Gelbsucht bei Babys (Neugeborenen-Gelbsucht)
Die Gelbsucht bei Babys (Neugeborenen-Gelbsucht, Neugeborenen-Ikterus, Neonatale Hyperbilirubinämie) bezeichnet die gelbe Verfärbung der Haut und des Augenweißes, die dann entsteht, wenn ein Neugeborenes ein Überschuss an Bilirubin im Blut hat. Mehr als die Hälfte aller gesunden Neugeborenen entwickelt eine Gelbsucht. Meist ist sie harmlos und vorübergehend. Üblicherweise tritt sie zwischen dem 2. und 4. Lebenstag auf und geht innerhalb von 2 Wochen ohne Folgeschäden von selbst weg.


Das Wichtigste in Kürze
- Häufigkeit: Neugeborenengelbsucht ist sehr häufig und betrifft mehr als die Hälfte aller gesunden Babys.
- Ursache: Auslöser ist ein Überschuss an Bilirubin, den die noch unreife Leber des Kindes nicht schnell genug abbauen kann.
- Verlauf: Die Gelbfärbung tritt meist zwischen dem 2. und 4. Lebenstag auf und verschwindet in der Regel binnen zwei Wochen von selbst.
- Wann zum Arzt: Bei Fieber, Trinkschwäche, Apathie oder sehr starker Gelbfärbung ist sofortige ärztliche Abklärung nötig.
- Behandlung: In schwereren Fällen hilft eine Lichttherapie (Phototherapie), um das Bilirubin abzubauen.
Was ist Gelbsucht bei Babys?
Bilirubin ist ein gelber Farbstoff, der beim Abbau der roten Blutkörperchen entsteht. Gelbsucht kommt häufig bei Babys kurz nach der Geburt vor, da sie eine Überzahl an roten Blutkörperchen haben, die abgebaut werden.
Ihre Leber ist allerdings noch nicht vollständig ausgereift und kann eine große Menge an Bilirubin nicht sofort verstoffwechseln. In Folge lagert sich das Bilirubin vorübergehend ab und verursacht die typische gelbliche Verfärbung der Haut und des Augenweißes.
Es gibt vier verschiedene Formen der Gelbsucht bei Neugeborenen:
| Form | Beschreibung |
|---|---|
| Ikterus neonatorum | Die harmlose Neugeborenengelbsucht, welche ab dem 2. Tag nach der Geburt auftritt und innerhalb von 2 Wochen wieder abklingt. |
| Ikterus praecox | Gelbsucht, die bereits am ersten Tag nach der Geburt auftritt. |
| Ikterus prolongatus | Gelbsucht, die mehr als 2 Wochen andauert. |
| Ikterus gravis | Gelbsucht, die stark erhöhte Bilirubinwerte aufweist. |
Was sind mögliche Ursachen der Gelbsucht? Was löst Gelbsucht bei Babys aus?
Gelbsucht kann viele Ursachen haben, einige schwerwiegend und einige harmlos.
Häufige Gründe sind z. B.:
- Normale Entwicklung: Kurz nach der Geburt haben Babys ein Überschuss an roten Blutkörperchen. Diese werden nicht mehr gebraucht und zerfallen. Bei deren Abbau wird der rote Blutfarbstoff Hämoglobin in den gelben Farbstoff Bilirubin umgewandelt, der üblicherweise in der Leber abgebaut wird. Die Leber eins Babys ist allerdings noch nicht in der Lage, eine große Menge an Bilirubin sofort zu verstoffwechseln. Deswegen lagert es sich vorübergehend in der Haut und in den Augäpfeln ab.
- Frühgeburt: D. h. das Baby wurde vorzeitig (vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche) geboren. Die Leber ist dann noch unreifer und sie kann den gelben Farbstoff Bilirubin als Abbauprodukt der roten Blutkörperchen schlechter abbauen. Die Bilirubinwerte steigen dadurch schneller und höher an. 80 Prozent aller Frühgeborenen haben eine Neugeborenengelbsucht.
- Zu wenig Flüssigkeitszufuhr: Durch unzureichendes Stillen (Stillikterus) kann das Risiko für eine Gelbsucht erhöhen. Stillen (Spezialartikel: Stillen) wird grundsätzlich empfohlen, aber es ist dabei auf eine ausreichende Trinkmenge zu achten. Nicht genügend Flüssigkeit kann dazu führen, dass das Bilirubin schlechter ausgeschieden wird.
- Verletzung während der Geburt: Babys mit vielen blauen Flecken (Blutergüssen) müssen mehr rote Blutkörperchen abbauen. Dies führt in Folge zu einem erhöhten Bilirubinspiegel und einer Gelbfärbung der Haut.
Andere Gründe können sein:
- Infektionen und Blutvergiftung (Sepsis)
- Blutgruppenunverträglichkeit: D.h. wenn die Mutter Rhesus-negativ und das Baby Rhesus-positiv ist oder eine AB0-Unverträglichkeit besteht. Die Antikörper der Mutter können über der Plazenta ins Blut des Babys gelangen und eine vermehrte Zerstörung der roten Blutkörperchen verursachen. In Folge steigt der Bilirubinspiegel.
- Schilddrüsenunterfunktion
- Diabeteserkrankung der Mutter: Wenn die Mutter Diabetes hat, kann das Baby zu viel Blut von der Plazenta erhalten. In Folge kommt es zu einem übermäßigen Abbau von roten Blutkörperchen und mehr Bilirubin.
- Ein sogenannter Muttermilchikterus entsteht nach den ersten 5 bis 7 Lebenstagen und wird vermutlich durch die Zusammensetzung der Muttermilch verursacht.
Verlauf und Prognose
Wie lange dauert die Gelbsucht bei Babys?
Die Gelbsucht bei Babys entsteht üblicherweise zwischen dem 2. und 4. Tag nach der Geburt. In der Regel kehrt die gesunde Hautfarbe innerhalb von 2 Wochen von selbst wieder zurück.
Wann ist die Gelbsucht harmlos und wann gefährlich?
Eine leichte Gelbsucht ist bei Babys nicht gefährlich. Sie ist normal und üblicherweise kein Grund zur Sorge. Leichte Formen der Gelbsucht erfordern keine Therapie, solange sich das Baby unauffällig verhält.
Hohe Bilirubinwerte in Blut können gefährlich sein. Einige Ursachen der Gelbsucht sind – unabhängig vom Bilirubinwert – ebenfalls gefährlich. Der Grenzwert ab dem eine Gelbsucht gefährlich ist und Behandlung notwendig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B.:
- Alter des Babys in Stunden
- Grad der Frühgeburtlichkeit
- Gesundheitszustand
Im schlimmsten Fall kann eine Gelbsucht zu einer Nervenschädigung führen. Eine Hirnschädigung (Enzephalopathie) kann u. a. zu Lähmungen und Bewegungsstörungen führen. Der sogenannte Kernikterus (chronische Bilirubin-Enzephalopathie) ist die schwerste Form einer Hirnschädigung. Dabei lagert sich Bilirubin im Gehirn ab. Der Kernikterus tritt selten auf, z. B. bei:
- Deutlich erhöhten Bilirubinwerten
- Frühchen
- Blutvergiftung (Sepsis)
Symptome und mögliche Spätfolgen
Typische äußere Merkmale sind:
- Gelbe Verfärbung der Haut erst im Gesicht und später auch weiter unten auf dem Körper und des Augenweißes
- Nach leichtem Drücken auf Stirn oder Nase des Babys bleibt die Haut gelblich
- Bräunliche Verfärbung des Urins
- Helle Färbung des Stuhls
Bei einem schweren Verlauf können zusätzlich andere Symptome auftreten, wie z. B.:
- Trinkschwäche
- Schläfrigkeit
Üblicherweise entstehen bei Babys mit Gelbsucht keine Spätfolgen. Bei einer schweren Gelbsucht, die nicht ausreichend behandelt wird, kann ein sogenannter Kernikterus auftreten. Das überschüssige Bilirubin lagert sich dann im Gehirn (Bilirubin-Enzephalopathie) an und kann schwere Spätfolgen – wie z. B. Lähmungen und Bewegungsstörungen – verursachen. Ein Kernikterus ist selten. Die Wahrscheinlichkeit ist höher bei Frühchen.
Wie wird Gelbsucht festgestellt?
Die Diagnose Gelbsucht erfolgt während einer Untersuchung im Krankenhaus oder beim niedergelassenen Kinderarzt.
Die Haut und die Augen des Babys werden vom Arzt auf eine gelbe Färbung untersucht. Die Bilirubin-Konzentration im Blut (Bilirubinspiegel) des Babys wird gemessen mit einem Bluttest oder durch Anlegen eines Sensors auf der Haut des Babys.
Wenn ein bestimmter Grenzwert überschritten wird, dann werden auch einige andere Untersuchungen durchgeführt, wie z. B. Blut- und Urinuntersuchungen.
| Gruppe | Grenzwert |
|---|---|
| Frühchen | Werte > 10 mg/dl (> 171 Mikromol/l) |
| Reife Neugeborene | Werte > 18 mg/dl (> 308 Mikromol/l) |
| Alle Neugeborene (Anfangswert) | Werte > 25 mg/dl (> 428 Mikromol/l) |
Wann sollte man mit einem Baby mit Gelbsucht zum Arzt gehen?
Wichtige Warnzeichen
Wurde im Krankenhaus entbunden, werden die Babys üblicherweise vor der Entlassung auf Gelbsucht untersucht. Folgende Symptome können auf eine ernst zu nehmende Ausprägung von Neugeborenengelbsucht hindeuten und ein Arzt ist zu konsultieren:
- Gelbfärbung der Haut an Bauch, Armen, Beinen oder des Augenweißes
- Das Baby schläft viel und ist schwer zu wecken
- Das Baby wirkt kränklich, hat Fieber oder hat andere auffällige Anzeichen
- Das Baby trinkt schlecht und nimmt nicht an Gewicht zu
- Das Baby schreit stark und häufig
Nach einer Hausgeburt muss man mit dem Baby ins Krankenhaus gehen, wenn die Haut oder die Augen des Babys gelb aussehen und zusätzlich eins der folgenden Warnzeichen auftritt:
- Die Gelbfärbung trat schon am ersten Tag nach der Geburt auf oder schreitet sehr schnell voran
- Das Baby ist bereits 2 Wochen alt
- Das Baby trinkt schlecht, ist quengelig und atmet schwer
- Das Baby ist auffällig schläfrig oder wirkt apathisch
- Der Urin ist dunkel oder der Stuhl sehr hell
- Das Baby hat Fieber
Wenn das Baby lediglich eine gelbe Haut und gelbe Augen hat und keine andere Warnzeichen erkennbar sind, sollte man Rücksprache mit dem Kinderarzt halten.
Wie wird Gelbsucht behandelt?
Üblicherweise ist Gelbsucht bei Babys kein Grund zur Sorge und ist keine Behandlung erforderlich. Die Verfärbung verschwindet in der Regel nach 10 bis 14 Tagen.
Ist eine Behandlung notwendig, dann kommt die sogenannte Lichttherapie (Phototherapie) zum Einsatz. Dabei wird das Baby mit speziellen blauen UV-Licht bestrahlt. Dieses Licht hat eine bestimmte Wellenlänge, wodurch das Bilirubin im Blut in eine wasserlösliche Form umgewandelt wird, die vom Körper mit dem Urin ausgeschieden werden kann. Dadurch wird der Bilirubinwert langsam gesenkt. Das Baby liegt während der Therapie nackt, mit einer Windel an, unter einer speziellen Lampe oder auf einer Leuchtmatte. Um Verletzungen der Netzhaut vor zu beugen, trägt das Baby eine Schutzbrille. Da das Baby unter der Lampe oft schwitzt, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Therapie besonders wichtig.
In seltenen, schwerwiegenden Fällen ist eine Lichttherapie nicht ausreichend. Beim Baby wird dann ein Teil des Blutes mittels Blutaustausch durch Spendenblut (mit normalem Bilirubinspiegel) ersetzt.
Wie kann man am besten eine Gelbsucht bei Babys vorbeugen?
Eine angemessene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind besonders wichtig, um eine Gelbsucht bei Babys zu vermeiden.
Die Babys sollten in der ersten Woche nach der Geburt 8- bis 12-mal pro Tag (alle 2 bis 3 Stunden) gestillt oder mit Säuglingsnahrung gefüttert werden. Somit hat das Baby häufiger Stuhlgang womit mehr Bilirubin ausgeschieden wird.
Zusammenfassung
Die Gelbsucht bei Babys bezeichnet die gelbe Verfärbung der Haut und des Augenweißes, die dann entsteht, wenn ein Neugeborenes ein Überschuss an Bilirubin im Blut hat. Üblicherweise tritt sie zwischen dem 2. und 4. Lebenstag auf und geht innerhalb von 2 Wochen ohne Folgeschäden von selbst weg.
Kurz nach der Geburt haben Babys ein Überschuss an roten Blutkörperchen. Bei deren Abbau entsteht Bilirubin, das üblicherweise in der Leber abgebaut wird. Die Leber eins Babys ist allerdings noch nicht in der Lage, eine große Menge an Bilirubin sofort zu verstoffwechseln. Deswegen lagert es sich vorübergehend in der Haut und in den Augäpfeln ab. Eine Frühgeburt, zu wenig Flüssigkeitszufuhr oder eine Blutgruppenunverträglichkeit sind andere mögliche Ursachen für Gelbsucht bei einem Baby. Die Diagnose Gelbsucht erfolgt während einer Untersuchung im Krankenhaus oder beim niedergelassenen Kinderarzt. Eine Lichttherapie oder ein Blutaustausch werden zur Behandlung der Gelbsucht eingesetzt.










