Zimt in der Schwangerschaft: Das sollten Sie wissen

Darf man in der Schwangerschaft Zimt essen? Wir erklären den Unterschied zwischen dem "bösen" Cassia-Zimt (im Bild rechts) und dem "guten" Ceylon-Zimt (im Bild links) und worauf Schwangere beim Verzehr von Zimt achten sollten.

Cassiazimt und Ceylonzimt kann man leicht unterscheiden

Zimt in der Küche und Medizin

Zimt ist ein beliebtes Gewürz, das in vielen Speisen und Getränken enthalten ist. Hierzulande wird es hauptsächlich in Gebäck wie Zimtschnecken und Zimtsternen und Süßspeisen verwendet. In der indischen Küche ist es Bestandteil der der auch bei uns bekannten Gewürzmischung Garam Masala, die für pikante Gerichte mit Fleisch, Gemüse oder Hülsenfrüchten verwendet wird. In der ayurvedischen Küche und Heilkunst wird Zimt genutzt, um die Verdauung, die Durchblutung und den Kreislauf anzuregen. Auch in der westlichen Medizin werden verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften von Zimt diskutiert. Besonders interessant ist die Annahme, dass Zimt möglicherweise den Blutzucker senkt. Deshalb werden Zimtpräparate manchmal als unterstützende Mittel bei Diabetes beworben. Die aktuelle Studienlage lässt eine derartige Aussage aber nicht zu. Dasselbe gibt für die Behauptung, dass Zimt beim Abnehmen hilft.

Welche Risiken birgt Zimt?

Zimt enthält den sekundären Pflanzenstoff Cumarin. Cumarin ist bereits seit Jahrzehnten als gesundheitsgefährdend bekannt. In hohen Mengen kann es krebserregend wirken und die Leber schädigen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt deshalb, dass die tägliche Aufnahme von reinem Cumarin 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschreiten sollte. Cumarin ist in hohen Mengen in einer Zimt-Art enthalten, weshalb Zimt im Verdacht steht, ebenfalls gesundheitsschädlich zu sein. Sehr viel Cumarin ist auch in Tonka-Bohne und in der Maibowlen-Zutat Waldmeister enthalten.

Cassia-Zimt und Ceylon-Zimt: Was ist der Unterschied

Zimt wir aus der Rinde des Zimtbaumes gewonnen. Die Rinde wird vom Stamm abgeschält und zu den bekannten Zimtstangen aufgerollt und getrocknet. Die Stangen können am Stück oder zu Pulver gemahlen weiterverwendet werden. Es gibt verschiedene Arten von Zimtbäumen mit unterschiedlicher Herkunft, aus denen 2 verschiedene Zimtsorten hergestellt werden.

  • Cassia-Zimt ist auch als Chinazimt bekannt und hat ein fast schon scharfes Aroma. Er ist sehr viel preiswerter und wird daher oft von der Lebensmittelindustrie verwendet. Die Rinde des Cassia Zimts ist recht dick, sodass die gerollten Stangen innen einen sichtbaren Hohlraum haben und so hart sind, sodass man sie nur schwer im Mörser zerstoßen kann. Cassia-Zimt enthält sehr viel Cumarin und gilt daher als gesundheitlich bedenklich.
  • Ceylon-Zimt stammt heute überwiegend aus Sri Lanka. Er gilt als besonders hochwertig wegen seines edlen und milden Aromas und ist deutlich teurer. Ceylon Zimtstangen werden aus sehr feiner Rinde gerollt und erinnern im Querschnitt an eine Zigarre. Man kann die Stangen leicht mit den Fingern zerbrechen und im Mörser zerstoßen. Ceylon-Zimt hat einen deutlich niedrigeren Cumarin-Gehalt und gilt daher als die bessere Wahl.

Wie viel Zimt darf man als Schwangere essen?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt als tägliche Aufnahmehöchstmenge 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Höchstmenge gilt für alle Menschen, nicht speziell für Schwangere. Da Cassia-Zimt besonders viel Cumarin enthält, sollten Schwangere darauf achten, ihren Konsum zu begrenzen. Beispiel zur Orientierung:

  • Ein gestrichener Teelöffel Cassia-Zimt (ca. 2 g) enthält etwa 5-12 mg Cumarin.
  • Ein gestrichener Teelöffel Ceylon-Zimt enthält hingegen nur 0,02-0,1 mg Cumarin.

Der Cumaringehalt in Cassia-Zimt kann stark variieren. Fällt er besonders hoch aus, kann ein Erwachsener mit 60 kg Körpergewicht schon durch einen gestrichenen Teelöffel Zimt seine tolerierbare Tagesdosis erreichen. Ein Kind mit 15 kg könnte die Grenze bereits mit einem Viertel Teelöffel überschreiten. Mit Ceylon-Zimt ist es kaum möglich, die Cumarin-Grenzwerte zu erreichen – zumindest nicht bei einer normalen Ernährung.

Empfehlung für Schwangere:

  • Vermeiden Sie Fertigprodukte mit Zimt, da diese meist Cassia-Zimt enthalten.
  • Verwenden Sie in selbst zubereiteten Speisen ausschließlich Ceylon-Zimt.
  • Hochdosierte Zimtpräparate (z. B. Zimtkapseln) sind für Schwangere nicht empfehlenswert.

Kann Zimt Wehen fördern?

Zimt wird nachgesagt, dass er wehenfördernd wirken kann, da er die Durchblutung im Bauchraum anregt. Verantwortlich dafür ist das ätherische Öl im Zimt, nicht das bedenkliche Cumarin. Wissenschaftlich gesicherte Beweise für eine wehenfördernde Wirkung von Zimtöl gibt es allerdings nicht. Gleichwohl empfehlen einige Hebammen Zimttee, um die Geburt zu unterstützen, wenn die Wehen beginnen. Eine gängige Zubereitung ist, zwei Stangen Ceylon-Zimt mit Wasser zu übergießen und 10 Minuten ziehen zu lassen. Ohne ärztlichen Rat oder ohne Begleitung durch eine Hebamme raten unsere Apothekerinnen Schwangeren aber davon an.

Gibt es Studien über die Wirkung von Zimt auf Schwangere?

Im Jemen sind Gewürzen wie Zimt oder Ingwer in der Schwangerschaft als alternative Medizin sehr beliebt. Deshalb hat 2022 eine Forschergruppe an 300 Schwangeren die Wirkung von Gewürzen untersucht und dabei Anzeichen gefunden, dass es zu negativen Auswirkungen auf den Fötus und den Ablauf der Geburt kommen kann. Demnach scheint die Kaiserschnittrate zu steigen und das Geburtsgewicht der Kinder zu sinken. Es wird aber auch ausdrücklich festgehalten, dass es keine repräsentative Studie ist und dass es keine Angaben zur Häufigkeit oder der Dosis des Verzehrs gibt.

Fazit: Zimt während der Schwangerschaft – erlaubt, aber in Maßen

Zimt kann während der Schwangerschaft sicher genossen werden, wenn er in moderaten Mengen konsumiert wird. Um Risiken zu vermeiden, sollten werdende Mütter auf Ceylon-Zimt statt Cassia-Zimt zurückgreifen und hochdosierte Zimt-Produkte meiden.