Syphilis: zu weit verbreitet – zu oft unentdeckt!
Syphilis bleibt oft unentdeckt. Um so wichtiger ist es, dass sexuell aktive Menschen, besonders solche mit wechselnden Partnern, über die Krankheit Bescheid wissen und sich lieber einmal zu oft als einmal zu wenig testen lassen. DocMorris informiert umfassend.


Inhalt
- Syphilis – aktueller denn je!
- Habe ich Syphilis?
- Krankheitsverlauf nach einer Syphilis-Infektion
- Wie kann ich mich mit Syphilis anstecken?
- Wie kann ich mich vor einer Ansteckung mit Syphilis schützen?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für eine Syphilis-Erkrankung?
- Wie läuft der Test auf Syphilis ab?
- Zusammenhang zwischen Syphilis und HIV?
- Syphilis-Infektion in der Schwangerschaft
Syphilis – aktueller denn je!
"Syphilis" mag sich ein wenig nach Mittelalter anhören, ist aber – leider! – höchst aktuell: Nachdem die sexuell übertragbare Erkrankung Ende der 90er Jahren in Deutschland schon fast ausgerottet war, hat sich das Bakterium Treponema pallidum seit Beginn des neuen Jahrtausends wieder mehr verbreiten können und zu einer deutlichen Erhöhung der Ansteckungen geführt. Syphilis, auch „Franzosenkrankheit“, „harten Schanker“, „Lues“ oder „Liebesseuche“ genannt, wird trotz der weiten Verbreitung oft nicht entdeckt – was schwere gesundheitliche Folgen haben kann.
Habe ich Syphilis?
Da die Anzeichen der Erkrankung oft unerkannt bleiben, stellt sich die Frage: Wie erkenne ich, ob ich Syphilis habe? Um diese Frage besser beantworten zu können, sollte man sich mit dem Krankheitsverlauf einer typischen Syphilisinfektion vertraut machen. Denn die Krankheit verläuft in drei Phasen, die sehr unterschiedliche Symptome aufweisen. Dabei treten die ersten Symptome meistens drei Wochen nach der Ansteckung auf. Je nach übertragener Erregerzahl und der Stärke des Immunsystems des Infizierten kann sie aber auch zwischen 10 Tagen und 3 Monaten liegen.
Der Krankheitsverlauf nach einer Syphilis-Infektion
Der Krankheitsverlauf ist eingeteilt in Frühsyphilis (bis ein Jahr nach der Infektion) und Spätsyphilis.
Frühsyphilis: Schmerzloses Hautgeschwür und Hautausschlag
Die Frühsyphilis umfasst die primäre Syphilis, bei der sich die Symptome dort zeigen, wo der Erreger in den Körper eingedrungen ist. Ebenfalls zur Frühsyphilis gehört die sekundäre Syphilis, bei der die Symptome den gesamten Organismus betreffen können.
In der ersten Phase, entsteht dort, wo das Bakterium in den Körper eingedrungen ist, zunächst ein dunkelroter Fleck oder ein Knötchen, welches sich zu einem nässenden, hoch infektiösem Geschwür entwickelt (das sogenannte Primäraffekt). Die Geschwüre treten oft in der Scheide, am Penis, am After oder im Mund auf. Tückischerweise sind diese **Geschwüre oft vollkommen schmerzlos,**weshalb Betroffene sie oft gar nicht bemerken oder nicht weiter beachten. Die Ränder der offenen Hautstellen verdicken und verhärten, während die in der Nähe des Geschwürs liegenden Lymphknoten anschwellen. Bei Befall der Genital- und Analregion sind dies die Lymphknoten der Leistenregion, bei Mund-und Rachenbefall die Lymphknoten der Halsregion. Das Geschwür heilt nach ungefähr einem Monat von selbst wieder ab. Kommt während dieser Zeit eine andere Person mit der Flüssigkeit in Kontakt, kann auch ohne Geschlechtsverkehr eine Infektionsübertragung stattfinden.
In der zweiten Krankheitsphase (sekundäre Syphilis) verbreitet sich der Erreger dann über die Blutbahn und das Lymphsystem im gesamten Organismus. Diese Phase ist auch gekennzeichnet durch das Anschwellen anderer Lymphknoten, die an verschiedenen Stellen im Körper liegen. Zudem treten** grippeähnlichen Symptomen** mit Müdigkeit, Blässe, Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, bis hin zu Sehstörungen auf - meist einhergehend mit** Hautausschlag,** der den ganzen Körper befallen kann. In der Phase der sekundären Syphilis kann es auch zu Haarausfall oder nässenden Pusteln kommen, deren Flüssigkeit übrigens viele Krankheitserreger enthält. Auch diese Symptome klingen in der Regel von selbst wieder ab, treten jedoch häufig schubförmig immer wieder auf.
Spätsyphilis
Zur Spätsyphilis (ab einem Jahr nach der Infektion) gehören die tertiäre Syphilis und die Neurosyphilis, die auch als quartäre Syphilis bezeichnet wird.
In manchen Fällen heilt die Syphilis nach der zweiten Krankheitsphase von selbst aus. Solange man sich nicht in ärztliche Behandlung begibt und einen Bluttest durchführen lässt, kann man aber nie sicher sein, ob die Krankheit wirklich ausgeheilt ist oder eventuell wieder ausbricht.
Wichtig zu wissen:
Ohne Blutuntersuchung gibt es bei Syphilis
keine Sicherheit vor einem Rückfall!
Auch nach jahrzehntelanger Ruhephase (sogenannte Latenzphase), in der keine Symptome aufgetreten sind, kann es zu einen Wiederaufflammen der Erkrankung kommen. Die Syphilis geht dann in das dritte Krankheitsstadium über. Man spricht nun von tertiärer Syphilis. Dabei werden auch innere Organe, die Knochen und/oder die Blutgefäße befallen und dauerhaft geschädigt. Daraus resultieren kardiologische, neurologische und psychiatrische Störungen. Im gesamten Körper (auf der Haut oder an den Organen) können durch die Geschlechtskrankheit sogenannte Gummen entstehen. Das sind Gewebeknoten die ein dünnes, fadenziehendes (gummiartiges) und entzündliches Sekret enthalten. Ist bei den Gefäßschädigungen die Hauptschlagader betroffen, kann sich ein Aneurysma bilden. An dieser Stelle ist die Gefäßwand sehr dünn und kann leicht reißen – es besteht sogar die Gefahr innerlich zu verbluten.
- Kommt es durch die neurologischen Störungen zu Spätschäden am zentralen Nervensystem (ZNS), spricht man von einer Neurosyphilis (quartäre Syphilis). Mögliche Folgen sind z. B. Bewegungsstörungen, Empfindungsstörungen, Nervenschmerzen, Krämpfe, Inkontinenz, Seh- und Sprechstörungen, Hörverlust, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, epileptische Anfälle, Depressionen oder Demenz.
Wie kann ich mich mit Syphilis anstecken?
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Syphilis wird hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr übertragen. Das Risiko einer Ansteckung ist dadurch gegeben, dass der Keim, welcher sich in infektiösen Körpersekreten wie z.B. Blut, Vaginalsekret oder Sperma befindet, über Verletzungen in der Schleimhaut in unseren Körper eindringt und dort die Krankheit auslöst. Es genügen bereits winzige Einrisse in der Schleimhaut, die wir nicht mal wahrnehmen, um eine Ansteckung zu ermöglichen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Geschlechtsverkehr genital, oral oder anal erfolgt.
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Eine Übertragung der Syphilis-Bakterien ist ebenso beim Küssen möglich – auch hier über winzige Verletzungen der Schleimhaut.
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Ebenfalls können kontaminierte Kanülen in der Drogenszene zu einer Übertragung führen, was aber selten vorkommt.
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Eine Ansteckung mit Syphilis ist theoretisch auch über Blutkonserven bei einer Bluttransfusion möglich. In Deutschland ist das jedoch schon seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen, da die Blutprodukte auf Syphilisinfektion geprüft werden.
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Personen mit Syphilis im Stadium I (primäre Syphilis) sind hochansteckend.
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Das Ansteckungsrisiko besteht in Phase II (sekundäre Syphilis) weiter.
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Im dritten Stadium (tertiäre Syphilis) besteht keine Infektiosität mehr.
Das Syphilis-Bakterium befällt übrigens nur den Menschen und ist außerhalb unseres Organismus nicht lange lebensfähig. Ein normaler Umgang mit einer infizierten Person, also Hände-Kontakt oder das Benutzen gemeinsamer Handtücher, ist daher unbedenklich und stellt kein erhöhtes Risiko dar.
Wie kann ich mich vor einer Ansteckung mit Syphilis schützen?
Geschützter Geschlechtsverkehr, also Kondome, können vor eine Ansteckung mit dem Syphilis-Erreger schützen. Einen anderen Schutz gibt es nicht. Eine bereits durchgemachte Infektion, egal ob sie behandelt wurde oder von selbst ausgeheilt ist, schützt nicht vor einer erneuten Ansteckung und Ausbreitung der Krankheit.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für eine Syphilis-Erkrankung?
Syphilis ist gut heilbar – und das in jeder Krankheitsphase. Die Geschlechtskrankheit wird in der Regel mit Penicillin behandelt, also einer Antibiotikatherapie, und heilt dadurch aus. Befindet sich die Erkrankung bereits im dritten Stadium und hat Spätschäden verursacht, lassen sich diese allerdings nicht mehr rückgängig machen.
Wird eine Syphilis diagnostiziert, sollten alle in Frage kommenden Sexualpartner des Betroffenen ebenfalls untersucht und ggf. behandelt werden. In der primären Phase sollten dies die Partner der vergangenen 3 Monate sein, in der sekundären Phase sollten bis zu 12 Monate berücksichtigt werden. Wegen der unkomplizierten Übertragung schon beim Küssen, ist die schnelle und umfangreiche Behandlung ein wichtiges Kriterium, um die weitere Ausbreitung der Syphilis einzudämmen.
Bei Verdacht auf eine Infektion bzw. bis zum Nachweis des Therapieerfolges, sollte auf ungeschützten Geschlechtsverkehr unbedingt verzichtet werden.
Wie läuft der Test auf Syphilis ab?
Wenn Sie den verdacht haben, an Syphilis erkrankt zu sein, bringt ein Bluttest Klarheit. Der Test ist in Facharztpraxen für Dermatologie, Urologie und Gynäkologie möglich, eventuell auch bei Ihrem Hausarzt. Gesundheitsämtern und Checkpoints der Aidshilfen bieten den Test ebenfalls an. Der Test besteht in der Regel aus drei Phasen. Werden in der ersten Testphase Syphilis-Antikörper im Blut gefunden, wird der erste Test zunächst an einer zweiten Blutprobe wiederholt. Sind wieder Antikörper nachweisbar, wird die zweite Blutprobe daraufhin untersucht, ob die Erkrankung bereits ausgeheilt ist oder behandelt werden muss.
Da der Syphilis-Test nicht den Erreger selbst im Blut nachweist, sondern nach Antikörper sucht, mit denen der Körper nach der Ansteckung auf die Erreger reagiert, sind die Tests kurz nach einer Ansteckung oft fälschlicherweise negativ, stellen also keine Infektion fest, obwohl eine vorliegt. Denn der Körper braucht eine gewisse Zeit, bevor er Antikörper gegen den Erreger bildet. Wenn also der Sex mit einer infizierten Person erst ein paar Tage her ist, ist es sinnvoll, mit dem Test zu warten oder später noch einen zweiten machen zu lassen.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Syphilis und HIV?
HIV und Syphilis haben eine mehrfache Wechselwirkung: Die im Frühstadium der Syphilis oft auftretenden Geschwüre machen es dem HIV-Erreger leicht, in den Körper einzudringen. Deshalb ist das Ansteckungsrisiko für HIV bei bestehender Syphilis-Infektion erhöht. Umgekehrt fällt bei Menschen mit HIV einen Syphilis-Infektion oft stärker als gewöhnlich aus. Daher ist es ratsam, beim Vorliegen einer Syphilis-Infektion oder einem Verdacht darauf, auch gleich einen HIV-Test vornehmen zu lassen. Umgekehrt empfiehlt sich dasselbe.
Syphilis-Infektion in der Schwangerschaft: Gefahr für das ungeborene Kind
Ist eine Schwangere mit dem Syphilis-Erreger infiziert, kann dieser über die Plazenta auf das Kind übergehen. Besonders hoch ist das Risiko einer Übertragung in frühen Krankheitsstadien oder dann, wenn die schwangere Frau sich erst während der Schwangerschaft mit der Geschlechtskrankheit infiziert. Denn kommt es erst während der Schwangerschaft zu einer Infektion der Frau, geht der Erreger fast immer auch auf das ungeborene Kind über. Nicht selten treten dadurch auch Früh- oder Fehlgeburten auf.
Etwa die Hälfte aller Neugeborenen, die an Syphilis erkrankt sind, sind bei der Geburt unauffällig. Andere zeigen Symptome wie Atemprobleme, Hauterscheinungen, Gewebsschwellungen, eine vergrößerte Leber und Milz, Gelbsucht und Blutarmut. Nach der 3. bis 10. Lebenswoche kommt es zu Fieber, geschwollenen Lymphknoten, eingerissenen Mundwinkeln, Schleimhautgeschwüren, Nasenschleimhaut-, Darm- und Kehlkopfentzündungen und das Trinken an Brust oder Flasche lässt nach. Zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat können eine Hirnhautentzündung (Meningitis), mit Trinkverweigerung, Schreien oder Wimmern, Atemstörung und Krampfanfällen auftreten. Ohne Behandlung der Syphilis kommt es meist nach dem 3. Lebensjahr zu Anzeichen an verschiedenen Organen, z. B. Veränderungen am Gaumen, eine sattelförmige eingesunkene Nase, Hornhautentzündung der Augen (mit Lichtscheu, Augenschmerzen und Sehproblemen, bis hin zur Erblindung), Schwerhörigkeit oder Taubheit, Fehlbildungen der Zähne und Schwellungen an den Kniegelenken.









