Listerien in der Schwangerschaft
Erfahren Sie alles über Listerien in der Schwangerschaft: Risiken, Übertragungswege, Symptome und Schutzmaßnahmen für Ihr ungeborenes Kind.


Es gibt einige Lebensmittel, wie Rohmilchprodukte, roher Fisch oder rohes Fleisch, die man in der Schwangerschaft vermeiden sollte. Der Grund dafür sind Bakterien, sogenannte Listerien, die besonders in dieser aufregenden Zeit gefährlich werden können. Diese Bakterien sind in der Umwelt weit verbreitet und können durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel in den menschlichen Körper gelangen. Für die meisten Menschen sind Listerien harmlos und verursachen nur leichte Beschwerden, die oft sogar unbemerkt bleiben. Doch für schwangere Frauen stellen sie eine ernsthafte Gefahr dar, da sie die Infektion auf ihr Kind übertragen können.
In diesem Artikel werden wir die Ursachen, Symptome und Präventionsmaßnahmen von Listeriose in der Schwangerschaft näher beleuchten und aufzeigen, wie werdende Mütter sich und ihr Kind schützen können.
Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die durch bestimmte Bakterien, sogenannte Listerien verursacht wird. Relevant dabei ist für Menschen vor allem das Bakterium Listeria monocytogenes.
Listerien sind Bakterien, die in der Umwelt weit verbreitet sind und in verschiedenen Lebensmitteln vorkommen können. Die Art, die für Menschen am gefährlichsten ist, heißt Listeria monocytogenes. Dieses Bakterium ist ein grampositives, bewegliches, nicht-sporenbildendes Stäbchen, das fakultativ anaerobes ist. Doch was bedeutet das eigentlich?
Diese Eigenschaften helfen den Listerien, in verschiedenen Umgebungen zu überleben und sich zu verbreiten. Listerien können sich in einem breiten Temperaturbereich vermehren, von knapp unter dem Gefrierpunkt (-0,4 °C) bis zu warmen 45 °C. Das bedeutet, dass sie auch bei Kühlschranktemperaturen wachsen können, wenn die Bedingungen günstig sind. Am besten vermehren sie sich allerdings bei Temperaturen zwischen 30 und 45 °C. Das Wachstum hängt aber auch von anderen Faktoren ab, wie der Anwesenheit anderer Mikroorganismen, dem Säuregehalt (pH-Wert), dem Wassergehalt und dem Salzgehalt der Umgebung. Listerien können sich in einem pH-Bereich von 4,4 bis 9,4 vermehren.
Listerien werden hauptsächlich durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln übertragen. Listerien führen aber nicht dazu, dass Lebensmittel verderben. Man kann weder am Geruch noch am Aussehen eines Lebensmittels feststellen, ob Listerien vorhanden sind. Auch frische Produkte können Listerien tragen. Die häufigsten Quellen einer Listeriose sind die folgenden Lebensmittel:
Schwangen mit einer Listeriose können die Infektion auf verschiedene Weise auf ihr Baby übertragen: Entweder während der Schwangerschaft durch die Plazenta, während der Geburt beim Durchtritt durch den Geburtskanal oder nach der Geburt durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder Personen.
Die Zeit, die es dauert, bis nach einer Infektion mit Listerien Symptome auftreten, kann je nach Art der Erkrankung unterschiedlich sein. Bei Magen-Darm-Beschwerden dauert es in der Regel nur wenige Stunden bis zu sechs Tagen. Wenn die Infektion ins Blut übergeht, treten die Symptome meist innerhalb von ein bis zwölf Tagen auf, im Durchschnitt nach zwei Tagen. Bei einer Infektion des Nervensystems kann es ein bis vierzehn Tage dauern, bis Symptome auftreten, im Durchschnitt etwa neun Tage.
Die Anzahl der Fälle von invasiver Listeriose schwankt jedes Jahr. Seit 2005 gab es nach Angaben des Robert Koch-Instituts mindestens 308 Fälle im Jahr 2008 und höchstens 608 Fälle im Jahr 2014. Unter invasiver Listeriose versteht man eine schwere Form der Listeriose, die auftritt, wenn die Bakterien Listeria monocytogenes tief in den Körper eindringen, sich dort verteilen und wichtige Organe oder das Blut infizieren. Listeriose, die während der Schwangerschaft auftritt, macht etwa 10% aller gemeldeten Fälle aus. Dabei werden sowohl die Mutter als auch das Neugeborene gezählt. Invasive Listeriose, die nicht mit Schwangerschaft zusammenhängt, betrifft hauptsächlich Menschen über 50 Jahre. Viele dieser Betroffenen haben bereits andere gesundheitliche Probleme, die ihr Immunsystem schwächen, wie zum Beispiel HIV, Krebs, nach einer Organtransplantation oder eine Behandlung mit Kortison. Männer sind häufiger betroffen als Frauen (65%). Bei 30% der Fälle führt die Krankheit zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) und bei weiteren 30% zu einer Blutvergiftung (Sepsis). Die Sterblichkeitsrate bei invasiver Listeriose liegt im Durchschnitt bei 7%, was sie zu einer der meldepflichtigen Krankheiten mit der höchsten Sterblichkeit macht.
Um sich in der Schwangerschaft vor Listerien zu schützen, sollten einige Regeln beachtet werden. Listerien lassen sich durch Erhitzen abtöten. Ausreichend Hitze, zum Beispiel durch Kochen, Braten und Pasteurisieren, tötet die Bakterien ab. Das Bundesamt für Risikobewertung empfiehlt, Lebensmittel im Kern auf mindestens 70° Celsius für zwei Minuten zu erhitzen. Beim Gebrach von Mikrowellen sollte man auf gleichmäßiges Erwärmen achten und umrühren. Listerien sind widerstandsfähig und können manchmal sogar in tiefgefrorenen Lebensmitteln überleben oder sich bei Kühlschranktemperaturen und in Vakuumverpackungen vermehren.
Bei schwangeren Frauen verläuft eine Listeriose oft wie eine leichte Grippe oder sogar ganz ohne Symptome. Trotzdem kann die Infektion auf das ungeborene Kind übergehen, was dazu führen kann, dass das Baby infiziert zur Welt kommt oder es zu einer Früh- oder Totgeburt kommt. Zu den häufigsten Symptomen bei Schwangeren gehören Fieber, Muskelschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. In einigen Fällen können auch Kopfschmerzen und Schüttelfrost auftreten. Diese grippeähnlichen Symptome sind oft mild und können leicht übersehen werden. Bei Neugeborenen unterscheidet man zwischen einer Frühinfektion, wo Symptome in der ersten Lebenswoche auftreten und einer Spätinfektion mit Symptomen ab der zweiten Lebenswoche. Eine Frühinfektion kann sich durch eine Blutvergiftung (Sepsis), Atemprobleme, geringes Geburtsgewicht oder Hautausschlägen (Granulomatosis infantiseptica) zeigen. Babys mit einer Spätinfektion werden meist zum regulären Termin geboren und infizieren sich während der Geburt, wenn sie den Geburtskanal passieren. Diese Babys erkranken häufig an einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Weitere häufige Komplikationen bei einer Listeriose sind Fehlgeburten, Frühgeburten mit einer Infektion der Fruchtblase und Totgeburten. Infizierte Personen können die Bakterien über ihren Stuhl für mehrere Monate ausscheiden. Bei Müttern von infizierten Neugeborenen sind die Bakterien in den Wochenfluss-Sekreten und im Urin bis etwa sieben bis zehn Tage nach der Geburt nachweisbar, selten länger. Diagnose von Listeriose in der Schwangerschaft Ein Test auf Listerien gehört nicht zu den Blutuntersuchungen, die im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge durchgeführt werden. Listerien können in verschiedenen Proben wie Blut, Rückenmarksflüssigkeit, Eiter, Vaginalsekret, Wochenfluss, Urin, Stuhl, Mekonium (erster Stuhl des Neugeborenen, Kindspech) oder Gewebeproben nachgewiesen werden. Bei Schwangeren wird meistens ein Bluttest durchgeführt. Listerien können zwar Magen-Darm-Infektionen verursachen, werden aber teilweise auch bei Menschen im Stuhl gefunden. Daher wird der Stuhlnachweis meist nur bei Ausbruchsuntersuchungen durchgeführt. Die Methode, um den Erreger nachzuweisen, hängt davon ab, welche anderen Bakterien in der Probe erwartet werden.
Für Menschen, die ein gesundes Immunsystem haben, sind Listerien in der Regel ungefährlich. Sie erkranken nur selten daran und wenn, dann haben sie nur leichte grippeartige Symptome. Für Neugeborene, Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr können diese Bakterien aber gefährlich werden. Wenn sich die Infektion im Körper ausbreitet, kann es zur Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung kommen. Schwangere erkranken häufiger als andere. Das kann vor allem Folgen für das ungeborene Kind haben. Gehen die Bakterien auf das Kind über, kann es dieses schwer schädigen, es kann zur Früh- oder Fehlgeburt kommen. Die Behandlung von Listeriose hängt von den Symptomen, der Schwere der Erkrankung und dem individuellen Risiko für Komplikationen ab. Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder schwangere Frauen benötigen eher Antibiotika, was von den behandelnden Ärzten individuell entschieden wird. Bei gesunden Personen verschwinden Magen-Darm-Symptome normalerweise ohne spezielle Behandlung innerhalb weniger Tage. Oft weiß man gar nicht, dass Listerien die Ursache waren, da auch andere Erreger ähnliche Beschwerden verursachen können.
Schwangere Frauen mit Listeriose werden in der Regel mit Antibiotika behandelt, um sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind zu schützen. Häufig wird eine Kombination aus Ampicillin und Gentamicin eingesetzt. Bei einer Penicillin-Allergie können aber auch andere Antibiotika verwendet werden. Die Behandlung erfolgt unter sorgfältiger Überwachung durch den Arzt, um sicherzustellen, dass die Infektion effektiv bekämpft wird und keine Komplikationen auftreten.
Neugeborene, die mit Listeriose infiziert sind, benötigen ebenfalls eine Antibiotikatherapie. Die Behandlung beginnt hier auch oft mit Ampicillin und Aminoglykosiden wie Gentamicin. Die Babys werden intensivmedizinisch überwacht, um sicherzustellen, dass sie keine Atemprobleme oder andere schwere Symptome entwickeln.
Autorin: Apothekerin Birgit Hartel
Veröffentlichung: März 2025
Robert Koch-Institut https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Listeriose.html https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/10869/EB-12-2023_Listeriose%20update.pdf
Bundesamt für Risikobewertung https://www.bfr.bund.de/de/listerien-54356.html https://www.bfr.bund.de/cm/343/listeriose-erkrankungen-nehmen-zu-welche-rolle-spielen-verzehrfertige-lebensmittel.pdf https://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps-schutz-vor-lebensmittelinfektionen-mit-listerien.pdf
Bundeszentrum für Ernährung https://www.ble-medienservice.de/simpledownloadable/freedownload/link/hash/08b96e11a7ea6c35d23c279f39ebf472/ Merck & Co., Inc
https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-kindern/infektionen-bei-neugeborenen/listeriose-bei-neugeborenen https://www.msdmanuals.com/de/heim/infektionen/bakterielle-infektionen-grampositive-bakterien/listeriose
Verbraucherzentrale https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/listerien-und-listeriose-so-schuetzen-sie-sich-vor-den-bakterien-27782
WHO Weltgesundheitsorganisation https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/listeriosis