Demenz
Jeder kennt die Situation, dass einem z. B. ein Name entfallen ist oder man einen Termin vergisst. Solche Aussetzer des Gedächtnisses sind punktuell, und meistens fällt einem das Vergessene auch später wieder ein. Bei Menschen mit Demenz wird diese Vergesslichkeit jedoch zur Krankheit und alltäglichen Belastung. Das Denken, Wahrnehmen und Erkennen nimmt kontinuierlich ab, bis es letzten Endes ganz verloren geht. Wir erklären Ihnen, was die Erkrankung für Betroffene bedeutet und wie Sie als Angehörige damit umgehen sollten.


Inhalt
- Was ist Demenz?
- Die Unterscheidung von primärer & sekundärer Demenz
- Abgrenzung von anderen Gedächtnisstörungen
- Anzeichen und Warnsignale für eine Demenz
- Was tun, wenn eine Demenz vom Betroffenen verdrängt wird?
- Früh handeln, wenn Demenz erkannt wird
- Wie verhalte ich mich als Angehöriger bei Demenz?
Was ist Demenz?
Demenz bezeichnet das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten aufgrund verschiedener neurologischer Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems). Dabei werden Nervenzellen im Gehirn geschädigt und zerstört, sodass die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verloren geht. Demenz beeinträchtigt das Gedächtnis, das logische und kritische Denken, emotionale sowie soziale Fähigkeiten und führt schließlich zum Verlust der eigenen Identität.
Ein Demenz-Kranker verliert mit der Zeit mehr und mehr die Möglichkeit, den Alltag zu bewältigen, Viele Patienten merken dabei deutlich, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist. Das äußert sich in Konzentrationsschwäche oder Wahrnehmungsstörungen sowie in der Beeinträchtigung von Sprache, Auffassungsgabe, Lernfähigkeit, Rechnen und Entscheidungsfähigkeit. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der zeitlichen und örtlichen Orientierung, ggf. auch Antriebslosigkeit, Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit. Nach und nach gehen alle Gedächtnisfunktionen einschließlich der Merkfähigkeit verloren. Dabei beginnt in der Regel der Erinnerungsverlust im Kurzzeitgedächtnis, während weit zurückliegende Erinnerungen am längsten bewahrt werden.
Im weiteren Verlauf kommt es zu Persönlichkeits- und Verhaltensveränderungen. Die Erkrankten erscheinen oberflächlicher, sorgloser und zeigen teilweise ein enthemmtes Verhalten, das sich auch in Taktlosigkeit und Aggressivität äußern kann. Die Betroffenen verlieren ihre Selbstständigkeit, die Fähigkeit zur Kommunikation und wissen schließlich nicht mehr, wer sie sind.
Auch zunehmende körperliche Symptome wie Koordinationsstörungen der Bewegungen, Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme, Kontrollverlust über Blase und Darm bis hin zur Bettlägerigkeit, machen unter Umständen eine Betreuung und Pflege rund um die Uhr notwendig.
Welche Symptome auftreten und wann, ist abhängig von der neurologischen Erkrankung, die zur Demenz geführt hat, und wie weit sie schon fortgeschritten ist. Der Krankheitsverlauf ist bei jedem Betroffenen individuell.
Die Unterscheidung von primärer und sekundärer Demenz
Wenn der Krankheitsprozess, der zur Demenz führt, unmittelbar im Gehirn ansetzt, spricht man von einer primären Demenz. Diese Demenzformen sind mit dem derzeitigen Stand der Medizin nicht mehr rückgängig zu machen, wenn die Gehirnleistung einmal eingeschränkt ist. Zu dem primären Demenzen zählt die Alzheimer-Erkrankungen, mit einem Anteil von 60% die bei weitestem häufigste Demenz-Erkrankung überhaupt. Weitere primäre Demenzen sind die Lewy-Körperchen-Demenz und die Frontotemporalen Demenzen.
Wenn die Zerstörung der Nervenzellen im Gehirn nicht unmittelbar vom Gehirn selbst ausgeht, sondern Folge einer anderen Grunderkrankung ist, spricht man von einer sekundären Demenz. Solche Ursachen können sein: Mangel an Folsäure oder B-Vitaminen, Nebenwirkungen von Medikamenten, psychische Erkrankungen wie Depressionen, hormonellen Erkrankungen wie Schilddrüsenstörungen, andere Gehirnerkrankungen wie Tumore oder Durchblutungsstörungen aufgrund von Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rauchen. Sekundäre Demenzen machen bis zu 10% aller Demenz-Fälle aus. Zu ihnen gehört auch die Parkinson-Krankheit und das Korsakow-Syndrom. Sekundäre Demenzen bleiben oft lange Zeit unerkannt und werden daher oft spät behandelt und können dann schnell fortschreiten. Wird die Grunderkrankung jedoch erfolgreich behandelt und ist dadurch die Schädigung nicht langanhaltend, können sich auch die Demenz-Symptome wieder zurückbilden.
Abgrenzung von anderen Gedächtnisstörungen: Was ist Demenz, was normale Vergesslichkeit?
Demenz ist eine Erkrankung, die meist im höheren Alter auftritt. Sie ist abzugrenzen von der normalen Vergesslichkeit im Alter, die zum Alterungsprozess dazu gehört und bereits ab dem 45. Lebensjahr beginnt. Die Altersvergesslichkeit führt dazu, dass sich Betroffene nicht mehr für längere Zeit konzentrieren können und das Lernen sowie Erinnern schwerer fällt und längere Zeit in Anspruch nimmt. Zu Beeinträchtigungen der Gedächtnisleistung hingegen kommt es bei der Altersvergesslichkeit meist nur unter Zeitdruck oder bei besonderen emotionalen Belastungen. Es gibt allerdings einen schleichenden Übergang zur Demenz. Wenn komplizierte Alltagsaufgaben nur noch schwer bewältigt werden können, könnte eine Demenz vorliegen. Eine Demenz kann unter Umständen auch mit einer akuten Verwirrtheit (Delir), die andere Ursachen hat, verwechselt werden.
Anzeichen und Warnsignale für eine Demenz
Folgende Symptome können auch eine Demenzerkrankung hinweisen:
- Vergessen von kürzlich geschehenen Ereignissen
- Schwierigkeiten bei der Ausführung vertrauter Tätigkeiten
- Probleme mit der Sprache
- Verlust des Interesses an Beruf, Freizeitgestaltung und der Pflege von Freundschaften und familiären Beziehungen
- Orientierungsschwierigkeiten in unbekannten Umgebungen
- Fehlender Überblick über finanzielle Angelegenheiten
- Falsche Einschätzung von Gefahren
- Plötzliche Stimmungsschwankungen, anhaltende Ängste, Reizbarkeit und Misstrauen
- Ständiges Abstreiten von Fehlern, Missverständnissen oder Verwechslungen
Was tun, wenn eine Demenz vom Betroffenen verdrängt wird?
Gefühle und Demenz
Die Gefühle, die ein Mensch empfindet, werden von der Demenzerkrankung nur wenig betroffen. Das bedeutet, dass Demenz-Kranke den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit sehr intensiv erleben. Das ist auch der Grund, warum viele Demenz-Kranke eine Depression entwickeln. Umgekehrt kann Depression auch eine Demenz vortäuschen, denn auch bei einer Depression ist das Denken und Handeln verlangsamt. Es besteht also für beide Erkrankungen die Gefahr, dass die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung ungenutzt bleibt, weil sie aufgrund der anderen Erkrankung übersehen wird.
Durch den Gedächtnisverlust bei Demenz gehen auch die Erinnerungen an wichtige Personen und die Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens mit diesen Personen gesammelt hat, verloren. Das macht das Suchen nach bekannten Gefühlen für den Betroffenen besonders wichtig. Ein anfänglicher Rückzug aus Scham geht später in Unruhe, Ängstlichkeit und Ärger über und ist die Suche nach Geborgenheit, Sicherheit und Schutz.
Ist die Gedächtnisleistung noch nicht komplett verloren gegangen, kann die Beschäftigung mit der Vergangenheit (Biografie-Arbeit) helfen, alte Gefühle wachzurufen. Dazu gehört, dem Patienten alte Bilder oder Gegenstände von früher zu zeigen, ihm Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten, die ihm Freude bereiten und seinen Interessen entsprechen oder auch, ihn mit Gerüchen oder Geschmäckern zu konfrontieren, die eine bestimmte Bedeutung haben (z. B. der Lieblingskuchen nach Uromas Rezept). Bei dem Patienten wird Wohlbefinden erzeugt und Sicherheit vermittelt, weil erhaltene Erinnerungen für den Betroffenen Erfolgserlebnisse sind. Der Patient wird zugänglicher und seine Fähigkeiten können besser genutzt werden, um die Lebensqualität des Kranken und der Bezugspersonen zu verbessern. Dazu ist es hilfreich, zu dem Erkrankten eine persönliche Beziehung zu haben oder aufzubauen. Je besser Sie die Person kennen, desto einfacher ist es. Ohne Biografiekenntnisse ist es schwer, die Bedürfnisse eines Demenzkranken zu erkennen und richtig zu interpretieren. Es gibt natürlich auch negative oder unverarbeitete Erlebnisse, mit denen der Pflegebedürftige sich nicht auseinander setzen möchte. Wenn er sich nicht erinnern will, sollte man das akzeptieren.
Bei vielen Demenz-Kranken, die unruhig sind, tritt diese Unruhe verstärkt abends oder nachts auf. Andere Erkrankungen könnten dafür verantwortlich sein. Findet man diese heraus und werden sie erfolgreich behandelt, wird der Betroffene ruhiger. Denkbar ist aber auch, dass die Person tagsüber eher passiv ist und durch die fehlende Auslastung nachts aktiv wird. Schlaftabletten können die Tagesmüdigkeit durch eine Nachwirkung der Tabletten verstärken. Besser ist es also, den Kranken tagsüber zu aktivieren.
Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz-Kranken können auch aufgrund von Schmerzen auftreten. Menschen mit einer Demenz haben auf Nachfrage möglicherweise ihren Schmerz vergessen oder können ihre Schmerzen und das damit verbundene Leiden nicht verbal äußern. Sie reagieren daher mit Unruhe, Schlafstörungen, Aggression, Halluzinationen, Rückzug, Apathie oder Depressionen.
Früh handeln, wenn Demenz erkannt wird
Die Schädigung und Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn bei Demenzkranken kann schon in einem Stadium festgestellt werden, in dem nur geringgradige Symptome, also nur leichte Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit, vorliegen. Das Fortschreiten einer Demenz kann zwar in der Regel nicht gestoppt werden, aber die Zerstörung noch funktionierender Nervenzellen kann verlangsamt werden. Dabei spielen vor allem auch nicht medikamentöse Maßnahmen eine bedeutende Rolle.
Im Frühstadium können im Alltag auftretende Schwierigkeiten durch Erlernen neuer Strategien oder das Anpassen des Verhaltens an die verminderte Leistungsfähigkeit die Lösung sein. Im Verlauf der Demenzerkrankung kommen Verhaltens-, Physio- und Ergotherapie, Gedächtnistraining, körperliche Aktivität, künstlerische Therapien (z. B. Musiktherapie), Biografie-Arbeit (Beschäftigung des Demenz-Kranken mit seiner Lebensgeschichte zur Stärkung der persönlichen Identität und dem Selbstwertgefühl) und sensorische Verfahren zur Beruhigung und Entspannung (z. B. Aromatherapie oder Massagen) zum Einsatz. Diese können mit einer medikamentösen Behandlung ergänzt werden.
Je früher geeignete therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden, desto geringer ist der Anteil zerstörter Nervenzellen und desto besser die Möglichkeiten, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
Aufmerksam werden sollte man, wenn der innere Antrieb und das Interesse an Hobbys und Freizeitbeschäftigungen abnehmen oder wenn alltägliche Aufgaben nicht mehr oder nur schwer bewältigt werden können (zum Beispiel, sich anzuziehen, den Tisch zu decken oder aufzuräumen).
Auch ein gesunder Lebensstil im Allgemeinen wirkt sich günstig auf eine Demenzerkrankung aus, und kann gleichzeitig auch die Entstehung einer Demenz hinauszögern. Durch eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, dem Verzicht auf Rauchen, geistige Aktivitäten und soziale Kontakte werden die Nervenzellen des Gehirns aktiviert und die Schaltstellen zwischen den Nervenzellen ausgebaut und stabilisiert. Bei einem ungesunden Lebensstil werden die Blutgefäße verengt und damit die Sauerstoffversorgung im Gehirn behindert, was ebenfalls zum Absterben von Nervenzellen führen kann.








