren eine sorgfältige ärztliche Überwachung notwendig ist.
Eine weitere wichtige Nebenwirkungsgruppe betrifft die Leberfunktion. Unter der Behandlung können erhöhte Leberwerte auftreten, beispielsweise erhöhte Werte der Enzyme ALT, AST und GGT. In seltenen Fällen kann es auch zu medikamentenbedingten Leberschäden kommen. Aus diesem Grund werden während der Therapie regelmäßig Leberfunktionswerte im Blut kontrolliert.
Gelegentlich wurden außerdem Thrombozytopenie (verminderte Anzahl von Blutplättchen), Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder Entzündungen des Darms (Kolitis) berichtet. Auch Hautreaktionen wie Ausschlag, Juckreiz oder Haarausfall können auftreten.
Darüber hinaus können Nierenfunktionsstörungen, Protein im Urin (Proteinurie) oder Dehydration beobachtet werden. In seltenen Fällen wurden auch Gefäßkomplikationen wie Aneurysmen oder Arteriendissektionen beschrieben.
Da einige Nebenwirkungen schwerwiegend sein können, erfolgt während der Behandlung mit Nintedanib in der Regel eine regelmäßige medizinische Überwachung, insbesondere der Leberwerte, Blutwerte und des allgemeinen Gesundheitszustands.
Der Wirkstoff Nintedanib wird im Körper unter anderem über das Transportprotein P-Glykoprotein (P-gp) transportiert. Daher können Arzneimittel, die dieses Transportprotein beeinflussen, auch die Wirkstoffkonzentration von Nintedanib im Blut verändern.
Starke P-gp-Inhibitoren wie Ketoconazol, Erythromycin oder Ciclosporin können die Plasmaspiegel von Nintedanib erhöhen. Dadurch kann das Risiko für Nebenwirkungen steigen. In solchen Fällen sollten Patienten engmaschig überwacht werden. Falls erforderlich, kann der Arzt eine Dosisreduktion, eine Therapieunterbrechung oder ein Absetzen der Behandlung in Erwägung ziehen.
Umgekehrt können starke P-gp-Induktoren, beispielsweise Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut, die Wirkstoffkonzentration von Nintedanib verringern und dadurch die Wirksamkeit des Medikaments abschwächen. Wenn möglich sollte daher eine alternative Begleitmedikation gewählt werden, die keinen oder nur einen geringen Einfluss auf P-gp hat.
Die Metabolisierung von Nintedanib über Cytochrom-P450-Enzyme (CYP) spielt nur eine untergeordnete Rolle. Studien zeigen, dass Nintedanib weder eine relevante Hemmung noch eine Induktion dieser Enzyme verursacht. Deshalb sind Wechselwirkungen über CYP-abhängige Stoffwechselwege eher unwahrscheinlich.
Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass die gleichzeitige Einnahme von Nintedanib mit hormonellen Verhütungsmitteln keinen relevanten Einfluss auf deren Wirkstoffkonzentrationen hat. Auch bei gleichzeitiger Anwendung mit dem Arzneimittel Bosentan wurden keine klinisch bedeutsamen Wechselwirkungen beobachtet.
Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Ofev® (Nintedanib) eine Schwangerschaft unbedingt vermeiden, da der Wirkstoff das ungeborene Kind schädigen kann. Deshalb müssen Frauen während der Therapie sowie mindestens drei Monate nach der letzten Dosis eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Nintedanib beeinflusst die Plasmaspiegel hormoneller Verhütungsmittel wie Ethinylestradiol oder Levonorgestrel in der Regel nicht. Allerdings kann die Wirksamkeit der „Pille“ eingeschränkt sein, wenn während der Behandlung Erbrechen oder Durchfall auftreten, da dadurch die Aufnahme des Wirkstoffs im Körper vermindert werden kann. In solchen Fällen sollte zusätzlich eine alternative oder zusätzliche sichere Verhütungsmethode angewendet werden.
Die Anwendung von Ofev® während der Schwangerschaft ist nicht erlaubt. Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass Nintedanib reproduktionstoxisch wirkt und Schäden beim ungeborenen Kind verursachen kann.
Vor Beginn der Behandlung muss daher eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden. Während der Therapie können bei Bedarf weitere Schwangerschaftstests durchgeführt werden. Wird während der Behandlung eine Schwangerschaft festgestellt, muss die Therapie sofort beendet werden und die Patientin sollte über mögliche Risiken für das ungeborene Kind ärztlich beraten werden.
Es ist nicht bekannt, ob Nintedanib beim Menschen in die Muttermilch übergeht. Tierstudien zeigen jedoch, dass kleine Mengen des Wirkstoffs und seiner Metaboliten in die Milch übertreten können. Ein Risiko für das gestillte Kind kann daher nicht ausgeschlossen werden.
Aus diesem Grund sollte während der Behandlung mit Ofev® nicht gestillt werden. Wenn eine Therapie erforderlich ist, muss das Stillen vor Beginn der Behandlung unterbrochen werden.

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Filip Blazevic ist Pharmazeut mit Schwerpunkt auf Pharmakokinetik und Cancer Biology. Mit einem analytischen Blick, viel Neugier und einem hohen Anspruch an wissenschaftliche Genauigkeit bereitet er komplexe Gesundheitsthemen verständlich und fundiert auf.
Stand: 16.02.2026

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Quellen
Gelbe Liste: https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Nintedanib_52554
Böhringer Ingelheim: https://pro.boehringer-ingelheim.com/at/ofev-150-mg-weichkapseln-gebrauchsinformation#exp4
European Commission: https://ec.europa.eu/health/documents/community-register/2017/20170109136608/anx_136608_de.pdf
Fachinformation: https://www.fachinfo.de/fi/detail/21253/Ofev-R-Weichkapseln

Dieser Artikel dient der Erstinformation und ist kein Ersatz für eine ärztliche Diagnose und Therapieempfehlung. Konkrete Gesundheitsfragen erfordern immer eine individuelle Beratung durch Fachpersonal. Bei Fragen zu Medikamenten wenden Sie sich gerne an unser Apothekerteam.