Zielgerichtete Therapien: Moderne Ansätze der Krebsbehandlung




Die Krebsbehandlung hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Neben klassischen Methoden wie Chemotherapie und Bestrahlung stehen heute moderne Ansätze zur Verfügung – allen voran die zielgerichtete Therapie.
Diese Medikamente wirken nicht einfach gegen alle schnell wachsenden Zellen, sondern greifen gezielt bestimmte Eigenschaften von Tumorzellen an wie etwa spezielle Eiweiße oder genetische Veränderungen, die nur in Krebszellen vorkommen. Sie wirken dort wie ein Schlüssel, der genau ins Schloss passt. Damit diese Therapie funktioniert, müssen die Tumorzellen jedoch die passenden Merkmale, sogenannte Biomarker, aufweisen. Deshalb ist diese Behandlungsform nicht für alle Krebspatienten geeignet, sondern kommt nur dann infrage, wenn der Tumor die passenden „Angriffsstellen“ bietet.
Unsere Informationen können einen ersten Überblick über die Erkrankung verschaffen, aber keineswegs die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin ersetzen. Vereinbaren Sie bei Unsicherheiten oder einem Verdacht bitte immer einen Termin in Ihrer Arztpraxis.
Zielgerichtete Therapien, auch als „Targeted Therapies“ bezeichnet, sind moderne Medikamente, die gezielt biologische Eigenschaften von Tumorzellen angreifen und so das Tumorwachstum hemmen. Anders als die klassische Chemotherapie, die alle schnell wachsenden Zellen im Körper trifft, wirken diese Therapien spezifisch auf molekulare Veränderungen in Krebszellen und schonen gesundes Gewebe weitgehend. Dennoch können auch sie Nebenwirkungen verursachen.
Ein Meilenstein war die Zulassung von Imatinib (Glivec) im Jahr 2001 – dem ersten sogenannten „Small Molecule“ zur Behandlung von Leukämie.
Seither wurden zahlreiche zielgerichtete Medikamente für verschiedene Krebsarten entwickelt. Sie gelten als Teil der personalisierten Medizin, da sie nur wirken, wenn der Tumor bestimmte molekulare Zielstrukturen oder Biomarker exprimiert.
Zielgerichtete Therapien sind ein zentraler Bestandteil der modernen Krebsbehandlung. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn Tumorzellen bestimmte biologische Merkmale aufweisen:
Beispiele biologischer Merkmale:
Diese Merkmale werden mithilfe molekularer Diagnostik identifiziert. Die Wirksamkeit dieser Therapien beruht darauf, dass sie Strukturen angreifen, die für das Wachstum und Überleben der Krebszellen entscheidend sind.
Typische Nebenwirkungen: Hautreaktionen, Blutdruckanstieg oder Leberfunktionsstörungen.
Einsatzbereiche: Brustkrebs (z. B. HER2-positiv), Lungenkrebs (z. B. EGFR-Mutationen), Darmkrebs, Nierenkrebs, Hautkrebs (z. B. BRAF-Mutationen), Leukämien
Oft kommen sie in fortgeschrittenen Krankheitsstadien zum Einsatz, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Sie können als Monotherapie oder in Kombination mit Chemotherapie, Immuntherapie oder Strahlentherapie verabreicht werden.
Anwendung: Tablette, Infusion oder subkutane Injektion.
Ob eine zielgerichtete Therapie infrage kommt, hängt ab von:
Zielgerichtete Therapien greifen in biologische Prozesse von Krebszellen ein, um deren Wachstum, Teilung und Überleben zu stören.
Blockade von Wachstumssignalen: z. B. Trastuzumab (Herceptin) blockiert den HER2-Rezeptor. Lapatinib (Tyverb) blockiert die HER2-Tyrosinkinase intrazellulär. Kombinationen wie die duale HER2-Blockade sind möglich.
Verhinderung der Blutversorgung (Angiogenese): Angiogenesehemmer wie Bevacizumab blockieren Wachstumsfaktoren und hungern den Tumor aus.
Auslösung des programmierten Zelltods (Apoptose): Venetoclax hemmt BCL-2 und leitet Zelltod bei bestimmten Leukämien ein.
Aktivierung des Immunsystems gegen Krebszellen: Wirkstoffe wie Rituximab binden an CD20 – markierte Krebszellen werden vom Immunsystem zerstört.
Störung der DNA-Reparatur: Olaparib hemmt PARP, besonders wirksam bei BRCA-mutierten Brust- oder Eierstockkrebszellen.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: z. B. Trastuzumab-Emtansin kombiniert Trastuzumab mit einem Zellgift – gezielter Transport in die Krebszelle.
Zielgerichtete Therapien greifen in biologische Prozesse von Krebszellen ein, um deren Wachstum, Teilung und Überleben zu stören.
Blockade von Wachstumssignalen: z. B. Trastuzumab (Herceptin) blockiert den HER2-Rezeptor. Lapatinib (Tyverb) blockiert die HER2-Tyrosinkinase intrazellulär. Kombinationen wie die duale HER2-Blockade sind möglich.
Verhinderung der Blutversorgung (Angiogenese): Angiogenesehemmer wie Bevacizumab blockieren Wachstumsfaktoren und hungern den Tumor aus.
Auslösung des programmierten Zelltods (Apoptose): Venetoclax hemmt BCL-2 und leitet Zelltod bei bestimmten Leukämien ein.
Aktivierung des Immunsystems gegen Krebszellen: Wirkstoffe wie Rituximab binden an CD20 – markierte Krebszellen werden vom Immunsystem zerstört.
Störung der DNA-Reparatur: Olaparib hemmt PARP, besonders wirksam bei BRCA-mutierten Brust- oder Eierstockkrebszellen.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate: z. B. Trastuzumab-Emtansin kombiniert Trastuzumab mit einem Zellgift – gezielter Transport in die Krebszelle.
Im Prinzip lassen sich alle zielgerichteten Medikamente in zwei große Gruppen einteilen:
Monoklonale Antikörper
Große Moleküle, die außerhalb der Zelle wirken, meist an Zelloberflächenstrukturen wie Rezeptoren.
Beispiele: Trastuzumab (HER2), Cetuximab (EGFR), Bevacizumab (VEGF)
Small Molecules
Kleine chemische Substanzen, die in die Zelle eindringen und dort Signalwege, Enzyme oder Reparaturmechanismen beeinflussen.
Beispiele: Imatinib (BCR-ABL), Olaparib, Bortezomib
Die Antikörpertherapie ist eine bedeutende Säule in der modernen Krebstherapie. Antikörper sind große Proteine, die vom Immunsystem gebildet werden, um veränderte Zellen oder Krankheitserreger gezielt zu erkennen und zu bekämpfen. Jeder Antikörper ist auf ein bestimmtes Ziel – ein sogenanntes Antigen – spezialisiert. Nach Bindung an das Antigen kann er den Erreger neutralisieren, markieren oder eine Immunreaktion auslösen.
In der Krebstherapie verwendet man künstlich hergestellte monoklonale Antikörper. Sie sind identisch aufgebaut und erkennen spezifische Tumorantigene auf der Oberfläche von Krebszellen. So können sie das Wachstum hemmen, das Immunsystem aktivieren oder Wirkstoffe gezielt transportieren.
Der Einsatz monoklonaler Antikörper erfolgt entweder als zielgerichtete Therapie, bei der sie das Wachstum der Krebszellen direkt hemmen, oder als Immuntherapie, bei der sie das körpereigene Immunsystem aktivieren, um die Tumorzellen zu bekämpfen.
Vor einer Antikörpertherapie wird geprüft, ob die Krebszellen bestimmte Zielstrukturen (z. B. HER2, PD-L1 etc.) tragen. Diese sogenannten Biomarker werden durch molekulare Tests nachgewiesen und entscheiden darüber, ob und welcher Antikörper sinnvoll eingesetzt werden kann.
Verabreichung: meist als Infusion, manchmal auch Injektion; oft in Kombination mit anderen Therapien.

Mit unserem einfachen Online-Wechselwirkungscheck können Sie prüfen, ob sich Ihre Krebsmedikamente mit weiteren Medikamenten oder Produkten vertragen. Sollten Sie z.B. weitere Medikamente wegen anderer Erkrankungen, gegen Nebenwirkungen o.Ä. nehmen, lohnt es sich, dies einmal zu überprüfen.
Wir bieten Ihnen außerdem kostenfrei eine Medikationsberatung bei oraler Tumortherapie an. Gemeinsam mit unseren Apothekerinnen und Apothekern gehen Sie Ihre Medikamente durch und werden u.A. zu Wechselwirkungen, Verträglichkeit oder Anwendungshinweisen beraten und können ggf. auftretende Herausforderungen bei der Therapie gemeinsam besprechen.
Bispezifische Antikörper sind neuartige Antikörper mit zwei „Armen“. Sie funktionieren wie eine Brücke zwischen zwei Zellen: Einerseits erkennen sie die Krebszelle, andererseits aktivieren sie eine Immunzelle (meist eine T-Zelle), die die Krebszelle dann gezielt angreift und zerstört. Ein bekanntes Beispiel ist Blinatumomab. Es wird bei einer bestimmten Form von Blutkrebs (akute lymphatische Leukämie) eingesetzt, meist dann, wenn andere Behandlungen nicht mehr wirken oder die Krankheit zurückgekehrt ist
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (AWKs) sind Medikamente, die einen Antikörper mit einem Zellgift verbinden. Der Antikörper erkennt gezielt Krebszellen und bringt das Gift direkt dorthin, wie ein „Taxi“, das seine Ladung nur an der richtigen Stelle abliefert. So wird die gesunde Umgebung möglichst geschont und die Krebszellen gezielt zerstört. Ein Beispiel ist Trastuzumab-Emtansin, das bei HER2-positivem Brustkrebs eingesetzt wird.
Viele Antikörper liegen inzwischen auch als sogenannte Biosimilars vor, das sind Nachahmerprodukte mit vergleichbarer Wirkung wie das Original. Sie helfen, Therapiekosten zu senken und die Versorgung zu sichern, ohne wesentlichen Einfluss auf die Qualität zu haben.
Lesen Sie hier mehr zu Antikörpertherapien bei Krebs.
Small Molecules (niedermolekulare Wirkstoffe) sind eine wichtige Klasse von Medikamenten in der modernen Onkologie. Sie zeichnen sich durch ihre geringe Molekülgröße aus, wodurch sie leicht in Zellen eindringen und dort wichtige Funktionen stören können. Im Gegensatz zu großen Molekülen wie Antikörpern, die an der Zelloberfläche angreifen, wirken Small Molecules direkt in der Zelle.
Je nachdem, an welcher Zielstruktur sie angreifen, werden sie in Untergruppen unterteilt. Einige der wichtigsten sind:
Zielgerichtete Medikamente greifen gezielt Krebszellen an. Trotzdem können sie auch gesunde Zellen beeinflussen und Nebenwirkungen verursachen. Welche Beschwerden auftreten, hängt vom jeweiligen Medikament ab und ist bei jedem Menschen unterschiedlich.
Häufig betroffene Bereiche sind:
Nebenwirkungen sind meist gut behandelbar, wenn sie früh erkannt werden. Regelmäßige Kontrollen und eine enge Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam sind wichtig.
Bei vielen Wirkstoffnamen tauchen immer wieder gleiche Endungen auf. Das hat System. In der zielgerichteten Krebstherapie lassen sich viele Wirkstoffe anhand ihrer Namensendungen bestimmten Wirkstoffklassen zuordnen. Diese Endungen folgen dem internationalen Namensschema (INN) der WHO und geben Hinweise auf die Wirkweise des Medikaments.
Folgende Endungen sind häufig zu finden:
Da es mittlerweile aber über 800 Wirkstoffe mit der Endung -mab gibt, hat die WHO beschlossen, -mab künftig nicht mehr für neue Wirkstoffe zu vergeben. Stattdessen werden jetzt neue Endungen eingesetzt:
Bereits vergebene Wirkstoffnamen bleiben unverändert.

Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Birgit Hartel.
Birgit Hartel ist Apothekerin und als Pharmazeutin bei DocMorris tätig. Sie ist besonders interessiert an den Themenbereichen Diabetes und Onkologie. Ihr Herzensanliegen ist es, komplexe Therapien verständlich zu machen und Menschen in belastenden Situationen mit verlässlichen Informationen zur Seite zu stehen.
Stand: 17.11.2025

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https://www.krebsinformationsdienst.de/zielgerichtete-krebstherapie
https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/therapien/medikamente-gegen-krebs/zielgerichtete-therapie
https://www.vfa.de/de/forschung-entwicklung/pharmaforschung/bispezifische-antikoerper
https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Sorafenib_49104#
https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/parp-inhibitoren
https://www.basg.gv.at/konsumentinnen/wissenswertes-ueber-arzneimittel/arzneimittel/biosimilars