Gebärmutterhals- krebs (Zervixkarzinom)




Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entsteht im unteren Bereich der Gebärmutter, im Bereich des äußeren Muttermunds. Die Ursache ist in den meisten Fällen eine Infektion durch bestimmte Viren, den sogenannten HP-Viren, die beim Sex übertragen werden können. Eine HPV-Impfung kann das Risiko einer Ansteckung und damit auch das Risiko für Gebärmutterhalskrebs verringern.
Unsere Informationen können einen ersten Überblick über die Erkrankung verschaffen, aber keineswegs die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin ersetzen. Vereinbaren Sie bei Unsicherheiten oder einem Verdacht bitte immer einen Termin in Ihrer Arztpraxis.
Gebärmutterhalskrebs, medizinisch als Zervixkarzinom bezeichnet, ist eine Krebsart, die den unteren Bereich der Gebärmutter betrifft, genauer gesagt den äußeren Muttermund, dort, wo sich die Gebärmutter zu einem Kanal verengt. Diesen Bereich bezeichnet man auch als „Zervix“.
Diese Krebsart kann tückisch sein, da sie im Frühstadium oft keine eindeutigen Symptome zeigt, weshalb sie häufig erst in einem fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert wird. Dennoch kann durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, wie sie allgemein empfohlen werden, eine frühzeitige Erkennung gefördert werden. Solche Untersuchungen ermöglichen es, Vorstufen des Krebses schneller zu identifizieren und zu behandeln.
Gebärmutterhalskrebs entwickelt sich häufig aufgrund einer Infektion mit bestimmten Stämmen des Humanen Papillomavirus (HPV), das in den meisten Fällen sexuell übertragen wird. Die Einführung der HPV-Impfung hat sich als sehr wirksam in der Prävention dieses Krebses erwiesen. Sie wird von der STIKO (Ständige Impfkommission) am Robert-Koch-Institut empfohlen und von den Krankenkassen bezahlt.
Zahlen, Daten, Fakten
Jedes Jahr erkranken laut Statistiken des Robert-Koch-Instituts etwa 4400 Frauen an Gebärmutterhalskrebs und etwa 1400 sterben daran. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 53 Jahren und damit eher früh im Vergleich zu vielen anderen Krebserkrankungen. Das häufigere in situ-Karzinom, eine Vorstufe des eigentlichen Krebses wird meistens im Rahmen der Früherkennung bei Frauen im Alter von 35 bis 40 Jahren entdeckt. Bevor es ein Angebot zur Früherkennung gab, war Gebärmutterhalskrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Jetzt ist es wesentlich seltener und liegt auf Platz zwölf.
💡 Gut zu wissen: Gebärmutterhalskrebs, das Zervixkarzinom, und Gebärmutterkörperkrebs, das Endometriumkarzinom, bei dem die Schleimhaut im oberen Teil der Gebärmutter betroffen ist, sind zwei komplett verschiedene Krebsarten. Sie unterscheiden sich im Krankheitsverlauf, den Ursachen und werden auch unterschiedlich behandelt.
Gebärmutterhalskrebs entsteht am Übergangsbereich von Scheide und Gebärmutter, dort wo zwei verschiedene Schleimhauttypen aufeinandertreffen. In beiden können sich Tumorzellen bilden und zwei verschiedene Krebstypen entstehen.
Plattenepithelkarzinom
Adenokarzinom
In seltenen Fällen finden sich auch Mischformen dieser beiden Typen des Gebärmutterhalskrebs oder ein sehr seltener neuroendokriner Tumor.
Ein neuroendokriner Tumor (NET) ist eine seltene Art von Tumor, der sowohl Eigenschaften von Nervenzellen als auch von hormonproduzierenden (endokrinen) Zellen aufweist. Diese Zellen können Hormone ausschütten und Signale weiterleiten – daher der Name "neuroendokrin".
Die Ursache, warum es zu Zellveränderungen an der Schleimhaut kommt und ein Tumor entstehen kann, ist in fast allen Fällen ein Infektion mit dem HP-Virus. Allerdings ist eine derartige Infektion meistens harmlos, da sich das Immunsystem dagegen wehren kann. In diesen Fällen heilt sie folgenlos ab. Schafft es das Immunsystem nicht, kann es zur Ausbildung von Krebsvorstufen kommen.
Es gibt einige Faktoren, die dieses Risiko erhöhen. Dazu gehören:

HPV-Infektionen kommen sehr häufig vor. In der Regel steckt sich jeder sexuell aktive Mensch mehrmals im Leben damit an, die meisten Menschen bemerken eine Infektion allerdings nicht. Also: Nicht alle HPV-Infektionen führen zu Krebs. Tatsächlich erkranken nach Aussage der Deutschen Krebsgesellschaft nur etwa drei Prozent der Frauen, die mit dem Virus infiziert sind. Die meisten Infektionen sind harmlos und werden durch das Immunsystem ohne größere Probleme beseitigt.
Die Übertragung findet meistens beim Geschlechtsverkehr statt, aber auch durch Hautkontakt im Intimbereich oder Oralverkehr ist eine Infektion möglich. Interessant ist, dass die Viren nicht durch Sperma, Blut oder Speichel übertragen werden, einzig der Schleimhautkontakt ist entscheidend.
Bestimmte HPV-Stämme als Hochrisikotypen klassifiziert, da sie in direktem Zusammenhang mit der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs stehen. Dazu zählen zum Beispiel HPV 16 und HPV 18. Etwa 70 Prozent der bösartigen Tumore des Gebärmutterhalses werden durch diese beiden Typen verursacht. Derzeit kennt man über 200 verschiedene HP-Viren. Außer Gebärmutterhalskrebs können sie auch andere Erkrankungen wie Warzen auf der Haut oder im Genitalbereich oder auch Zellveränderungen an Schamlippen und Scheidenvorhof (Vulva), Scheide, Penis, After oder im Mund-Rachen-Bereich hervorrufen. Aus diesen Zellveränderungen können ebenfalls Krebsvorstufen und letztendlich Krebs entstehen.
Oft bilden sich diese Gewebsveränderungen (Dysplasien) von alleine wieder zurück, manchmal beginnen sie aber auch unkontrolliert zu wachsen und eine Tumorvorstufe, ein sogenanntes "Karzinom in situ", und letztendlich ein bösartiger Tumor kann entstehen.
Das Zervixkarzinom kann in tiefere Gebebeschichten weiterwaschen, sich in der gesamten Gebärmutter, der Scheide und im umliegenden Bindegewebe ausbreiten. Im fortgeschrittenen Stadium kann es auch auf Beckenwand und angrenzende Organe übergreifen. Später kann es anfangen zu streuen und Fernabsiedlungen, sogenannte Metastasen in entfernten Geweben bilden. Vor allem Lunge, Knochen und Leber sind häufig betroffen.

Ein Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) verursacht in den frühen Stadien oft keine Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, sind sie meist ein Zeichen dafür, dass der Krebs bereits fortgeschritten ist. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:
Diese Symptome können auch andere, ganz harmlose Ursachen haben und deuten nicht zwangsweise auf eine Krebserkrankung hin. Dennoch ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie diese Symptome bemerken, damit dieser die Ursache abklären kann.
Jede Frau ab 20 Jahren, die in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist, kann einmal jährlich kostenlos zur Krebsvorsorge zum Gynäkologen gehen.
Die Untersuchung beinhaltet eine gynäkologische Untersuchung und zudem ein Abstrich vom Gebärmutterhals, den sogenannten PAP-Test, wodurch Zellveränderungen entdeckt werden können.
Frauen ab 35 Jahren können zusätzlich alle drei Jahre einen Test auf humane Papillomviren (HPV) durchführen lassen, der mit dem PAP-Abstrich kombiniert wird. Diese Untersuchung ist nicht nur für junge Frauen sinnvoll, auch ältere sollten das Angebot wahrnehmen. Ein Altersobergrenze für die Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen gibt es nicht.
Hat sich bei den Vorsorgeuntersuchungen ein Verdacht ergeben, oder bestehen Beschwerden, werden einige weitere Untersuchungen durchführt, bevor eine sichere Diagnose gestellt werden kann. Zunächst wird abgeklärt, ob es sich wirklich um Krebs handelt und wenn ja, wie weit die Erkrankung schon fortgeschritten ist, und welcher Tumortyp vorliegt.
Zu den Untersuchungen gehören:
Wurde ein Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs bestätigt, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt um herauszufinden, in welchem Stadium sich der Krebs befindet, da sich der individuelle Behandlungsplan danach ausrichtet. Ebenso wichtig ist es, die Beschaffenheit des Krebsgewebes zu kennen und festzulegen, wie bösartig der Krebs ist. Man verwendet dazu die UICC-Einteilungen (Union Internationale Contre le Cancer).
Die Ergebnisse der Untersuchungen nach einem bestätigten Verdacht führen zu der „Stadieneinteilung“, dem sogenannten „Staging“. Hierfür benutzen Ärzte die TNM-Klassifikation, die angibt:
Die TMN-Klassifikation steht im Arztbrief im Befund als eine Folge von Zahlen und Buchstaben. So kann das Stadium der Erkrankung mit wenigen Zeichen beschrieben werden. Die drei Großbuchstaben bedeuten:
T für Tumor, beschreibt die Größe und die Ausdehnung des Tumors
N für Nodus (Lymphknoten), beschreibt die Anzahl und Lage der befallenen Lymphknoten
M für Fernmetastasen
Die Figo-Klassifikation die speziell von Frauenärzten für die Einteilung gynäkologischer Tumore entwickelt wurde. FIGO bedeutet (International Federation of Gynecology and Obstetrics), das ist die internationale Vereinigung für Gynäkologie du Geburtshilfe. Die Einteilung stimmt im Wesentlichen mit der TMN-Klassifikation überein:
I. Tumor ist nur auf den Gebärmutterhals begrenzt.
II. Der Tumor hat sich über die Gebärmutter hinaus ausgedehnt, ist aber nicht bis zur Beckenwand und nicht ins untere Drittel der Scheide vorgedrungen.
III. Der Tumor hat sich auf die Beckenwand ausgedehnt und verursacht einen Nierenstau (Hydronephrose); auch das untere Drittel der Scheide ist befallen.
IV. Der Tumor hat das kleine Becken überschritten und ist in die Schleimhaut von Blase oder in den Enddarm eingewachsen.
Stadium 0
Frühstadium, Tumor wächst nur in den oberen Gewebsschichten (Karzinom in situ)
Stadium 1
Tumor ist auf den Gebärmutterhals beschränkt
Stadium 2
Umliegendes Gewebe ist ebenfalls befallen
Stadium 3
Ausbreitung bis zur Beckenwand, unteres Drittel der Scheide und evtl. Lymphknoten befallen
Stadium 4
Infiltration von Blase oder Enddarm oder Bildung von Fernmetastasen
Bei der Untersuchung von entnommenem Gewebe- sei es durch eine Biopsie oder während der Operation, kann man feststellen, wie sehr sich das Tumorgewebe von dem normalen Zellgewebe unterscheidet, also wie „bösartig“ der Krebs ist.
Steht die Diagnose fest, stellt sich die Frage nach der richtigen Behandlung. Bei der Auswahl der richtigen Therapie arbeiten in der Regel Ärzte verschiedener Fachrichtung eng zusammen und richten nach bundesweit geltenden Richtlinien, der sogenannten S3-Leitlinie.
Eine entscheidende Rolle spielt die Art des Tumors und wie weit fortgeschritten er ist. Auch individuelle Parameter wie allgemeiner Gesundheitszustand der Patientin, Alter (vor oder nach den Wechseljahren), weitere Krankheiten oder ein Kinderwunsch werden möglichst berücksichtigt. Grundsätzlich kommen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie als Behandlungsmöglichkeiten infrage.

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Natürlich liegt es auf der Hand, dass die beste Vorsorgemaßnahme ist, eine Infektion mit HP-Viren zu vermeiden. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
Werden Früherkennungsprogramme wahrgenommen und dadurch Gewebsveränderungen frühzeitig erkannt und entfernt, sinkt das Risiko erheblich. Auch ein gesunder Lebensstil und ein Rauchverzicht können das Risiko reduzieren. Es gibt einige Hinweise, dass eine gemüsereiche Ernährung und der Verzehr von Zitrusfrüchten, Knoblauch und Zwiebeln einen positiven Effekt haben, aber es gibt keine sicher belegbaren Empfehlungen für eine spezielle Diät oder Ernährungsform.
Es ist wichtig zu wissen, dass jede Frau an Gebärmutterhalskrebs erkranken kann. Letztendlich weiß man nicht, warum es wirklich dazu kommt. Jede betroffene Frau sollte sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht Schuld an ihrer Erkrankung ist. Insbesondere im Stadium 0-1 stehen die Heilungschancen sehr gut, auch im Stadium 2 werden die Heilungschancen noch als gut eingeschätzt - abhängig von der Ausbreitung und der Therapie.

Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Birgit Hartel.
Birgit Hartel ist Apothekerin und als Pharmazeutin bei DocMorris tätig. Sie ist besonders interessiert an den Themenbereichen Diabetes und Onkologie. Ihr Herzensanliegen ist es, komplexe Therapien verständlich zu machen und Menschen in belastenden Situationen mit verlässlichen Informationen zur Seite zu stehen.
Stand: 25.07.2025

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Invasiver Tumor: Tumor, der bereits in tiefere Gewebeschichten eingedrungen ist
Kolposkopie: Scheidenspiegelung
Biopsie: Gewebeentnahme
Neoplasie: Übermäßige Neubildung von Körpergewebe
Maligne Neoplasie: Bösartige Neubildung von Körpergewebe
Carcinoma in situ: Krebsvorstufe
Histologie: Feingewebliche Untersuchung
Zervix: Gebärmutterhals
Sentinel- Lympfknoten: Wächter-Lymphknoten
Kürettage: Ausschabung der Gebärmutter
Hysteroskopie: Gebärmutterspiegelung
transvaginale Sonographie: Ultraschalluntersuchung durch die Scheide
Abdominalsonographie: Ultraschalluntersuchung des Bauches
Trachelektomie: Teilamputation des Gebärmutterhalses
Konisation: Operationstechnik, bei der ein kleiner Kegel aus dem Gebärmutterhals ausgeschnitten wird
Laparotomie: Bauchschnitt
Laparoskopie: Bauchspiegelung
perkutane Bestrahlung: Bestrahlung durch die Haut
Brachytherapie: Bestrahlung von innen durch die Scheide
Karzinom: Bösartiger Tumor, Krebs
Dysplasie: Gewebsveränderung
Adenokarzinom: Bösartiger Tumor, der aus dem Drüsengewebe hervorgeht
Rezidiv: Rückfall der Erkrankung
S3-Leitlinie, Leitlinienprogramm Onkologie
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ
Robert Koch-Institut
Bundesministerium für Gesundheit
Deutsche Krebsgesellschaft
Beipackzettel Avastin
Deutsche Krebshilfe