Bauchspeichel- drüsenkrebs: Diagnose, Symptome, Therapie




Die Bauchspeicheldrüse ist ein lebenswichtiges Organ, das nicht nur an der Verdauung beteiligt ist, sie ist auch für die Produktion wichtiger Hormone wie dem Insulin verantwortlich. Kein Wunder, dass es gravierende Auswirkungen auf viele verschiedene Bereiche des Körpers hat, wenn sie erkrankt. Ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse verursacht lange Zeit keine Symptome und oft wird er nur durch Zufall entdeckt.
In Deutschland erkranken laut dem Robert-Koch-Institut jedes Jahr etwa 20 000 Menschen daran und das Risiko für diese Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter. Als Therapiemöglichkeiten gegen diese aggressive Krebsart kommen Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und weitere zielgerichtete Therapien infrage.
Unsere Informationen können einen ersten Überblick über die Erkrankung verschaffen, aber keineswegs die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin ersetzen. Vereinbaren Sie bei Unsicherheiten oder einem Verdacht bitte immer einen Termin in Ihrer Arztpraxis.
Bauchspeicheldrüsenkrebs, von Medizinern als Pankreaskarzinom bezeichnet, ist eine bösartige Tumorerkrankung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). In Deutschland beträgt sein Anteil an den Krebserkrankungen etwa drei Prozent, das heißt, er kommt recht selten vor.
Er ist aber besonders aggressiv und für sechs Prozent aller krebsbedingten Todesfälle verantwortlich. Bedauerlicherweise hat es neben dem seltenen Mesotheliom die niedrigste Überlebensrate unter allen Krebsarten. Besorgniserregend ist, dass die Anzahl der Neuerkrankungen und auch der Todesfälle kontinuierlich zunimmt, was sicher auch teilweise auf die demographische Entwicklung zurückzuführen ist. Männer erkranken durchschnittlich im Alter von 72 Jahren, Frauen im Alter von 76 Jahren.
Die Bauchspeicheldrüse, in Fachsprache als Pankreas bezeichnet, liegt tief im Bauch direkt hinter dem Magen zwischen Milz und Zwölffingerdarm. Sie ist etwa 15 -20 cm lang und besteht aus drei Abschnitten: dem Kopf, dem Körper und dem Schwanz. Sie spielt eine wesentliche Rolle bei der Verdauung und Regulierung des Blutzuckerspiegels.
Sie besteht aus zwei verschiedenen Gewebearten: dem exokrinen und dem endokrinen Gewebe.
Exokrines Gewebe
Endokrines Gewebe
Kann die Bauchspeicheldrüse ihre Funktion nicht mehr richtig erfüllen, kann das lebensbedrohlich werden. Fehlt zum Beispiel Insulin, kommt es zum Diabetes, in dessen Folge Nerven, Augen, Nieren oder Füße schwer geschädigt werden können. Können die Verdauungssäfte in den exokrinen Zellen nicht mehr ausreichend produziert werden, kann das Essen nicht mehr richtig verwertet werden, Betroffene nehmen ab, haben Verdauungsstörungen und Mangelerscheinungen.
In beiden Gewebearten des Pankreas kann ein Tumor entstehen, am häufigsten, etwa in 95 Prozent aller Fälle, hat er seinen Ursprung im exokrinen Gewebe, in den Zellen, in denen der Verdauungssaft produziert wird. Hier lassen sich drei Arten unterscheiden:
Bei nur ca. fünf Prozent der Betroffenen entwickelt er sich im endokrinen, also hormonbildenden Gewebe, den Inselzellen. Diese Art bezeichnet man als Neuroendokriner Tumor (NET) des Pankreas.
Wie bei fast allen Krebsarten kennen Forscher auch beim Pankreaskrebs bis heute nicht den Grund, warum er überhaupt entsteht. Auch kerngesunde Menschen ohne Vorerkrankungen, die sportlich sind und gesund leben, können anscheinend aus heiterem Himmel ein Pankreaskarzinom bekommen. Es gibt allerdings ein paar Faktoren, die das Risiko für eine Erkrankung erhöhen. Dazu gehören:
Auch bei einer gesunden Lebensweise können Menschen die Entstehung eines Pankreaskarzinoms nicht wirklich verhindern. Veränderungen im Erbgut der Zellen entstehen meist rein zufällig. An der Entstehung von Krebs sind viele verschiedene Faktoren beteiligt, von denen sich nur einige bewusst beeinflussen lassen.
Vorbeugend kann man aber auf jeden Fall versuchen, mögliche Risikofaktoren zu vermeiden und ein gesundes Leben zu führen. Dazu gehört, nicht zu rauchen und nur selten Alkohol zu trinken. Wissenschaftler beschäftigen sich gerade damit, herauszufinden, ob die Ernährung einen Einfluss auf die Entstehung eines Pankreaskarzinoms hat. In der aktuellen S3-Leitlinie wird keine spezifische Diätempfehlung gegeben. Es gibt aber Hinweise dafür, dass eine obst- und gemüsereiche Kost mit hohem Faser- und Vitamingehalt das Krebsrisiko unter Umständen senken könnte. Durch eine fleisch- und fettreiche Ernährung und dem häufigen Verzehr von geräucherten oder gegrillten Speisen ist dagegen möglicherweise das Krankheitsrisiko erhöht. Eine ausgewogene Ernährung hilft auch ein gesundes Körpergewicht zu erhalten. Starkes Übergewicht zählt zu den eindeutig wissenschaftlich bewiesenen Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Es wird vermutet, dass auch der Kontakt zu Schadstoffen wie Pflanzenschutzmitteln, sogenannten Pestiziden, chlorierten Kohlenwasserstoffen oder Chromverbindungen das Krankheitsrisiko unter Umständen erhöhen. Deswegen wird geraten, einen häufigen Kontakt mit diesen Mitteln zu vermeiden.
Für Menschen ohne erhöhtes Risiko und ohne Symptome werden in Deutschland keine Screening-Untersuchungen empfohlen.
Personen, die ein erhöhtes Risiko für ein familiäres Pankreaskarzinom haben, können eine genetische Untersuchung durchführen zu lassen. Hochrisikopatienten, wie Personen mit dem Peutz-Jeghers Syndrom oder Träger bestimmter Mutationen im Erbgut werden Kontrolluntersuchungen angeboten. Für solche Früherkennungsuntersuchungen werden in der Regel bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder ein endoskopischer Ultraschalluntersuchung eingesetzt. Sie werden an spezialisierten Zentren angeboten.
Das Tückische an einem Pankreaskarzinom in frühem Stadium ist, dass es nur sehr selten Beschwerden macht. Und auch wenn diese auftreten, denken die meisten Menschen nicht sofort an eine Krebserkrankung. Die Beschwerden sind eher unspezifisch und können auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Dadurch kann die Diagnose oft erst spät gestellt werden, was die Prognose verschlechtert.
Typische Symptome, die zu Beginn der Erkrankung auftreten können, sind:
!!! Es ist wichtig, einen Arzt aufzusuchen, wenn diese Symptome ohne klare Ursache auftreten und über einen längeren Zeitraum (zwei bis vier Wochen) anhalten. Die Heilungschancen sind umso größer, je früher man den Tumor entdeckt.
Im fortgeschrittenen Stadium können folgende Symptome hinzukommen:
Anfangs ist der Tumor auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt. Wird er größer, kann er sich ausdehnen und umliegendes Gewebe, Lymphknoten und benachbarte Organe wie Magen, Darm oder Milz befallen. Werden Krebszellen über die Lymphgefäße in entfernte Organe transportiert, können sich dort Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, ausbilden. Diese treten bei Menschen mit Pankreaskarzinom häufig in Leber, Lunge und Knochen auf.
Der Verlauf ist abhängig davon, um welche Art von Bauchspeicheldrüsenkrebs es sich handelt. Das Adenokarzinom, die häufigste Form, wächst schnell und breitet sich früh über die Lymphbahnen in andere Organe, bevorzugt in die Leber aus. Es kann auch seltener in die Knochen, die Lunge und andere Organe metastasieren. Die Prognose ist von daher nicht gut. Eine wesentlich günstigere Prognose hat das seltener auftretende Cystadenokarzinom. Diese Form wächst eher langsam, verdrängt das Gewebe und metastasiert spät.

Wenn man die obengenannten Beschwerden feststellt, ist in der Regel der erste Ansprechpartner der Hausarzt. Er wird eine Anamnese durchführen, das heißt, er erkundigt sich genau nach der Art der Beschwerden, wie lange sie schon auftreten, wie stark sie sind, welche Medikamente Sie einnehmen und welche Vorerkrankungen Sie haben. Meist tastet er danach den Bauch ab und nimmt eventuell eine Blutprobe. In vielen Fällen, wird Bauchspeicheldrüsenkrebs aber auch zufällig, zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches, festgestellt, bevor Symptome bemerkt werden. Liegt ein Verdacht vor, folgen weitere Untersuchungen, um festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Tumor handelt, wo genau er sitzt und wie weit fortgeschritten die Erkrankung bereits ist.
Wurde ein Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs bestätigt, werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Denn ist es wichtig zu wissen, in welchem Stadium sich der Krebs befindet, da sich der individuelle Behandlungsplan danach ausrichtet. Ebenso wichtig ist es, die Beschaffenheit des Krebsgewebes zu kennen und festzulegen, wie bösartig der Krebs ist. Man verwendet dazu die UICC-Einteilungen (Union Internationale Contre le Cancer).
Die Ergebnisse der Untersuchungen nach einem bestätigten Verdacht führen zu der „Stadieneinteilung“, dem sogenannten „Staging“. Hierfür benutzen Ärzte die TNM-Klassifikation, die angibt:
Die TMN-Klassifikation steht im Arztbrief im Befund als eine Folge von Zahlen und Buchstaben. So kann das Stadium der Erkrankung mit wenigen Zeichen beschrieben werden. Die drei Großbuchstaben bedeuten:
Daraus lässt sich der Tumor in verschiedene Stadien einteilen:
Eine sehr große Rolle für das Langzeitüberleben von Menschen mit einem Pankreaskarzinom spielt es, dass bei der Operation wirklich das komplette Tumorgewebe entfernt wird. Es ist entscheidend, ob im Resektionsrand noch Tumorzellen vorhanden sind oder nicht. Auch der Abstand der Karzinomzellen vom Rand spielt für die Prognose eine Rolle, je weiter der Tumor von dem Rand entfernt ist, je besser ist es. R0 bedeutet dabei, dass am Resektionsrand mikroskopisch keine Tumorzellen zu finden sind, R1 heißt, es sind Karzinomzellen am Rand mikroskopisch nachweisbar, bei R2 sind sie sogar mit bloßem Auge sichtbar. Als Erweiterung wird das sogenannte CRM-Konzept verwendet. Beträgt der Abstand zum Rand mehr als einen Zentimeter, bezeichnet man das CRM negativ, ist er kleiner als 1 cm als CRM positiv.
Bei der Untersuchung von entnommenem Gewebe- sei es durch eine Biopsie oder während der Operation, kann man feststellen, wie sehr sich das Tumorgewebe von dem normalen Zellgewebe unterscheidet, also wie „bösartig“ der Krebs ist.
Die Behandlung eines Pankreaskarzinoms hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, darunter das Stadium der Krankheit, der Typ des Tumors und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Es wichtig, dass Chirurgen, Onkologen, Radiologen und Pflegekräfte gut vernetzt sind und zusammenarbeiten, das ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Zertifizierte Bauchspeicheldrüsenkrebszentren stehen dabei in der Regel für hohe Qualität in der Versorgung sowie eine besonders gute Vernetzung aller Ansprechpartner. Zudem haben sie eine große Erfahrung bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, sicher wird er Ihnen eine geeignete Klinik empfehlen. Viele Patienten fürchten sich vor den Therapien, aber wenn man sich bewusst ist, was diese Therapien bezwecken können, dass dadurch im besten Fall der Krebs sogar geheilt werden kann, wird das Ganze oft besser ertragen. Ihr medizinisches Behandlungsteam wird die beste Therapie für ihre spezifische Situation finden. Aber oft ist es auch hilfreich, sich auch als Patient über die verschiedenen Optionen zu informieren.

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Auch wenn die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist, ist es wichtig, engmaschig zu kontrollieren, um so ein Wiederauftreten der Krankheit frühzeitig zu bemerken. Im Rahmen der Tumornachsorge werden auch Folgen der Operation oder der Begleiterkrankungen festgestellt und behandelt. Wie genau diese Nachsorgeuntersuchungen aussehen, ist von Fall zu Fall verschieden. Meistens finden sie in einem Intervall von einem bis zu mehreren Monaten statt.
Neben der rein medizinischen Nachsorge wird auch eine sogenannte „Nachbetreuung“ angeboten. Dies kann helfen, die Krankheit seelisch zu verarbeiten und auch die Probleme, die im Zusammenhang mit der Erkrankung auftreten, in den Griff zu bekommen.
Einigen Patienten hilft es, sich Unterstützung bei einer Psychosozialen Beratungsstelle zu holen, die es in vielen Städten und Gemeinden gibt. Manchmal hilft es auch, einfach mit anderen Betroffenen zu reden und sich über die Probleme auszutauschen. Dies funktioniert am besten im Rahmen einer Selbsthilfegruppe.
Es gibt sehr viele Unterstützungsangebote. Als Betroffener werden Sie Hilfe brauchen, scheuen Sie nicht, sie anzunehmen!

Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Birgit Hartel.
Birgit Hartel ist Apothekerin und als Pharmazeutin bei DocMorris tätig. Sie ist besonders interessiert an den Themenbereichen Diabetes und Onkologie. Ihr Herzensanliegen ist es, komplexe Therapien verständlich zu machen und Menschen in belastenden Situationen mit verlässlichen Informationen zur Seite zu stehen.
Stand: 25.07.2025

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Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Stiftung Deutsche Krebshilfe (DKH), S3-Leitlinie Exokrines Pankreaskarzinom
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