Liraglutid
Steckbrief
- Wirkstoffname: Liraglutid
- Wirkstoff unter anderem enthalten in: Victoza, Saxenda
- Arzneimittelgruppe: Antidiabetika (GLP)
- Verfügbare Stärken: 6 mg/ml
- Verfügbare Darreichungen: Injektionslösung in einem Fertigpen
- Verfügbare Packungsgrößen: 1, 2, 3, 5 und 10 Fertigpens
- Einführungsdatum: 2009 (Victoza), 2016 (Saxenda)
- Zugelassen in Deutschland
- Verschreibungspflichtig


Anwendungsgebiete
Liraglutid wird bei folgenden Indikationen eingesetzt:
1. Blutzuckersenkung bei Diabetes mellitus Typ 2:
- Anwendungsbereich: Zur Behandlung des Blutzuckerspiegels bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 12 Jahren mit Typ-2-Diabetes, wenn Diät und Bewegung allein nicht ausreichen.
- Hintergrund: Liraglutid hilft, den Blutzuckerspiegel zu senken, indem es die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse fördert und die Zuckerfreisetzung der Leber hemmt. Zusätzlich wird die Magenentleerung verzögert, was zu einer langsameren Zuckeraufnahme führt. Dies geschieht durch die Nachahmung des Hormons GLP-1, das natürlicherweise nach dem Essen freigesetzt wird.
2. Gewichtsreduktion bei Adipositas von Erwachsenen:
- Anwendungsbereich: Der Wirkstoff Liraglutid wird als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung (Diät) und verstärkter körperlicher Aktivität zur Gewichtsregulierung bei erwachsenen Patienten eingesetzt, die:
einen BMI (Body-Mass-Index) von 30 oder höher (Adipositas) haben oder
einen BMI zwischen 27 und 30 (Übergewicht) haben mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck oder hohen Cholesterinwerten. - Hintergrund: Liraglutid erhöht das Völle- und Sättigungsgefühl und reduziert so den Appetit und das Hungergefühl. Dies führt zu einer geringeren Nahrungsaufnahme und unterstützt die Gewichtsabnahme.
3. Gewichtsreduktion bei Adipositas von Jugendlichen:
- Anwendungsbereich: Luraglutid wird als Ergänzung zu einer gesunden Ernährung und verstärkter körperlicher Aktivität zur Gewichtsregulierung bei jugendlichen Patienten ab 12 Jahren oder älter verwendet, wenn der BMI über 30 liegt (nach internationalen festgelegten Cut-off-Punkten) und einem Körpergewicht über 60 kg.
Nach 12 Wochen Behandlung mit einer Dosis von 3mg pro Tag oder der höchsten Dosierung, die vertragen wurde, muss die Behandlung mit dem Wirkstoff erneut bewertet werden. Wenn nicht mindestens 4% des BMI oder BMI-z-Scores verloren wurde, ist der Wirkstoff abzusetzen. - Hintergrund: Der Wirkstoff trägt zur Gewichtsreduktion bei, indem das Sättigungsgefühl erhöht wird und so das Hungergefühl und den Appetit senkt. Dies führt zu einer geringeren Nahrungsaufnahme des Kindes.
Der BMI-z-Score ist eine Zahl, die zeigt, wie der BMI eines Kindes im Vergleich zu anderen Kindern gleichen Alters und Geschlechts steht. Er sagt aus, ob ein Kind einen höheren oder niedrigeren BMI hat als der Durchschnitt.
Die IOTF-Cut-off-Punkte sind feste BMI-Werte, die festlegen, ab wann ein Kind als übergewichtig oder fettleibig gilt. Sie sind wie eine Grenze, die zeigt, ob das Gewicht eines Kindes als normal, übergewichtig oder fettleibig eingestuft wird.
Wirkungsweise
Der Wirkstoff Liraglutid ist ein GLP-1-Rezeptor-Agonist, der die Wirkung des natürlichen Hormons GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) nachahmt. GLP-1 wird normalerweise im Darm nach dem Essen freigesetzt und hat mehrere wichtige Funktionen:
- Förderung der Insulinproduktion: Liraglutid stimuliert bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse, welches dazu führt, dass Insulin freigesetzt wird, wenn der Blutzuckerspiegel steigt.
- Hemmung der Glukagonfreisetzung: Das Hormon Glukagon wird gehemmt, welches dazu führt, dass die Freisetzung von Zucker aus der Leber unterbunden wird. Somit wird weniger Zucker in das Blut freigesetzt.
- Verlangsamung der Magenentleerung: Liraglutid verzögert die Entleerung des Magens, was zu einer langsameren Aufnahme von Zucker führt.
- Erhöhung des Sättigungsgefühls: Der Wirkstoff reduziert den Appetit und Hunger und erhöhrt so das Sättigungsgefühl. Dies führt zu einer Gewichtsreduktion.
Dosierung, Dauer und Einnahme
Liraglutid wird einmal täglich als mittels Fertigpen gespritzt. Die Dosierung wird individuell angepasst, abhängig von der Reaktion des Patienten und den jeweiligen Anwendungsgebieten. Die Anfangsdosis beträgt in der Regel 0,6mg täglich.
Die Injektionen sollten subkutan (unter die Haut) am Bauch, Oberschenkel oder Oberarm verabreicht werden und können unabhängig von den Mahlzeiten angewendet werden.
Häufige Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen von Liraglutid sind:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Bauchschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Kopfschmerzen
- Erschöpfung
- Verstopfungen
- Schwindel
- Haarausfall
Gerade zu Beginn der Behandlung, können Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall und Übelkeit zu einem erhöhtem Flüssigkeitsverlust führen. In diesem Fall sollte darauf geachtet werden, dass ausreichend getrunken wird, um einem Flüssigkeitsmangel vorzubeugen.
Alle weiteren Nebenwirkungen finden Sie in der Packungsbeilage.
Gerne können Sie sich dazu auch von unserem pharmazeutischen Personal beraten lassen. Alle Services wie z.B. die erweiterten pharmazeutischen Dienstleistungen finden Sie hier auf einem Blick.
Wechselwirkungen
Die Wirkung von Liraglutid kann durch andere Wirkstoffe beeinflusst werden. Wenn Sie weitere Arzneimittel einnehmen, informieren Sie Ihren Arzt, Ihre Ärztin oder unsere Apotheker und Apothekerinnen. Die wichtigsten Wechselwirkungen können Sie selbst hier prüfen.
Arzneimittel, die die Wirkung von Liraglutid vermindern oder verstärken können sind:
- Somatostatin-Analoga, also Wirkstoffe, welche synthetisch hergestellt worden sind und dem Hormon Somatostatin ähneln: (z.B. Lanreotid, Octreotid, Pasireotid)
Arzneimittel, die eine verminderte blutzuckersenkende Wirkung verursachen können sind:
- Diuretika sogenannte Entwässerungsmittel, welche die Urinmenge beeinflussen (z.B. Acetazolamid, Hydrochlorothiazid, Indapamid)
Arzneimittel, die eine verstärkte blutzuckersenkende Wirkung verursachen können sind:
- Arzneimittel gegen bestimmte Virus-Erkrankungen (z.B. Daclatasvir, Elbasvir, Glecaprevir)
Gründe gegen eine Anwendung
Liraglutid darf nicht angewendet werden bei:
- Schwerer Magen-Darm-Erkrankung, die zu einer verlangsamten Magenentleerung führen
- entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn)
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder die sonstigen Bestandteile des jeweiligen Fertigarzneimittels
- Diabetes Typ 1
- Diabetische Ketoazidose: Eine gefährliche Komplikation bei Diabetes, bei der der Körper zu viele saure Ketone produziert, weil er nicht genug Insulin hat.
- starke Herzschwäche (Stadium IV): Ein Zustand, bei dem das Herz nicht mehr effizient genug Blut durch den Körper pumpen kann.
- Pankreatitis: Eine schmerzhafte Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die Verdauungsprobleme und starke Bauchschmerzen verursacht.
- Diabetische Retinopathie: Eine Augenerkrankung bei Diabetes, die durch Schädigung der Blutgefäße in der Netzhaut zu Sehverlust führen kann.
- Chronische Nierenschwäche (Stadium 5)
- Einnahme anderer gewichtsregulierende Produkte
- Übergewicht, dass durch eine hormon-bedingte Erkrankung oder Essstörung verursacht wird oder wenn das Übergewicht durch bestimmte Arzneimittel verursacht wurde
- schwerer Leber- oder Niereneinschränkungen
- Gallenerkrankungen wie Gallenblasenentzündung und Gallensteine
Liraglutid sollte unter Vorsicht angewendet werden bei:
- leichter bis mittelschweren Einschränkung der Nierenfunktion
- Dialyse
- leichter bis mittelschweren Einschränkung der Leberfunktion
- Schilddrüsenerkrankungen
- hoher Herzfrequenz
- Behandlung mit Insulin und / oder Sulfonylharnstoff-Präparaten
Gallenblasenentzündung und Gallensteine: Ein starker Gewichtsverlust, kann das Risiko erhöhen, dass Gallensteine entstehen und damit eine Gallenblasenentzündung. In diesem Fall sollte die Anwendung mit dem Wirkstoff unterbrochen werden. Anzeichen sind: starke Schmerzen im Oberbauch, in der Regel auf der rechten Seite unterhalb der Rippen und auch in den Rücken oder Schulter ziehen können.
Schwangerschaft, Stillzeit und Fruchtbarkeit
Die Behandlung mit GLP-1-Agonisten wie auch Semaglutid oder Tirzepatid kann durch die Gewichtsreduktion den Hormonhaushalt und die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Bereits eine Gewichtsabnahme von 5–10 % kann den Zyklus regulieren und den Eisprung fördern, wodurch die Chancen auf eine Schwangerschaft steigen. Frauen, die nicht schwanger werden möchten, sollten daher während der Therapie eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
Außerdem wird vermutet, dass Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall oder eine verzögerte Magenentleerung die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln (z. B. der Pille) verringern könnten. Die Verwendung alternativer Verhütungsmethoden wird daher empfohlen.
Liraglutid muss mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden. Eine Anwendung während der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen.
Unterschiede nach Geschlecht und Ethnie
Geschlecht: Es wurden keine Unterschiede in der Wirkung festgestellt.
Ethnie: Es wurden keine Unterschiede in der Wirkung festgestellt.
Ausscheidung
Der Wirkstoff wird über die folgende Wege ausgeschieden:
- Urin: Nach der Einnahme von Liraglutid wurde kein unverändertes Liraglutid im Urin gefunden. Nur ein kleiner Teil der verabreichten Substanz wurde als Abbauprodukte von Liraglutid über den Urin ausgeschieden. Die meisten dieser Abbauprodukte wurden ebenfalls innerhalb der ersten 6-8 Tage nach der Einnahme ausgeschieden.
- Stuhl: Nach der Einnahme von Liraglutid wurde kein unverändertes Liraglutid im Stuhl gefunden. Nur ein kleiner Teil der verabreichten Substanz wurde als Abbauprodukte von Liraglutid über den Stuhl ausgeschieden. Die meisten dieser Abbauprodukte wurden innerhalb der ersten 6-8 Tage nach der Einnahme ausgeschieden.
Warnhinweise & Vorsichtsmaßnahmen
Anstehende Operationen: Bei bevorstehenden Operationen sollten Sie beachten, dass Liraglutid die Magenentleerung verlangsamen kann. Dadurch könnte während einer Narkose oder Sedierung das Risiko bestehen, dass Speisereste und Flüssigkeiten in die Lungen gelangen und eine Infektion auslösen. Informieren Sie die behandelnden Ärzte, damit entsprechende Vorkehrungen getroffen werden können.
Nadelentsorgung: Nach jeder Injektion wird die Injektionsnadel entsorgt. Der Pen wird ohne Nadel aufbewahrt, um Defekte wie z.B. Verstopfungen, Dosierungsfehler oder Verunreinigungen und Infektionen zu verhindern. Die Nadeln sind nach den örtlichen Vorschriften zu entsorgen.
Lagerung: Nach der ersten Anwendung nicht über 30 °C oder im Kühlschrank (2 °C-8 °C) lagern. Nicht einfrieren oder nach dem Einfrieren verwenden. Die Penkappe aufsetzen, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Injektionsstellen: Die Injektionsstellen sollten bei jeder Dosis gewechselt werden.












