Stillen: Das Wichtigste im Überblick
Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund ums Stillen, z.B. nach Stilldauer und der besten Körperhaltung, nennen zentrale Dos und Don'ts, die Ihnen in der Praxis helfen, und geben einen Überblick über das Angebot an Stillhilfen, die Ihnen und Ihrem Baby das Stillen angenehmer machen können.


Das Wichtigste in Kürze
- Stillen ist die natürlichste und beste Form der Ernährung für Säuglinge und schützt vor Infektionen, Allergien und Übergewicht.
- Mütter profitieren durch schnelleres Zurückbilden der Gebärmutter, geringeres Krebsrisiko (z.B. Brustkrebs) und praktische Vorteile im Alltag.
- WHO empfiehlt: 6 Monate ausschließlich stillen, danach Beikost plus Weiterstillen – idealerweise bis etwa 2 Jahre oder länger, solange es zu Mutter und Kind passt.
- Stillen ist sinnvoll, aber keine Pflicht: Frauen sollten nicht um jeden Preis stillen müssen – die seelische Gesundheit der Mutter ist ebenso wichtig.
- Eine bequeme Stillposition, korrektes Anlegen und Stillen nach Bedarf (8–12 Mal in 24 Stunden zu Beginn) erleichtern die Stillzeit.
- Typische Stillprobleme (wunde Brustwarzen, Milchstau) lassen sich oft mit besserem Anlegen, Ruhe, Wärme/Kühlung und geeigneten Hilfsmitteln aus der Apotheke lindern.
- In der Stillzeit gelten die üblichen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung; Alkohol sollte möglichst gemieden werden, besonders wenn das Baby ausschließlich gestillt wird.
- Stillen in der Schwangerschaft ist bei gesunden Frauen meist unbedenklich; bei Risikoschwangerschaften sollte individuell mit Arzt oder Hebamme entschieden werden.
- Hilfsmittel wie Lanolin, Silberhütchen, Hydrogel-Pads, Milchpumpe, Stilleinlagen, Stilltees können den Alltag erleichtern.
- Abgepumpte Muttermilch lässt sich mit einer einfachen Faustregel merken: kurz bei Raumtemperatur, einige Tage im Kühlschrank und mehrere Monate im Gefrierfach aufbewahren.
Ist Stillen wirklich so viel besser? Vorteile des Stillens für das Kind
Muttermilch ist die beste Ernährung, die ein Baby in den ersten Lebensmonaten erhalten kann. Sie enthält alle wichtigen Nährstoffe in genau der richtigen Zusammensetzung und passt sich sogar im Verlauf der Stillzeit an die Bedürfnisse Ihres Kindes an. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen, weil dies ihre Entwicklung optimal unterstützt. Außerdem liefert Muttermilch Antikörper, die das Immunsystem stärken und Ihr Baby vor Infektionen schützen. Gestillte Kinder sind seltener krank und haben oft ein geringeres Risiko für Allergien oder Übergewicht. Neben der Ernährung stärkt das Stillen auch die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind – durch die Nähe, den Hautkontakt und das Gefühl von Geborgenheit.
Und was ist mit der Frau? Vorteile des Stillens für die Mutter
Auch für Mütter hat das Stillen viele Vorteile. Durch das Saugen des Babys wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das die Rückbildung der Gebärmutter unterstützt und Nachblutungen verringern kann. Außerdem hilft das Stillen vielen Frauen, ihr Gewicht nach der Schwangerschaft leichter zu regulieren, da dabei zusätzliche Kalorien verbraucht werden. Langfristig legen große Auswertungen nahe, dass stillende Mütter ein geringeres Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere Brustkrebs, haben. Fachgesellschaften wie der World Cancer Research Fund bewerten die Evidenz dafür als „wahrscheinlich schützend" und empfehlen Stillen auch aus diesem Grund, wenn es für Mutter und Kind möglich ist. Neben den gesundheitlichen Vorteilen bietet das Stillen auch praktische Erleichterungen im Alltag: Muttermilch ist jederzeit verfügbar, stets in der richtigen Temperatur und erfordert keine Vorbereitung oder Sterilisation. Das kann besonders nachts oder unterwegs eine große Entlastung sein. Viele Mütter empfinden das Stillen zudem als wertvolle Zeit der Ruhe und Nähe, die eine enge Bindung zu ihrem Baby fördert.
Stillzwang? Muss jede Mutter stillen?
Kurz gesagt: Nein!
Stillen ist sehr empfehlenswert – aber Mütter müssen nicht um jeden Preis stillen! Internationale Fachgremien betonen, dass Stillen zwar die beste Ernährung für Säuglinge ist, aber nicht alle Frauen voll stillen können oder möchten und jede Situation individuell betrachtet werden sollte. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass ein starker Druck zu stillen die seelische Gesundheit der Mutter belasten kann, etwa durch Schuldgefühle oder Versagensängste, wenn das Stillen nicht wie erhofft klappt. Manche Frauen haben starke Schmerzen, einen schwierigen Stillstart, bestimmte Erkrankungen oder nehmen Medikamente, die das Stillen erschweren oder ausschließen. Auch psychische Belastungen, Erschöpfung oder ein hoher Druck von außen können dazu führen, dass das Stillen mehr Stress als Unterstützung bedeutet.
Wichtig ist, dass Ihr Baby zuverlässig Nahrung, Nähe und Zuwendung bekommt – das geht auch mit Säuglingsnahrung oder abgepumpter Muttermilch aus der Flasche. Sie sind keine schlechtere Mutter, wenn Sie nicht oder nicht voll stillen können oder möchten. Entscheidend ist, dass Sie eine informierte Entscheidung treffen, mit der Sie sich wohlfühlen, und sich dabei von Fachpersonen wie Hebamme, Ärztin oder Ihrem Apotheker beraten lassen. Ein liebevoll umsorgtes Baby, das gut zunimmt und sich geborgen fühlt, ist immer wichtiger als die Frage, ob es gestillt oder mit der Flasche ernährt wird.
Wie lange sollte gestillt werden? Wie lange wird tatsächlich gestillt?
Kurz gesagt: Laut Nationaler Stillkommission sollten Säuglinge mindestens bis zum 5. Monat ausschließlich gestillt werden, darüber hinaus wird zusätzliches Stillen empfohlen. Der genaue Zeitraum wird der Mutter überlassen. Die WHO empfiehlt das Stillen bis zu 2 Jahren und darüber hinaus. Die durchschnittliche Stilldauer in Deutschland liegt bei etwa sieben bis acht Monaten liegt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF empfehlen, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und anschließend mit Beikost zu beginnen, während weiter gestillt wird – idealerweise bis zum Alter von mindestens zwei Jahren oder darüber hinaus. Diese Empfehlung wird damit begründet, dass Muttermilch auch im zweiten Lebensjahr eine wichtige Quelle für Energie, Eiweiß, Vitamine und Abwehrstoffe bleibt. Längeres Stillen kann das Risiko für Infektionen, Übergewicht und bestimmte chronische Erkrankungen beim Kind senken und bietet auch der Mutter gesundheitliche Vorteile, etwa ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In Deutschland formuliert die Nationale Stillkommission am Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel ihre Empfehlung etwas offener: Säuglinge sollten mindestens bis zum Beginn des fünften Monats ausschließlich gestillt werden, frühestens dann und spätestens mit Beginn des siebten Monats sollte Beikost eingeführt werden. Zur Gesamtdauer des Stillens gibt die Kommission bewusst keine feste Zeitvorgabe. Stattdessen betont sie: Die Stilldauer insgesamt bestimmen Mutter und Kind – der Zeitpunkt des Abstillens sei eine individuelle Entscheidung.
In der Praxis stillen viele Frauen kürzer als von der WHO empfohlen. Studien aus Deutschland zeigen, dass die durchschnittliche Stilldauer bei etwa sieben bis acht Monaten liegt. Nach sechs Monaten werden nur noch etwa 40 bis 50 Prozent der Kinder gestillt, und nach dem ersten Geburtstag ist Stillen die Ausnahme. Viele Mütter beenden das Stillen früher als ursprünglich geplant. Häufige Gründe dafür sind anhaltende Stillprobleme wie Schmerzen oder das Gefühl, zu wenig Milch zu haben, die Rückkehr in den Beruf, fehlende Unterstützung im Umfeld sowie Erschöpfung oder psychische Belastung.
Wann sollte man mit dem Stillen aufhören?
Es gibt keine medizinisch festgelegte Höchstdauer für das Stillen. Große Gesundheitsorganisationen betonen, dass es keine obere Altersgrenze gibt und kein wissenschaftlicher Beleg existiert, dass Stillen über das zweite oder dritte Lebensjahr hinaus psychologische oder gesundheitliche Schäden verursacht. Auch die Nationale Stillkommission in Deutschland gibt bewusst keine feste Obergrenze an, sondern überlässt den Zeitpunkt des Abstillens der individuellen Entscheidung von Mutter und Kind.
In Gesellschaften, in denen Kinder selbst bestimmen können, entwöhnen sie sich in der Regel zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr auf natürliche Weise. Allerdings weisen einzelne Experten darauf hin, dass der zusätzliche ernährungsphysiologische Nutzen nach dem zweiten Geburtstag begrenzt sein kann, da Kinder in diesem Alter alle notwendigen Nährstoffe auch über eine ausgewogene Ernährung erhalten können. Entscheidend ist: Sie sollten mit dem Stillen aufhören, wenn Sie oder Ihr Kind es möchten, wenn es Sie körperlich oder seelisch belastet, oder wenn medizinische Gründe dagegen sprechen – nicht, weil gesellschaftliche Erwartungen oder Druck von außen es verlangen.
Wie oft und wie lange sollte gestillt werden?
In den ersten Lebenswochen ist es völlig normal, dass Ihr Baby sehr häufig trinken möchte – etwa 8 bis 12 Mal in 24 Stunden, manchmal auch öfter. Der Magen eines Neugeborenen ist am ersten Tag nur kirschgroß und fasst nach einem Monat etwa 80 bis 150 ml, deshalb sind häufige Mahlzeiten nötig. Stillen Sie nach Bedarf, also immer dann, wenn Ihr Baby Hungerzeichen zeigt – starre Zeitpläne sind nicht sinnvoll. Die Dauer einer Stillmahlzeit ist sehr individuell: Manche Babys trinken effizient in 10 Minuten, andere brauchen 20 bis 40 Minuten und genießen dabei auch die Nähe zu Ihnen. Grundsätzlich sollte eine Stillmahlzeit an einer Brust mindestens 10 bis 15 Minuten dauern, damit Ihr Baby nicht nur die dünnere Anfangsmilch, sondern auch die sättigende Nachmilch erhält. Lassen Sie Ihr Baby an der ersten Brust so lange trinken, bis es von selbst loslässt, bevor Sie die zweite Brust anbieten – manche Babys brauchen nur eine Seite, andere beide.












