Kurkuma: Gewürz oder Arzneimittel?
Kurkuma hat sich über Jahrhunderte einen festen Platz in der Naturheilkunde erobert. Doch wie belastbar sind die wissenschaftlichen Studien für seine gesundheitsfördernden oder heilenden Wirkungen wirklich? In diesem Artikel prüfen wir die aktuellen Forschungsergebnisse und geben einen Überblick über das theoretische Wirkpotential von Kurkuma und Curcumin. Puls: Wofür Kurkuma als Arzneimittel tatsächlich wissenschaftlich anerkannt ist!


Hier gelangen Sie direkt zum jeweiligen Abschnitt:
- Was ist Kurkuma?
- Für was ist Kurkuma alles gut?
- Kurkuma als Arzneimittel gegen Verdauungsbeschwerden und Reizmagen
- Wie wird Kurkuma dosiert und eingenommen?
- Neben- und Wechselwirkungen sowie Risiken bei der Einnahme von Kurkuma
- Häufige Fragen zu Kurkuma
Was ist Kurkuma?
Kurkuma, auch bekannt als Gelbwurzel, Chinesische Wurzel oder Gelber Ingwer, ist ein Gewächs aus der Familie der Ingwergewächse, das in Südasien beheimatet ist. In Asien und mittlerweile auch in Europa wird es als Lebensmittel bzw. Gewürz geschätzt und ist als gemahlenes Pulver aus der getrockneten Kurkumawurzel oder als frische Kurkumawurzel, den sogenannten Kurkuma-Fingern, erhältlich. Es ist Hauptbestandteil vieler Curry-Mischungen und hat einen erdig-nussigen, leicht scharfen und dezent bitteren Geschmack. Neben seiner Rolle in der Küche wird Kurkuma seit Jahrtausenden in der traditionellen chinesischen Medizin TCM und im Ayurveda genutzt. Der Hauptwirkstoff Curcumin, der auch für die charakteristische gelbe Farbe verantwortlich ist, wird oft als potenziell gesundheitsfördernd beschrieben. Doch wie viel davon lässt sich wissenschaftlich untermauern?
Wirkung von Kurkuma und Curcumin: Für was ist Kurkuma alles gut? Der große Faktencheck
Kurkuma wird häufig für seine angeblich gesunden Eigenschaften hervorgehoben. So soll das darin enthaltene Curcumin beispielsweise Cholesterin senken, die Leber schützen, gegen Depressionen wirken und unter anderem bei Gelenkbeschwerden, Demenz, Depressionen, Rheuma und sogar Krebs helfen.
Aber stimmt das wirklich? Werfen wir einmal einen genaueren Blick auf die Studienlage:
Studienlage zu den Wirkungen von Kurkuma und Curcumin
Kurkuma und Curcumin werden seit Jahren intensiv untersucht, insbesondere in Zellkultur- und Tierversuchen. Diese Studien haben oft vielversprechende Ergebnisse gezeigt, beispielsweise im Hinblick auf antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen. Dennoch ist die Übertragbarkeit dieser Resultate auf den Menschen stark eingeschränkt, und die wissenschaftlichen Belege für gesundheitliche Vorteile beim Menschen bleiben umstritten.
Einschränkungen der Studienlage
- Mangel an eindeutigen wissenschaftlichen Belegen: Obwohl Kurkumaextrakte in verschiedenen Kontexten, wie der Behandlung von Krebs, Gelenkbeschwerden, Demenz, Depressionen oder Kniearthrose, untersucht wurden, fehlen bislang klare Beweise für ihre Wirksamkeit beim Menschen. Viele Ergebnisse aus Zellkultur- und Tierstudien konnten in Humanstudien nicht bestätigt werden.
- Unterschiede im Stoffwechsel: Der Stoffwechsel von Zellen, Nagetieren und Menschen unterscheidet sich erheblich, was die Übertragbarkeit der in Laborexperimenten erzielten Resultate erschwert.
- Hochdosierte Laborbedingungen: Die Dosierungen, die in Laborversuchen verwendet werden, sind oft extrem hoch und lassen sich weder über die normale Ernährung noch durch Nahrungsergänzungsmittel beim Menschen erreichen.
- Methodische Mängel in Humanstudien: Viele verfügbare Humanstudien weisen methodische Schwächen auf, darunter eine zu geringe Teilnehmerzahl, das Fehlen von Kontrollgruppen oder eine zu kurze Studiendauer. Das mindert die Aussagekraft der Studienergebnisse erheblich.
- Uneinheitliche Produkte: Es gibt keine einheitliche Definition für Kurkuma-basierte Nahrungsergänzungsmittel, die verwendeten Extrakte unterscheiden sich oft erheblich. Dadurch sind die Ergebnisse verschiedener Studien schwer vergleichbar.
Mögliche Wirkungen ohne Beweise für die Wirkung am Menschen
- Antioxidative Wirkung: Curcumin ist ein Antioxidans – diese Substanzen verhindern im Körper bestimmte chemische Reaktionen, bei denen sonst schädliche Moleküle Zellen oder Gewebe beschädigen könnten. Es gibt jedoch keine klinischen Studien, die eine therapeutisch relevante antioxidative Wirkung bestätigen.
- Entzündungshemmende Effekte: Sogenannte antiinflammatorische Wirkungen konnten in Zellkulturmodellen nachgewiesen werden, doch Humanstudien haben bisher keine ausreichenden Belege für eine übertragbare Wirkung geliefert.
- Krebsvorsorge, Krebsvorbeugung: Obwohl zellbiologische Befunde auf eine Hemmung entzündlicher Signalwege und antioxidative Eigenschaften hinweisen, gibt es bislang keine belastbaren Hinweise auf eine pharmakologisch relevante tumorpräventive Wirkung in Humanstudien.
Anerkannte Wirkung: Kurkuma als zugelassenes Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden wie Reizmagen
Nach den Vorstellungen Traditionellen Chinesischen Medizin regt Kurkuma den den Fluss des Leber-Qi und die Gallenfunktion an, weshalb es auch bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt wird. Ähnlich wird im Ayurveda Kurkuma eingesetzt, um Blähungen und Trägheit der Verdauung zu bessern. Und auch in der modernen Medizin wird Kurkuma heute gezielt eingesetzt: Zumindest in einer Zubereitung hat Curcumin eine Zulassung als Arzneimittel erhalten. Unter dem Namen Curcu-Truw® ist ein Kurkuma-Trockenpulverextrakt in Kapsel-Form als Arzneimittel zur Anwendung bei Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Beschwerden), besonders bei funktionellen Störungen des ableitenden Gallensystems zugelassen. Zu den dyspeptischen Beschwerden zählt unter anderem der sogenannte Reizmagen (funktionelle Dyspepsie), der mit Symptomen wie Blähgefühl und Krämpfe im Oberbauch, häufigem Aufstoßen, Übelkeit, Unwohlsein und gelegentlich auch Erbrechen einhergeht. Falls vom Arzt nicht anders verordnet, ist die übliche Dosis für Erwachsene und Heranwachsende ab 12 Jahren 2mal täglich 1 Hartkapsel, die zu einer Hauptmahlzeit eingenommen werden sollen.
Was wirkt bei Reizmagen besser: Kurkuma oder Omeprazol?
Der sogenannte Reizmagen, medizinisch "funktionale Dyspepsie", ist eine sehr weit verbreitete Erkrankung. Zur Behandlung werden von Ärzten häufig Protonenpumpenhemmer (z.B Omeprazol, Pantoprazol) eingesetzt. Im Juni 2024 wurden die Ergebnisse einer randomisierten, doppelblinden, kontrollierten Studie publiziert, welche die Wirksamkeit von hochdosiertem Curcumin bei Reizmagen mit der von Omeprazol verglich und zu dem Ergebnis kam, dass beide Substanzen eine ähnlich Wirkung zeigten. Jedoch müssen noch weitere Studien folgen, um die Wirkung von Curcumin weiter zu erforschen.











