Leukämie: Symptome, erste Anzeichen und Krankheitsverlauf




Eine Leukämie-Diagnose verändert das Leben von einem Moment auf den anderen. Leukämie ist eine Form von Blutkrebs, bei der sich unreife weiße Blutzellen unkontrolliert vermehren. Diese krankhaften Zellen verdrängen die gesunden Blutbestandteile und beeinträchtigen lebenswichtige Funktionen wie Sauerstofftransport, Immunabwehr und Blutgerinnung. Die Krankheit kann plötzlich auftreten (akut) oder sich über Jahre entwickeln (chronisch) und betrifft Menschen jeden Alters, auch Kinder.
Dank moderner Behandlungsansätze wie Chemotherapie, zielgerichteten Medikamenten, Immuntherapien und Stammzelltransplantationen haben sich die Heilungschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dennoch bleibt die Erkrankung für viele Betroffene eine große körperliche und seelische Herausforderung. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Formen, Symptome, Diagnoseverfahren und Therapien.
Unsere Informationen können einen ersten Überblick über die Erkrankung verschaffen, aber keineswegs die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin ersetzen. Vereinbaren Sie bei Unsicherheiten oder einem Verdacht bitte immer einen Termin in Ihrer Arztpraxis.
Leukämie ist eine Form von Blutkrebs, bei der sich im Knochenmark krankhaft veränderte Vorläuferzellen, sogenannte Blasten, unkontrolliert vermehren. Normalerweise reifen diese Zellen zu funktionstüchtigen Blutzellen heran. Bei Leukämie bleibt dieser Reifungsprozess jedoch stehen: Die Blasten teilen sich rasch, ohne ihre eigentliche Funktion zu erfüllen, und verdrängen als Leukämiezellen die gesunden Blutzellen.
Dadurch entstehen ein Mangel an roten Blutkörperchen (Sauerstofftransport), weißen Blutkörperchen (Immunabwehr) und Blutplättchen (Blutgerinnung). Die Folge sind Symptome wie Blutarmut, Infektanfälligkeit und Blutungsneigung. Leukämiezellen können über das Blut auch Organe wie Leber, Milz oder sehr selten sogar das zentrale Nervensystem befallen.
Man unterscheidet akute und chronische sowie lymphatische und myeloische Formen, je nach Verlauf und betroffenen Zelltypen.
Blutkrebs ist ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems, die vor allem das Knochenmark, aber auch das Blut und das Lymphsystem betreffen. Dabei kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung krankhafter Blutzellen, meist weißer Blutkörperchen, die ihre normale Funktion verlieren. Diese Zellen verdrängen die gesunden Blutbestandteile: rote Blutkörperchen (Sauerstofftransport), weiße Blutkörperchen (Immunabwehr) und Blutplättchen (Blutgerinnung). Die Folge sind Blutarmut, Infektanfälligkeit und Blutungsneigung.
Zu den Hauptformen zählen:
Sie unterscheiden sich in Verlauf, Symptomen und Therapie.
In Deutschland erkranken laut Angabe des Robert Koch-Instituts pro Jahr etwa 13.500 Menschen an einer Leukämie. Rund vier Prozent der Fälle betreffen Kinder unter 15 Jahren. Bei Kindern sinkt das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter, bei Erwachsenen steigt es dagegen an. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 72 Jahren.
ℹ Mit knapp 40 Prozent ist die chronische lymphatische Leukämie (CLL) die häufigste Form.
Die Prognose und der Krankheitsverlauf hängen stark von der Leukämieform, dem Alter bei Diagnose und den genetischen Merkmalen der Erkrankung ab.
Kinder mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) haben heute sehr gute Heilungschancen, oft über 90 Prozent. Bei Erwachsenen ist die Prognose, vor allem bei akuten Leukämien, insbesondere der akuten myeloischen Leukämie (AML) eher schlecht.
ℹ Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt insgesamt bei etwa 56–60 %, die 10-Jahres-Überlebensrate bei rund 50 %.
Bei chronischen Leukämien ist eine vollständige Heilung selten möglich. In bestimmten Fällen kann eine Stammzelltransplantation eine Chance auf Heilung bieten. Sie ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden und kommt nur für ausgewählte Patienten infrage.
Leukämien werden nach dem Krankheitsverlauf in akute (schnell fortschreitend) und chronische (langsam verlaufende) Formen eingeteilt. Zusätzlich unterscheidet man sie nach dem Ursprung der entarteten Zellen:
myeloisch (aus Vorläuferzellen der Granulozyten, Monozyten, Erythrozyten und Thrombozyten) und
lymphatisch (aus Vorläuferzellen der B- oder T-Lymphozyten).
Die vier Hauptformen sind:
Akute myeloische Leukämie (AML)
Chronische myeloische Leukämie (CML)
Akute lymphoblastische Leukämie (ALL)
Chronische lymphatische Leukämie (CLL)
Darüber hinaus gibt es seltenere Sonderformen mit spezifischen Merkmalen und Therapien.
Im menschlichen Blut gibt es drei Hauptarten von Blutzellen, die jeweils wichtige Aufgaben erfüllen.
Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind für den Transport von Sauerstoff zuständig. Sie nehmen den Sauerstoff in der Lunge auf und bringen ihn zu den Organen und Geweben. Gleichzeitig transportieren sie Kohlendioxid zurück zur Lunge, wo es ausgeatmet wird.
Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind Teil des Immunsystems und helfen dabei, Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze zu erkennen und zu bekämpfen. Es gibt verschiedene Arten von weißen Blutkörperchen, darunter Lymphozyten, Granulozyten und Monozyten, die jeweils unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Die Blutplättchen (Thrombozyten) sind für die Blutgerinnung verantwortlich. Sie sorgen dafür, dass bei einer Verletzung das Blut gerinnt und sich ein Wundverschluss bildet.
Alle diese Blutzellen entstehen im Knochenmark aus sogenannten Stammzellen.
Warum Leukämie entsteht, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch Faktoren, die das Risiko erhöhen können:
Ionisierende Strahlung
Ionisierende Strahlung, dazu gehört etwa Röntgen- oder radioaktive Strahlung, kann das Risiko für Leukämie erhöhen. Sie kann genetische Veränderungen in den Zellen verursachen, die für die Blutbildung zuständig sind. Je höher die Strahlendosis, desto größer ist das Erkrankungsrisiko. Medizinische Röntgenuntersuchungen gelten bei sachgemäßer Anwendung als sicher. Unnötige oder doppelte Untersuchungen sollten dennoch vermieden werden.
Chemische Stoffe und Medikamente
Auch bestimmte chemische Stoffe können das Risiko für eine Leukämie erhöhen. Dazu zählen unter anderem Biozide, die in der Landwirtschaft oder Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Ebenso gelten Benzol und andere organische Lösungsmittel sowie Benz(a)pyren, ein Stoff, der etwa in Tabakrauch oder Abgasen vorkommt, als potenziell krebserregend. Diese Substanzen können das Erbgut von Zellen schädigen.
Auch manche Arzneimittel wie bestimmte Krebsmedikamente (Zytostatika) oder Immunsuppressiva werden mit Leukämiefällen in Zusammenhang gebracht.
Genetische Veranlagung
Eine erbliche Veranlagung für Leukämie ist selten, kann aber vorkommen – etwa beim Down-Syndrom. Auch wenn in einer Familie häufiger Krebserkrankungen auftreten, kann das Risiko leicht erhöht sein. Die meisten genetischen Veränderungen bei Leukämie sind nicht vererbt, sondern wurden im Laufe des Lebens erworben.
Viren
In sehr seltenen Fällen spielt ein Virus eine Rolle: Das Humane T-Zell-Leukämie-Virus (HTLV-I) ist mit einer speziellen Leukämieform in Japan verbunden. Für andere Leukämiearten konnten bisher keine Viren als Ursache nachgewiesen werden.
Warnzeichen für chronische myeloische Leukämie
Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist eine langsam fortschreitende Form von Blutkrebs. In der frühen Phase zeigen viele Betroffene keine oder nur leichte Beschwerden wie:
Häufig wird die Erkrankung zufällig entdeckt. Im Verlauf kann die CML in fortgeschrittene Phasen übergehen, bis hin zur Blastenkrise, die lebensbedrohlich sein kann.
Alter
Mit zunehmendem Alter treten häufiger genetische Veränderungen in Blutzellen auf, die Leukämien begünstigen können.
❗ Wichtig: Selbst bei Vorliegen von Risikofaktoren bedeutet das nicht, dass man erkrankt. Bei den meisten Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen. Faktoren wie Ernährung, Stress oder psychische Belastung haben nach aktuellem Stand keinen nachweisbaren Einfluss.

Die Symptome einer Leukämie sind oft unspezifisch und können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden.
Häufig treten anfangs keine oder nur schwache Beschwerden auf, wie zum Beispiel:
Diese Beschwerden entstehen, weil bestimmte Blutzellen ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können und von den Leukämiezellen verdrängt werden.
Sind im Laufe der Erkrankung nicht mehr ausreichend Blutzellen vorhanden, kann das zu verschiedenen Beschwerden führen.
Fehlen rote Blutkörperchen, fehlt es dem Körper an Sauerstoff und es entsteht eine Anämie. Dies kann sich durch Müdigkeit, Schwäche, Blässe, Unwohlsein, Kurzatmigkeit, Herzrasen und belastungsabhängige Brustschmerzen äußern.
Ein Mangel an Blutplättchen führt zu einer Thrombozytopenie. Dies kann Schleimhautblutungen, leichte Blutergüsse, Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder auch starke Menstruationsblutungen verursachen.
Fehlen weiße Blutkörperchen, kann das Infektionsrisiko erhöht sein, da die Immunabwehr nicht mehr richtig funktioniert.
Aber nicht nur das Fehlen von Blutzellen kann zu Beschwerden führen. Das Blut und das Knochenmark von Leukämie-Betroffenen enthält zu viele kranke Blutzellen (Leukämiezellen). Diese können vor allem bei akuten Formen oder in fortgeschrittenen Stadien Organe schädigen, es kann zur Vergrößerung von Leber, Milz und Lymphknoten und Beschwerden wie Gelenk- oder Knochenschmerzen kommen.
Akute Leukämien können sich innerhalb weniger Tage verschlechtern. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, insbesondere, wenn mehrere dieser Beschwerden auftreten:
Da die Symptome oft unspezifisch sind, reicht eine körperliche Untersuchung allein nicht aus. Zunächst werden Lymphknoten, Milz und Leber abgetastet und ein Blutbild erstellt. Auffällige Werte, wie eine veränderte Anzahl oder Zusammensetzung der Blutzellen, können Hinweise auf eine Leukämie geben.
Eine sichere Diagnose erfolgt jedoch durch den Nachweis von Leukämiezellen im Knochenmark. Zusätzlich werden Immunphänotypisierung und genetische Analysen durchgeführt, um die genaue Leukämieform zu bestimmen und die Therapie zu planen.
Die Behandlung einer akuten und einer chronischen Leukämie unterschiedet sich grundlegend. Sie sollte nach Möglichkeit in einem Zentrum stattfinden, das über viel Erfahrung mit dieser Erkrankung verfügt. Die Behandlung hängt stark von der Leukämieform ab. Während bei akuten Leukämien meist eine intensive Chemotherapie notwendig ist, kommen bei chronischen Formen zunehmend zielgerichtete Medikamente zum Einsatz.
Die Therapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) muss rasch beginnen, denn die Leukämiezellen breiten sich schnell im Körper aus und es kann zu bedrohlichen Beschwerden kommen. Ziel der Behandlung ist die Heilung.
Die Therapie der ALL ist komplex und erfolgt in mehreren Phasen. Ziel ist es, alle Leukämiezellen zu beseitigen und die normale Blutbildung wiederherzustellen. Die Behandlung beginnt möglichst schnell nach der Diagnose.
Die Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) erfolgt heute in der Regel mit Tyrosinkinasehemmern. Diese Medikamente gelten als Standard, weil sie gezielt das krankhafte Eiweiß hemmen, das durch eine genetische Veränderung in den Blutzellen entsteht und die unkontrollierte Zellteilung auslöst. Tyrosinkinasehemmer blockieren diesen Prozess direkt und ermöglichen eine wirksame Kontrolle der Erkrankung.
Die Medikamente werden als Tabletten eingenommen und sind meist im Vergleich zu früheren Therapien wie Chemotherapie gut verträglich. Sie haben die Prognose der CML-Patienten deutlich verbessert. Viele Betroffene erreichen eine fast normale Lebenserwartung. Zu den verfügbaren Wirkstoffen zählen Imatinib, Dasatinib, Nilotinib, Bosutinib und Ponatinib. Die Auswahl richtet sich nach individuellen Faktoren wie Verträglichkeit, Begleiterkrankungen und genetischen Merkmalen.
Wenn ein TKI nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird, kann auf ein anderes Präparat gewechselt werden. In seltenen Fällen, etwa bei Therapieversagen oder aggressivem Verlauf, kommt eine Stammzelltransplantation infrage.
Das langfristige Therapieziel ist die sogenannte therapiefreie Remission: Einige Patienten können das Medikament nach Jahren erfolgreicher Behandlung absetzen – unter enger ärztlicher Kontrolle.
Wenn eine Behandlung notwendig wird, kommen auch hier in der Regel sogenannte zielgerichtete Medikamente zum Einsatz. Diese greifen gezielt in die Signalwege der Krebszellen ein und hemmen deren Wachstum, ohne das gesunde Gewebe stark zu schädigen. Die S3-Leitlinie empfiehlt für die Erstlinientherapie und auch bei Rückfällen bevorzugt chemotherapiefreie Therapien, da diese in Studien überlegen sind.
Zu den wichtigsten Wirkstoffen gehören BTK (Bruton-TyrosinKinase)-Hemmer wie Ibrutinib, Acalabrutinib oder Zanubrutinib sowie BCL2-Hemmer wie Venetoclax.
Diese Medikamente werden meist als Tabletten eingenommen und manchmal mit Antikörpern wie Obinutuzumab kombiniert. Die Wahl des Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel vom Alter, Begleiterkrankungen, insbesondere Nierenfunktion und genetischen Merkmalen der Erkrankung, die vor Therapiebeginn bestimmt werden sollten.
Eine Chemoimmuntherapie wird heute laut Leitlinie nur noch in Ausnahmefällen empfohlen. Bei Therapieversagen oder besonderen genetischen Konstellationen kann eine Stammzelltransplantation erwogen werden. Dies ist heute eher eine Ausnahme und wird nur bei wenigen, meist jüngeren Patienten mit Hochrisiko-CLL in Betracht gezogen.
Ziel der modernen Therapie ist eine langfristige Kontrolle der Erkrankung bei möglichst guter Lebensqualität. Viele Patientinnen und Patienten können mit den neuen Medikamenten ein weitgehend normales Leben führen.
Lesen Sie mehr zum Endstadium von Leukämie in unserem Artikel Wie stirbt man an Leukämie.

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Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Birgit Hartel.
Birgit Hartel ist Apothekerin und als Pharmazeutin bei DocMorris tätig. Sie ist besonders interessiert an den Themenbereichen Diabetes und Onkologie. Ihr Herzensanliegen ist es, komplexe Therapien verständlich zu machen und Menschen in belastenden Situationen mit verlässlichen Informationen zur Seite zu stehen.
Stand: 04.11.2025

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https://www.krebsinformationsdienst.de/leukaemie
https://www.dkms.de/informieren/ueber-blutkrebs
https://www.krebsinformationsdienst.de/chronische-lymphatische-leukaemie
https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/leukaemien-blutkrebs/was-ist-eine-leukaemie
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leukaemien/leukaemien_node.html
https://link.springer.com/article/10.1007/s00761-017-0249-z
https://www.msdmanuals.com/de/profi/h%C3%A4matologie-und-onkologie/leuk%C3%A4mien
https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/krebs/akute-leukaemie-735491.html
https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Leukaemie_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf
https://www.akdae.de/fileadmin/user_upload/akdae/Arzneimitteltherapie/AVP/Artikel/2025-01/031.pdf