Nagelbettentzündung erkennen und behandeln

Eine Nagelbettentzündung ist eine schmerzhafte Entzündung der Haut rund um den Finger- oder Zehennagel. Sie entstehen, wenn kleine Verletzungen des Nagelbettes von Keimen befallen werden. Lesen Sie hier, wie Sie eine Nagelbettentzündung behandeln und wann Sie zum Arzt gehen sollten.

Bild eines entzündeten Nagelbettes am Daumen

Das Wichtigste in Kürze

  • Symptome: Typisch sind Rötung, Schwellung, pulsierende Schmerzen und oft eine sichtbare Eiterbildung.
  • Ursachen: Keime dringen durch kleinste Verletzungen wie Risse in der Nagelhaut oder durch unsaubere Maniküre ein.
  • Selbsthilfe: Warme Bäder mit Kamille oder Seife können bei frühen Anzeichen die Heilung fördern.
  • Arztbesuch: Bei starkem Pochen, Eiter, Fieber oder anhaltenden Beschwerden ist medizinische Hilfe unerlässlich.
  • Vorbeugung: Regelmäßige Pflege trockener Haut und vorsichtige Nagelpflege schützen vor Infektionen.

Was ist eine Nagelbettentzündung?

Kurz gesagt: Eine Nagelbettentzündung ist eine schmerzhafte Entzündung der Haut rund um den Finger- oder Zehennagel.

Betroffen sein können der Bereich direkt unter dem Nagel, das sogenannte Nagelbett oder die Haut am Nagelrand, der Nagelwall. Durch kleine Verletzungen in diesem empfindlichen Bereich können Keime wie Bakterien, seltener auch Pilze oder Viren, in die Haut eindringen und eine Entzündung auslösen. Schon winzige Risse, etwa durch trockene Haut, unsaubere Nagelpflege, eingewachsene Nägel oder kleine Schnittchen, reichen dafür aus. Medizinisch wird zwischen verschiedenen Formen der Nagelbettentzündung unterschieden:

Onychie, Paronychie und Panaritium – was bedeutet was?

1. Onychie
Der Begriff Onychie bezeichnet eine Entzündung direkt im Nagelbett, also im Gewebe unter dem Nagel, auf dem die Nagelplatte liegt. Sie ist damit eine Unterform der Nagelbettentzündung.

2. Paronychie
Die Paronychie ist eine Entzündung des Nagelwalls oder Nagelfalzes, also des Gewebes seitlich oder am unteren Rand des Nagels.

  • Betrifft den Bereich um die Nagelplatte herum
  • Kann akut (plötzlicher Beginn) oder chronisch (länger als 6 Wochen) sein

3. Panaritium
Der Begriff Panaritium bezeichnet eine tiefer gehende, eitrige Infektion im Bereich des Fingers oder der Zehen. Oft treten eitrige Entzündungen am Nagelwall (seitlich/hinten) auf oder es kommt zu Eiteransammlungen unter dem Nagel.

Wie entsteht eine Nagelbettentzündung?

Kurz gesagt: Eine Nagelbettentzündung entsteht, wenn Keime durch kleine Verletzungen rund um den Nagel in die Haut eindringen.

Schon winzige Risse, etwa durch trockene Haut, unsaubere Nagelpflege, eingerissene Nagelhaut oder eingewachsene Nägel reichen aus, damit Bakterien in das empfindliche Gewebe gelangen und dort eine Entzündung auslösen. Seltener können auch Pilze oder Viren beteiligt sein.

Solche kleinen Verletzungen entstehen oft im Alltag: durch zu tiefes Schneiden der Nägel, häufiges Herausreißen von Hautfetzen, mechanische Reibung oder Druck zum Beispiel durch zu enge Schuhe.

Auch Arbeiten in feuchter Umgebung oder der Kontakt mit Reinigungsmitteln kann die Haut am Nagel schwächen und anfälliger für Keime machen. Menschen mit trockener Haut, Neurodermitis, Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem sind besonders gefährdet, weil ihre Haut schneller reißt oder weniger gut heilt.

Sobald Keime in die verletzte Haut gelangen, reagiert der Körper mit einer Entzündung: Die Stelle wird rot, warm, geschwollen und schmerzhaft. Je nachdem, wo die Entzündung sitzt, kann sich Eiter am Nagelrand oder auch unter dem Nagel ansammeln. Eine Nagelbettentzündung entwickelt sich oft schnell, besonders wenn Bakterien beteiligt sind. Bei länger andauernder Reizung oder wiederholten kleinen Verletzungen kann sie aber auch chronisch werden und über Wochen bestehen bleiben.

Welche Symptome treten bei Nagelbettentzündung auf?

Eine Nagelbettentzündung macht sich meist schon früh durch deutliche Veränderungen rund um den betroffenen Finger- oder Zehennagel bemerkbar. Zu den ersten Anzeichen gehören Rötung, Schwellung und eine spürbare Wärme im entzündeten Bereich. Die Haut kann gespannt wirken und ist oft sehr empfindlich. Typisch ist auch ein pochender oder stechender Schmerz, der besonders bei Druck oder Berührung zunimmt. Diese Beschwerden entstehen, weil das entzündete Gewebe stärker durchblutet ist und sich Flüssigkeit darin ansammelt.

Im weiteren Verlauf kann sich Eiter bilden, der sich am Nagelrand oder sogar unter dem Nagel ansammeln kann. Drückt man auf den Nagel oder das entzündete Gewebe, kann der Eiter manchmal austreten. Das ist ein Hinweis darauf, dass die Infektion bereits stärker vorangeschritten ist.

In manchen Fällen bleibt es nicht bei lokalen Beschwerden. Wenn die Entzündung ausgeprägt ist, können Fieber, ein allgemeines Krankheitsgefühl oder geschwollene Lymphknoten hinzukommen. Spätestens dann sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, da sich die Infektion weiter ausbreiten kann. Wird eine Nagelbettentzündung nicht rechtzeitig behandelt, drohen im Extremfall zusätzliche Komplikationen wie eine Ausbreitung auf tiefere Gewebeschichten, Sehnen oder sogar den Knochen.

Akute vs. chronische Nagelbettentzündung

Eine Nagelbettentzündung kann akut oder chronisch verlaufen, je nachdem, wie schnell sie entsteht und wie lange die Beschwerden anhalten. Beide Formen betreffen den Bereich rund um den Nagel, unterscheiden sich jedoch deutlich im Verlauf und in den Ursachen.

Eine akute Nagelbettentzündung entwickelt sich meist plötzlich innerhalb weniger Stunden oder Tage. Häufig reicht eine kleine Verletzung der Nagelhaut etwa durch Schneiden, Reißen oder Stoßen, damit Bakterien in das Gewebe eindringen und eine schmerzhafte Entzündung auslösen. Typisch sind starke Rötung, Schwellung, Wärme und ein pulsierender Schmerz, oft begleitet von einer schnellen Eiterbildung. Diese Form kann jeden Menschen treffen, auch ohne besondere Vorerkrankungen.

Im Unterschied dazu entsteht eine chronische Nagelbettentzündung langsam und hält länger als sechs Wochen an. Sie kommt häufig vor, wenn die Hände oder Füße regelmäßig mit Wasser, Reinigungsmitteln oder reizenden Stoffen in Kontakt kommen zum Beispiel bei Menschen, die viel spülen, putzen oder in feuchtem Milieu arbeiten. Auch wiederkehrende kleine Verletzungen oder ein geschwächtes Immunsystem können den chronischen Verlauf begünstigen. Die Beschwerden sind oft weniger schmerzhaft, dafür aber anhaltend: Die Haut um den Nagel bleibt gerötet, leicht geschwollen und empfindlich. Nicht selten spielt bei chronischen Verläufen auch ein Pilzbefall eine Rolle. Lesen Sie hierzu die Spezialartikel: Nagelpilz und Fußpilz.

Während akute Entzündungen häufig gut und rasch behandelt werden können, ist die chronische Form hartnäckiger. Sie erfordert neben der Behandlung der Entzündung auch das Vermeiden der auslösenden Reize, damit die Haut heilen kann. In beiden Fällen gilt jedoch: Je früher man handelt, desto besser lässt sich verhindern, dass sich die Entzündung weiter ausbreiten.

Wie wird eine Nagelbettentzündung diagnostiziert?

Kurz gesagt: Eine Nagelbettentzündung kann in den meisten Fällen sehr schnell und zuverlässig durch eine einfache körperliche Untersuchung erkannt werden.

Ärztinnen und Ärzte schauen sich den betroffenen Finger oder Zeh genau an und beurteilen dabei Rötung, Schwellung, Wärme, Schmerzempfindlichkeit und mögliche Eiterbildung. Diese sogenannte Blickdiagnose reicht in vielen Fällen aus, da die typischen Anzeichen gut erkennbar sind.

Wenn der Verlauf unklar ist oder die Entzündung ungewöhnlich stark ausgeprägt erscheint, kann zusätzlich ein Abstrich der betroffenen Stelle gemacht werden. Dabei wird etwas Sekret oder Hautmaterial entnommen und im Labor untersucht. So lässt sich feststellen, welche Keime die Entzündung verursachen, zum Beispiel Bakterien, Pilze oder in seltenen Fällen Viren. Das ist besonders hilfreich, wenn die Entzündung nicht gut auf die erste Behandlung reagiert oder wenn eine gezielte Therapie etwa ein spezifisches Antibiotikum nötig ist.

In der Regel sind weitere Untersuchungen nicht notwendig, da die Erkrankung meist eindeutig zu erkennen ist. Nur wenn vermutet wird, dass sich die Infektion tiefer ausgebreitet hat, zum Beispiel auf Sehnen oder Knochen, können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein. Solche Situationen sind jedoch selten und treten vor allem auf, wenn die Entzündung über längere Zeit unbehandelt bleibt.

Für die meisten Betroffenen bedeutet das: Die Diagnose ist einfach, schnell und wenig belastend. Ein kurzer Blick der Ärztin oder des Arztes reicht oft aus, um die richtige Behandlung einzuleiten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einer Nagelbettentzündung?

Kurz gesagt: Die Behandlung einer Nagelbettentzündung umfasst sowohl einfache Maßnahmen zur Selbsthilfe als auch medizinische Therapien.

In vielen Fällen können bereits warme Hand- oder Fußbäder, beispielsweise mit Seife oder Kamille, eine deutliche Linderung bringen, da sie die Durchblutung fördern und den Heilungsprozess unterstützen. Ebenso wichtig ist es, den betroffenen Finger oder Zeh möglichst zu schonen und ruhigzustellen, damit sich die gereizte Haut erholen kann. Je nach Situation kann der Bereich entweder an der Luft gelassen werden, um die Heilung zu fördern, oder mit einem lockeren, nicht luftdichten Pflaster geschützt werden, etwa dann, wenn Reibung, Schmutz oder Belastung zu erwarten sind.

Wenn die Entzündung ausgeprägter ist oder sich bereits Eiter gebildet hat, ist in der Regel eine medizinische Behandlung notwendig. Dazu gehören entzündungshemmende oder antibiotische Salben, die direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Bei Eiteransammlungen kann eine Drainage erforderlich sein, bei der der Abszess geöffnet und der Eiter fachgerecht entfernt wird. Je nach Ursache kommen zudem Antibiotika zum Einsatz, insbesondere wenn Bakterien beteiligt sind. Handelt es sich dagegen um eine durch Pilze ausgelöste Entzündung, werden Antimykotika verwendet, um den Erreger wirksam zu bekämpfen.