Broken-Heart-Syndrom




Das Broken-Heart-Syndrom (Tako-Tsubo-Kardiomyopathie) ist eine plötzliche, stressbedingte Funktionsstörung des Herzmuskels, meist nach emotionalen Belastungen wie Trauer oder Schock. Es betrifft vor allem Frauen nach den Wechseljahren und ähnelt in seinen Symptomen einem Herzinfarkt: Brustschmerzen, Atemnot, Herzrasen. Anders als beim Infarkt sind die Herzkranzgefäße jedoch nicht verengt. Typisch ist eine ballonartige Erweiterung der linken Herzkammer. Ursache ist eine Überflutung mit Stresshormonen wie Adrenalin, eventuell begünstigt durch Hormonmangel oder genetische Veranlagung. Die Diagnose erfolgt per EKG, Bildgebung und Herzkatheter. Meist heilt die Erkrankung folgenlos aus, kann aber Komplikationen verursachen. Behandelt wird mit Herzmedikamenten und Stressbewältigung. Neue Studien prüfen entzündungshemmende Therapien wie Cyclosporin A.
Das Broken-Heart-Syndrom, auch bekannt als Tako-Tsubo-Kardiomyopathie oder Stress-Kardiomyopathie, ist eine seltene, aber durchaus ernstzunehmende Funktionsstörung des Herzmuskels. Es tritt meist plötzlich auf und wird häufig durch starken emotionalen oder körperlichen Stress ausgelöst, wie etwa durch den Verlust eines geliebten Menschen, eine Trennung, einen Unfall oder eine schwere Erkrankung. Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarkts: starke Schmerzen in der Brust, Atemnot, Herzrasen oder sogar Bewusstlosigkeit. Anders als beim Herzinfarkt sind jedoch die Herzkranzgefäße nicht verengt oder verschlossen, sondern voll funktionsfähig.
Beim Broken-Heart-Syndrom bricht das Herz nicht im wahrsten Sinne des Wertes, sondern es sind bestimmte Teile des Herzmuskels in ihrer Funktion gestört und das Herz kann nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen. Typisch für das Broken-Heart-Syndrom ist eine vorübergehende Schwächung der linken Herzkammer, die sich dabei ballonartig aufblähen kann. Im Ultraschall erscheint die Herzspitze dann wie ein Ballon. Es zeigt sich ein Bild, das japanische Forscher an einen Tintenfischkrug („Tako-Tsubo“), eine traditionelle Tintenfischfalle, erinnerte. Daher kommt der Name Tako-Tsubo-Kardiomyopathie (Kardiomyopathie bedeutet Herzmuskelerkrankung).
Die Erkrankung betrifft zu etwa 90 Prozent Frauen nach den Wechseljahren und heilt in den meisten Fällen innerhalb weniger Wochen vollständig aus. Dennoch kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche kommen.
Da die genauen Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind, wird intensiv geforscht – auch zu neuen Therapieansätzen, die das Herz vor stressbedingten Schäden schützen könnten.
Früher wurde das, was wir heute als Broken-Heart-Syndrom kennen, oft nicht ernst genommen. Die Beschwerden galten als rein psychisch, man bezeichnete man sie als typische „weibliche Hysterie". In der Literatur gibt es viele Fälle, in denen Frauen „ganz romantisch“ an gebrochenem Herzen sterben.
Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts begann die Medizin, das Phänomen als reale, körperliche Erkrankung zu erkennen und zu erforschen. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde es dann in den 1990er Jahren von den japanischen Ärzten Keigo Dote und Hikaru Sato.
Das Broken-Heart-Syndrom ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie emotionale Belastung tatsächlich körperliche Schäden verursachen kann – und wie lange es dauerte, bis die Medizin dies als ernstzunehmende Erkrankung anerkannte.
Ein Broken-Heart-Syndrom kann folgende Auslöser haben:
Bei starkem emotionalem oder körperlichem Stress – etwa durch Trauer, Angst, Schock oder sogar Freude – schüttet der Körper große Mengen an Stresshormonen aus, vor allem Adrenalin und Noradrenalin. Diese sogenannten Katecholamine bereiten den Körper eigentlich auf eine „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion vor. Beim Broken-Heart-Syndrom jedoch wirken sie in ungewöhnlich hoher Konzentration direkt auf das Herz.
Die genaue Ursache, warum dies zu einer Funktionsstörung der linken Herzkammer führt, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass ein Zusammenspiel aus Stresshormonen, Alter und hormonellen Veränderungen – insbesondere ein Mangel an Östrogen – eine Rolle spielt.
Besonders häufig tritt das Syndrom bei Frauen nach den Wechseljahren auf. Der Rückgang des schützenden Hormons Östrogen könnte dabei eine Rolle spielen, da es normalerweise die Wirkung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin abmildert und das Herz-Kreislauf-System stabilisiert.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Hinweise darauf gefunden, dass auch genetische Faktoren eine Rolle beim Broken-Heart-Syndrom spielen könnten. In ihrer Studie nutzten sie Stammzellen von Betroffenen, um daraus schlagende Herzzellen zu erhalten. Dabei zeigte sich, dass diese Zellen besonders empfindlich auf Stresshormone wie Adrenalin reagieren – viel stärker als bei Menschen ohne die Erkrankung. Das deutet darauf hin, dass manche Menschen wahrscheinlich von Geburt an ein höheres Risiko haben, ein Broken-Heart-Syndrom zu entwickeln.
Die Symptome eines Broken-Heart-Syndroms lassen sich von denen eines Herzinfarkts nicht unterscheiden. Mögliche Symptome sind:
In einigen Fällen entwickelt sich eine akute Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Dann können zusätzliche Beschwerden auftreten wie:
!!! Wichtig: Auch wenn sich die Herzfunktion bei den meisten Betroffenen innerhalb weniger Wochen wieder normalisiert, sollte bei diesen Symptomen, die sich nicht von denen eines Herzinfarkts unterscheiden, immer sofort ein Notarzt gerufen werden – denn es könnte sich auch um einen Herzinfarkt handeln und da ist schnelles Handeln gefordert.
Das Broken-Heart-Syndrom verläuft nicht immer harmlos. In manchen Fällen kann es zu ernsthaften Komplikationen kommen, die sogar lebensbedrohlich sein können:
Die Diagnose des Broken-Heart-Syndroms ist oft schwierig, weil die Beschwerden denen eines Herzinfarkts sehr ähnlich sind. Dennoch gibt es bestimmte Merkmale, an denen Ärzte die Erkrankung erkennen können.
Wenn jemand plötzlich starke Brustschmerzen oder Atemnot bekommt, wird zunächst immer ein Herzinfarkt vermutet – deshalb sollte bei diesen Beschwerden grundsätzlich sofort der Notarzt gerufen werden.
Im Krankenhaus erfolgt dann eine erste Untersuchung mit einem Elektrokardiogramm (EKG) und einer Blutuntersuchung, unter anderem auf sogenannte Herzenzyme wie Troponin. Aber dadurch kann man noch nicht klar zwischen Herzinfarkt und Broken-Heart-Syndrom unterscheiden.
Ein wichtiger nächster Schritt ist die bildgebende Diagnostik, etwa durch Herz-Ultraschall (Echokardiographie) oder Kernspintomographie (Herz-MRT). Dabei zeigt sich häufig eine typische ballonartige Erweiterung der linken Herzkammer, vor allem an der Herzspitze. Diese Form erinnert an ein japanisches Tongefäß namens „Tako-Tsubo“, das früher zur Tintenfischjagd verwendet wurde – daher der Name der Erkrankung.
Viele Menschen mit Broken-Heart-Syndrom erholen sich ganz von selbst – vor allem, wenn der Verlauf mild ist. In solchen Fällen ist oft keine spezielle Behandlung nötig. Wichtig ist jedoch, mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Deshalb wird in der Regel das Herz mindestens 24 Stunden lang per EKG überwacht. Bei erhöhtem Risiko kann die Überwachung auch länger dauern.
Wenn das Herz durch das Syndrom geschwächt ist, kommen Medikamente wie beispielsweise Betablocker oder ACE-Hemmer zum Einsatz, wie sie auch sonst bei Herzinsuffizienz verwendet werden. Sie entlasten das Herz und verbessern seine Pumpleistung. In schweren Fällen, etwa bei einem kardiogenen Schock, wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen, kann es notwendig werden, den Patienten oder die Patientin auf der Intensivstation zu behandeln.
Manchmal empfehlen Ärzte nach der akuten Phase bestimmte Stressbewältigungsstrategien wie Entspannungs- und Atemübungen, um besser mit emotionalem Druck umzugehen. In manchen Fällen werden auch Psychotherapie oder unterstützende Gespräche angeboten, um den emotionalen Hintergrund der Erkrankung anzugehen und Rückfälle zu vermeiden.
Die Forschung entwickelt sich zunehmend weg von der rein symptomatischen Behandlung hin zu ursachenorientierten Ansätzen.
Das Broken-Heart-Syndrom tritt häufig nach starkem emotionalem Stress auf, etwa bei Trauer oder Schock. Dabei schüttet der Körper große Mengen an Stresshormonen wie Adrenalin aus, die Entzündungen im Herzmuskel auslösen können. Neuere Studien zeigen, dass auch das Immunsystem hierbei eine wichtige Rolle spielt. Ein Medikament namens Cyclosporin A, das ursprünglich zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen eingesetzt wird, könnte diese Entzündungen hemmen und das Herz schützen.
Derzeit läuft eine klinische Studie, die die Wirksamkeit dieser Therapie beim Menschen untersucht.

Diesen Artikel verfasste unsere Apothekerin Birgit Hartel.
Birgit Hartel ist Apothekerin und als Pharmazeutin bei DocMorris tätig. Sie ist besonders interessiert an den Themenbereichen Diabetes und Onkologie. Ihr Herzensanliegen ist es, komplexe Therapien verständlich zu machen und Menschen in belastenden Situationen mit verlässlichen Informationen zur Seite zu stehen.
Stand: 13.08.2025
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Quellen und weiterführende Informationen:
Bundesministerium für Gesundheit https://gesund.bund.de/broken-heart-syndrom#ursachen
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) https://dgk.org/daten/Weihs-Takotsubo-Syndrom.pdf
Pharmazeutische Zeitung PZ https://www.pharmazeutische-zeitung.de/die-tintenfischfalle-der-kardiologen-125018/
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung https://dzhk.de/newsroom/aktuelles/news/artikel/wenn-das-gehirn-erkrankt-kann-das-herz-brechen
https://dzhk.de/newsroom/aktuelles/news/artikel/gebrochenes-herz-erste-hilfe-in-sicht
European Heart Journal, Stressbedingte neurobiologische Aktivität steht im Zusammenhang mit dem Risiko und dem Zeitpunkt des nachfolgenden Takotsubo-Syndroms https://academic.oup.com/eurheartj/article/42/19/1898/6184791
Novartis Pharma GmbH https://www.ratgeber-herzinsuffizienz.de/herzinsuffizienz/ursachen-risikofaktoren/broken-heart-syndrom
Deutsches Ärzteblatt https://www.aerzteblatt.de/archiv/randnotiz-happy-heart-93d0708f-8ade-42de-a6c4-268247bdae05
Uniklinik Heidelberg https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/newsroom/neuer-therapieansatz-fuer-das-broken-heart-syndrom/
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