Arteriosklerose und Atherosklerose




Arteriosklerose und Atherosklerose, im Volksmund auch Arterienverkalkung genannt, werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet. Streng genommen ist Arteriosklerose aber ein Überbegriff und bezeichnet allgemein eine Verhärtung oder eine Verdickung der Gefäßwände der Arterien – also der Blutgefäße, die das Blut vom Herzen weg transportieren. Die Atherosklerose ist eine Unterform davon, bei der sich Fette, Cholesterin und andere Stoffe an den Innenwänden der Arterien ablagern. Werden die Gefäße dadurch verengt oder sogar verstopft und der Blutfluss verhindert, kann das schlimme Folgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen in den Beinen Folgen haben. Zum Glück kann man viele Risikofaktoren vermeiden.
Arteriosklerose ist ein allgemeiner medizinischer Begriff für die Verhärtung (Sklerose) und Verdickung der Arterien (Arterio-). Diese Veränderungen können durch verschiedene Prozesse entstehen und verschiedene Arten von Arterien betreffen. Deswegen kann man drei verschiede Arten unterschieden:
Arteriosklerose spielt eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor allem der koronaren Herzkrankheit (KHK). Diese Krankheiten zählen zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Allein in Deutschland erleiden jedes Jahr etwa 280 000 Menschen einen Herzinfarkt und 200 000 einen Schlaganfall. Viele davon sterben. Tatsächlich wäre es möglich, durch rechtzeitige Behandlung von Bluthochdruck und zu hohen Cholesterinwerten, einen Großteil davon zu verhindern.
Auch Durchblutungsstörungen in den Beinen, die sogenannte Schaufensterkrankheit, medizinisch als periphere arterielle Verschlusskrankheit bezeichnet, kann durch Arteriosklerose ausgelöst werden. Dabei kommt es zu Schmerzen in den Extremitäten und einem erhöhten Infektionsrisiko.
Die Wand einer Arterie besteht aus mehreren Schichten. Die innerste Schicht, das Endothel, ist normalerweise glatt und schützt die Arterie. Wird diese Schicht beschädigt, beginnt ein Prozess: Bestimmte weiße Blutkörperchen, wie Monozyten und T-Zellen, wandern in die Arterienwand ein. Dort verwandeln sie sich in sogenannte Schaumzellen, die Cholesterin und andere Fette aufnehmen.
Mit der Zeit wandern auch glatte Muskelzellen aus tieferen Schichten in die Innenschicht und vermehren sich ebenso. Zusätzlich lagern sich Bindegewebe, Cholesterinkristalle, Zellreste und Kalzium ab. So entsteht eine Masse, die man Atherom oder atherosklerotische Plaque nennt.
Diese Plaques können die Arterien verengen oder sogar verschließen, wodurch der Blutfluss gestört wird. Manche Plaques platzen auch auf. Dabei gelangen ihre Inhalte in den Blutstrom und können die Bildung von Blutgerinnseln auslösen. Diese Gerinnsel können die Arterie plötzlich blockieren –eine häufige Ursache für Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Manchmal lösen sich auch Teile der Plaque oder des Gerinnsels ab und verstopfen weiter entfernte Gefäße.
Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Arteriosklerose. Das Gute daran ist, dass viele Risikofaktoren beeinflussbar sind und bewusst vermieden werden können.
!!! So könnten zum Beispiel durch eine gesunde Ernährung, ausreichende körperliche Bewegung, Rauchverzicht und Vermeidung von Übergewicht viele Fälle vermieden werden. Es sollte auch darauf geachtet werden, dass Cholesterinspiegel, Blutdruck- und Blutzuckerwerte im Normbereich liegen und eventuell verordnete Medikamente regelmäßig eingenommen werden.
Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren gehören:
Risikofaktoren, die nicht beeinflussbar sind:
Viele Risikofaktoren können durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden, es gibt allerdings auch einige, die sich nicht beeinflussen lassen. Dazu gehören:
Arteriosklerose, die schrittweise Verengung der Arterien, entwickelt sich meist über viele Jahre hinweg und bleibt in den frühen Stadien häufig unbemerkt. Erst wenn die Gefäße bereits um mehr als 70 Prozent verengt sind, treten erste Symptome auf – oft unspezifisch, aber dennoch ernst zu nehmen.
Ein häufiges frühes Anzeichen ist ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, bekannt als Angina pectoris. Dieses tritt vor allem bei körperlicher Belastung oder emotionalem Stress auf und weist darauf hin, dass das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Auch Atemnot bei Anstrengung kann ein erster Hinweis auf eine eingeschränkte Durchblutung sein.
Weitere mögliche Symptome sind Kribbeln, Krämpfe oder Taubheitsgefühle in Armen oder Beinen – Zeichen dafür, dass auch die Extremitäten nicht mehr optimal durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Müdigkeit, Schwindel oder ein unregelmäßiger Herzschlag können ebenfalls auftreten, wenn der Kreislauf insgesamt beeinträchtigt ist.
Diese Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn mehrere Symptome gleichzeitig auftreten oder sich im Laufe der Zeit verstärken.
Im Verlauf einer Arteriosklerose nehmen die Beschwerden zu – sowohl in ihrer Intensität als auch in ihrer Bedeutung für die Gesundheit. Symptome, die auf eine eingeschränkte Durchblutung lebenswichtiger Organe hinweisen, werden deutlich spürbar.
Typisch sind zunehmende Müdigkeit und Atemnot bei schon geringer körperlicher Belastung. Auch die Angina pectoris kann sich verstärken, häufiger auftreten. Die Schmerzen können in die Schulter, den hals Arm, Oberbauch oder sogar in den Kiefer ausstrahlen.
Ein weiteres mögliches Krankheitsbild ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Dabei ist die Durchblutung der Beine gestört, was sich durch Schmerzen oder Krämpfe beim Gehen äußert – ein Phänomen, das auch als „Schaufensterkrankheit“ oder in Fachsprache als Claudicatio intermittens bekannt ist. Betroffene müssen regelmäßig stehen bleiben, weil die Schmerzen erst in Ruhe nachlassen.
Mit dem Fortschreiten der Erkrankung steigt das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. In solchen Fällen kann es zu einem plötzlichen Gefäßverschluss kommen, ein medizinischer Notfall.
Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, die Beschwerden frühzeitig von einem Arzt abklären zu lassen. Durch eine rechtzeitige konsequente Behandlung kann das Fortschreiten verlangsamt und viele Komplikationen vermieden werden.
Wenn bestimmte Körperteile nicht ausreichend durchblutet werden, kann das ernsthafte Folgen haben. Werden die Herzkrankgefäße nicht gut mit Blut versorgt, kann eine koronare Herzkrankheit (KHK) entstehen, werden die Gefäße vollständig verstopft, kann es zum Herzinfarkt kommen. Sind Gefäße im Gehirn blockiert, kommt es zu einem Schlaganfall. Verstopft das Blutgerinnsel eine Beinarterie, kann das eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) auslösen.
Zunächst wird sich der Arzt vermutlich nach Ihren Beschwerden erkundigen, wissen wollen, ob und wo Sie Schmerzen haben, ob Sie ein Engegefühl in der Brust verspüren oder ob Sie unter Missempfindungen leiden. Dann wird er sich nach Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder familiärer Vorbelastung erkundigen.
Bei der körperlichen Untersuchung achtet er auf blasse Haut, auf Temperaturunterschiede oder Hautveränderungen an Armen und Beinen. Er fühlt die Körperpulse z.B. am Hals, Handgelenk oder Fußknöchel und mit einem Stethoskop kann er auch das Herz und die Schlagader am Hals abhören. Eventuell wird er auch an beiden Armen den Blutdruck messen und die beiden Werte vergleichen. Bei einer größeren Differenz besteht der Verdacht auf einen Verschluss der Arteria subclavia, der „Unterschlüsselbeinarterie“.
Es gibt noch viele weitere spezielle Tests wie die Lagerungsprobe nach Ratschow, Gehtests oder die Faustschlussprobe, die bei entsprechendem Verdacht durchgeführt werden können. Wahrscheinlich wird er auch ein EKG (Elektrokardiogramm) in Ruhe oder unter Belastung (Belastungs-EKG) anfertigen.
Im Anschluss wird er vermutlich Blut abnehmen, um Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Entzündungswerte, die auf Arteriosklerose hinweisen können, festzustellen.
Besonders diese Werte sind für die Diagnose relevant:
Bildgebende Verfahren ermöglichen es, Veränderungen an den Gefäßwänden sichtbar zu machen und Engstellen oder Verschlüsse zu erkennen. Besonders häufig eingesetzt wird die Ultraschalluntersuchung (Doppler- oder Farbduplexsonografie), mit der sich Blutfluss und Gefäßverengungen gut beurteilen lassen – etwa in den Halsschlagadern oder Beinarterien.
Wenn der Ultraschall keine eindeutigen Ergebnisse liefert, kommen weiterführende Verfahren wie die CT-Angiografie oder die Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz. Diese liefern detaillierte Bilder auch von tiefer liegenden oder schwer zugänglichen Gefäßen, etwa im Gehirn oder Bauchraum.
Die Therapie der Arteriosklerose basiert auf Lebensstiländerungen, medikamentöser Behandlung und in bestimmten Fällen auch interventionellen Maßnahmen. Zentrales Ziel ist es, das Fortschreiten der Gefäßverengung zu verlangsamen und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder periphere arterielle Verschlusskrankheiten zu senken.
Laut aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Lipidologie (DGFL) steht die Senkung des LDL-Cholesterins im Mittelpunkt der Therapie. Statine, wie zum Beispiel Simvastatin, sind hierbei die Erstlinientherapie und werden sehr häufig verordnet. Bei unzureichender Wirkung oder Unverträglichkeit kommen Ezetimib oder PCSK9-Hemmer zum Einsatz.
Einzelne durch Arteriosklerose verengte oder verschlossene Gefäße am Herzen können im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung mit Ballonkathetern aufgedehnt werden und Stents eingesetzt werden. Auch bei Arteriosklerose im Bein, der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK), können Stents eingesetzt werden. Dadurch kann die Durchblutung wiederhergestellt werden.
Sehr wichtig ist auch ein gesunder Lebensstil. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung (z. B. mediterrane Kost), regelmäßige körperliche Aktivität, Rauchstopp und Gewichtsreduktion.
Bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) empfiehlt die ESC-Leitlinie 2024 zusätzlich eine antithrombotische Therapie, z. B. mit ASS oder Clopidogrel.

Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Birgit Hartel.
Birgit Hartel ist Apothekerin und als Pharmazeutin bei DocMorris tätig. Sie ist besonders interessiert an den Themenbereichen Diabetes und Onkologie. Ihr Herzensanliegen ist es, komplexe Therapien verständlich zu machen und Menschen in belastenden Situationen mit verlässlichen Informationen zur Seite zu stehen.
Stand: 13.08.2025
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Quellen und weiterführende Informationen:
Gelbe Liste https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/arteriosklerose
Merck & Co., Inc. https://www.msdmanuals.com/de/heim/herz-und-gef%C3%A4%C3%9Fkrankheiten/atherosklerose/atherosklerose
S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, Deutsche Gesellschaft für Angiologie https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/065-003
Deutsche Gefäßliga https://www.deutsche-gefaessliga.de/arteriosklerose-ist-vermeidbar/
Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/FzR/FzR_2008_Gesundheitsschaeden-durch-Rauchen-und-Passivrauchen.pdf
Deutsche Schlaganfallbegleitung (DSB) gGmbH https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/arteriosklerose
Deutscher Apothekerverlag https://www.apotheken.de/krankheiten/4367-arteriosklerose
Apothekenumschau https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/diabetes/lexikon/mediasklerose-810815.html
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